Doom: Der brutale Old-School-Shooter im Test

19. Mai 2016, 20:13 Uhr · Quelle: next-gamer.de

Im Mai 2016 haben sich die Pforten zur Hölle erneut geöffnet. Der neuste Ableger der Kultreihe Doom steht in den Spieleregalen. Bereits im Vorfeld konnte der Titel zahlreiche Lobeshymnen genießen. Es wurde uns Spielern eine teuflisch gute Grafik, gepaart mit einem herausragenden und flüssigen Gameplay, versprochen. Wir haben die Tore zum Abyss durchschritten und berichten euch, ob die vollmundigen Ankündigungen eingehalten wurden.

Schon der Einstieg des Spiels kann actiongeladener kaum sein. Unser Alter Ego erwacht in einem Sarkophag aus Stein. Kaum haben wir die Augen aufgeschlagen, grinst uns ein Totenschädel entgegen. Mit beherztem Griff wird der erste Schädel am Sarg zertrümmert. Die nächsten folgen auf dem Fuße. Kenner der Serie wissen: Doom ist kein Spiel für zartbesaitete Pazifisten. Blut, Knochen, Gedärme und auch die eine oder andere Gliedmaße fliegen gerne einmal durch das Bild. Weiterhin gewährt das Spiel Zusatzmunition und Lebensenergie für besonders … elegante Kills. Haben wir einen Dämonen genug Lebensenergie abgezogen, wird dieser betäubt und leuchtet farbig auf. Im Nahkampf können nun Glory-Kills durchgeführt werden. In einer schön anzusehenden und brutal animierten Sequenz verprügelt unser Held den Kontrahenten mit den eigenen Gliedmaßen, stopft ihm sein eigenes Herz in den Schlund oder zertrümmert schlicht den Schädel des Feindes. Die Altersfreigabe ab 18 Jahren ist absolut gerechtfertigt.

Los, gib´s mir!

Nun gut, gegen die Geschöpfe der Hölle darf man nicht zimperlich sein. Zumal sich das Gameplay, so brutal es auch sein mag, stellenweise mit einem gewissen Augenzwinkern präsentiert. Die Feinde, nahezu alle bereits aus den Vorgängern bekannt, sind nicht nur Ausgeburt der Hölle, sondern auch einer ausgesprochen lebhaften Fantasie. Angefangen von zombieartigen Besessenen, höllenfeuerwerfenden Imps, großen fliegenden augenähnlichen Geschöpfen bis hin zum Skelett mit Raketenwerfer auf den Schultern bietet Doom ein breites Spektrum an Kanonenfutter.

Mars, Höllentor, Vernichtung

Diese drei Begriffe beschreiben die Storyline von Doom ziemlich gut. Tatsächlich haben sich die Entwickler in Sachen Storytelling wie gewohnt stark zurück gehalten. Die von einem Dämonen besessene Forschungsleiterin Olivia Price hat es sich zum Ziel gesetzt, die Pforte der Hölle erneut aufzustoßen und möchte darüber hinaus eine direkte Transportmöglichkeit zur Erde aufbauen. Selbstredend können wir das nicht zulassen und machen uns auf den Weg das Chaos zu beseitigen. Während sich der Handlungsstrang von jedwedem Tiefgang verabschiedet, kann die Hintergrundstory jedoch durchaus fesseln. In verschiedenen Kodexeintragungen bekommen wir häppchenweise neue Informationen zur UAF-Basis, zur Technologie sowie zum Grund für den Betrieb einer solch riskanten Anlage. Detailinformationen zu den verschiedenen Feinden, UAF-Marines und zum Waffenarsenal finden sich ebenso.

Im Rausch der Geschwindigkeit

Zugegeben, die Story wird keinen Gamer Freundentänze entlocken. Das Gameplay hingegen schafft dies von der ersten Sekunde an. Selten hat es einen derart schnellen, flüssigen und zugleich hervorragend steuerbaren Shooter gegeben. Das Spiel wird konstant mit einer Framerate von 60 Bilden pro Sekunde wiedergegeben. Auch die Geschwindigkeit der Fortbewegung ist atemberaubend. Mit schnellen Moves, Doppelsprüngen und einem Waffenarsenal das selbst Rambo vor Neid erblassen lässt, ballern wir uns durch die schicken Schlauchlevel. Nach wenigen Minuten Eingewöhnung fesselt die Suche nach Olivia Price ungemein.

Kurzer Höllentrip mit hohem Wiederspielwert

Die Singleplayer-Kampagne ist abermals recht kurz gehalten. Durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade, zahlreichen Geheimnisse und vor allem durch das Gameplay welches, sobald die Steuerung gemeistert wurde, ungemein motivierend ist, werden nicht nur Fans der Serie lange an den Bildschirm fesseln. Als besondere Herausforderung haben die Entwickler einen Schwierigkeitsgrad im Repertoire, bei dem die Monster mehr Schaden austeilen und weit mehr Treffer einstecken können. Zudem endet die Kampagne, sobald das virtuelle Alter Ego erstmalig das Zeitliche segnet. Mit dem Tod wird jedoch zugleich ein Marker gesetzt. Diesen gilt es im darauffolgenden Anlauf zu schlagen. Wer in diesem Schwierigkeitsgrad bis zum Ende durchhalten möchte, muss ein verdammt guter Dämonenjäger sein.

Doom 01

Von Upgradekits und neuen Wegen der Vernichtung

Das Waffenarsenal ist zu Beginn des Spiels noch sehr überschaubar. Mit einer Pistole ausgestattet ziehen wir gegen die schwächeren Dämonen zu Felde. Sehr rasch jedoch erweitern sich die Möglichkeiten der Zerstörung um zahlreiche Möglichkeiten. Schrotflinte, Raketenwerfer, Sturmgewehr, Kettensäge und Co. bieten viel Abwechslung zur Vernichtung der Höllenbrut. Im Spielverlauf können zudem Upgradekits gesammelt werden. Diese erweitern die Waffen um Mods. So kann das Sturmgewehr einerseits mit Miniraketen ausgestattet und mit einem Präzisionsvisier erweitert werden. Der Raketenwerfer hingegen kann mit einer praktischen Zielautomatik versehen werden. Via Knopfdruck wechselt ihr zwischen den beiden Mods hin und her.

Lebensverlängernde Maßnahmen

Nicht nur offensive, sondern defensive Erweiterungen können im Spielverlauf freigeschaltet werden. Wer sich mit einem wachsamen Auge durch die Levels bewegt und seinem Forscherdrang freien Lauf lässt, kann an verschiedenen Ecken sogenannte Prätorenmarken aufsammeln. Diese erweitern die Rüstung unseres Helden um zahlreiche hilfreiche Upgrades. So können beispielsweise die Scanner des Anzugs aufgewertet und dadurch die Wegfindung vereinfacht werden. Auch die Reflexe des Helden lassen sich verbessern. Derart aufgerüstet erklimmt der namenlose Held Vorsprünge weit schneller oder kann rascher zwischen den einzelnen Mods wechseln.

Besondere Herausforderungen

Weitere Aufrüstungsmöglichkeiten bieten die in den Levels versteckten Dämonenportale. Diese lösen spezielle Herausforderungen aus: die Runenprüfungen. Einmal aktiviert muss in einem gewissen Zeitraum eine bestimmt Menge an Objekten oder Feinden vernichtet werden. Gelingt uns dies, winken hilfreiche Runen wie der „Ansauger“. Diese Erweiterung erlaubt das Aufsammeln von Objekten wie Munition oder Rüstung aus größerer Entfernung. Mit der Rune „Benebelt & Verwirrt“ wird der Zeitraum, indem Glory-Kills möglich sind, verlängert.

Doom 03

Kein klassisches Deathmatch

Beim Multiplayermodus verzichtet Doom auf große Überraschungen und Innovationen, bis auf eine: der klassische Deathmatchmodus, also jeder gegen jeden, ist nicht verfügbar – sehr schade! Ansonsten geht es in gewohnter Manier in insgesamt sechs Spielmodi hoch her. Grundsätzlich versuchen sich zwei verfeindete Teams gegenseitig ans Leder zu gehen. Gänzlich unblutig geht es dabei lediglich im Modus Freeze Tag zu. Ziel ist es hier, alle Kontrahenten einzufrieren. Einmal zur Eissäule erstarrt, ist der Spieler zunächst aus dem Spiel. Teamkameraden können diese jedoch zurückholen. Erst wenn eine Seite alle Feinde in Eiszapfen verwandelt hat, ist das Spiel gewonnen.

Der vierte Teil der Doom-Reihe hielt wenig Überraschungen bereit. Dies bedeutet jedoch nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Nach wie vor hat es id Software geschafft, mich mit einem mehr als gradlinigen Shooter vor den Bildschirm zu bannen. Das Gameplay ist herausragend und auch das optische Gewand ist absolut beeindruckend. Wer Story und Innovationen sucht, ist bei Doom absolut falsch aufgehoben. Alle anderen können bedenkenlos zugreifen!

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Gaming
[next-gamer.de] · 19.05.2016 · 20:13 Uhr
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