Divinity: Trailer soll Zuschauer wertschätzen, nicht schockieren, erklärt Larian
Was Larian Studios bei den Game Awards auf die Leinwand projizierte, war kein gewöhnlicher Teaser – es war ein viszeraler Schlag in die Magengrube. Wer dachte, die düsteren Ecken von Baldur’s Gate 3 oder die moralischen Abgründe von Divinity: Original Sin 2 hätten die Grenzen des Erträglichen markiert, wurde eines Besseren belehrt. Der Trailer zur bloß „Divinity“ betitelten Neuankündigung strotzt vor einer Rohheit, die selbst hartgesottene Veteranen kurzzeitig verstummen ließ. Doch wer hier bloße Effekthascherei oder billigen „Shock Value“ vermutet, verkennt die Intention der belgischen Rollenspiel-Schmiede gewaltig. Es geht nicht um Provokation um der Provokation willen, sondern um eine fast schon radikale Ehrlichkeit gegenüber dem Spieler.
Respekt vor dem Verstand des Publikums
In einer Industrie, die dazu neigt, Ecken und Kanten abzuschleifen, um bloß niemanden zu verschrecken, wählt Larian den gegenteiligen Weg. Michael Douse, der Director of Publishing, stellte auf Twitter unmissverständlich klar: Dieser düstere Tonfall ist das Resultat eines tiefen Vertrauens in die intellektuelle Reife der Community. „Es geht nicht darum, sie zu schockieren“, betont Douse. Vielmehr sei es der Versuch, dem Auffassungsvermögen der Spieler auf Augenhöhe zu begegnen. Man traut uns zu, eine „dreidimensionale Welt“ in all ihrer schroffen Grandiosität und hässlichen Komplexität zu begreifen, ohne dass man die Narrative weichspülen oder sanitär verpacken müsste. Diese Aussage ist ein Ritterschlag für das Publikum – eine Einladung, sich auf Themen einzulassen, die weh tun, aber gerade deshalb resonieren.
Das größte Projekt aller Zeiten
Die Spekulationsmaschinerie läuft derweil heiß. Dass der Titel den Zusatz „Original Sin“ ablegt, deutet auf einen fundamentalen Kurswechsel hin. Wird Larian dem rundenbasierten Taktik-Schach treu bleiben oder wagt man den riskanten Sprung in die Echtzeit-Action? Fest steht nur eines: „Divinity“ soll selbst den gigantischen Schatten von Baldur’s Gate 3 überragen. Es ist das ambitionierteste Unterfangen in der Geschichte des Studios. Angesichts der Historie – Original Sin 2 verbrachte ein Jahr im Early Access, Baldur’s Gate 3 ganze drei – müssen wir uns wohl auf eine lange Wartezeit einstellen. Doch wenn das Ergebnis eine Welt ist, die uns nicht wie Kinder behandelt, sondern uns die volle, ungefilterte Härte einer lebendigen Fantasy-Dystopie spüren lässt, wird sich jede Sekunde des Wartens lohnen.


