Diese Branchen zahlen die höchsten Abfindungen in Deutschland
Wie hoch diese Abfindungen ausfallen, unterscheidet sich allerdings stark je nach Branche und Unternehmensgröße. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Boston Consulting Group (BCG), die gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung und dem Karriereberater Restart durchgeführt wurde.
Durchschnitt: ein Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr
Über alle befragten Wirtschaftsbereiche hinweg liegt die durchschnittliche Abfindung bei rund einem Bruttomonatsgehalt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit. Das ist ein grober Richtwert, keine feste Regel. Die Studie ist nicht repräsentativ, liefert aber erstmals eine belastbare Orientierung, wie hoch Abfindungen in der Praxis tatsächlich ausfallen.
Laut Jens Jahn, Personalexperte bei BCG, fehlte bislang eine solche Vergleichsbasis. Die Ergebnisse decken sich weitgehend mit den Erfahrungen von Arbeitsrechtlern, die regelmäßig Abfindungsverhandlungen begleiten.
Energie, Finanzen und Medizintechnik zahlen besonders gut
Deutlich über dem Durchschnitt liegen mehrere Branchen. Besonders hohe Abfindungen werden laut Umfrage in der Energiebranche und im Finanzsektor gezahlt, gefolgt von der Medizintechnik. Fachanwalt Andreas Rehder bestätigt diesen Befund aus der Praxis.
Der Grund liegt vor allem in der finanziellen Ausstattung dieser Unternehmen. Sie verfügen meist über stabile Cashflows und legen frühzeitig Rückstellungen für Restrukturierungen an. In Phasen des Stellenabbaus können sie es sich leisten, höhere Abfindungen zu zahlen – auch, um Reputationsschäden zu vermeiden.
Hinzu kommt ein Gewöhnungseffekt: Unternehmen, die bereits in der Vergangenheit großzügige Abfindungen gezahlt haben, bewegen sich bei späteren Runden selten nach unten.
Überraschung bei der Unternehmensgröße
Bemerkenswert ist ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Kleine und sehr große Unternehmen zahlen im Schnitt höhere Abfindungen als mittelgroße Betriebe. Während Konzerne mit mehr als 5.000 Beschäftigten über größere Budgets verfügen und ihre Außenwirkung im Blick haben, gehen kleinere Unternehmen oft aus Angst vor Rechtsstreitigkeiten großzügiger vor.
Mittelständische Firmen hingegen achten laut BCG stärker auf Kostenkontrolle und verhandeln Abfindungen deutlich härter. Arbeitsrechtler Rehder ergänzt, dass kleinere Betriebe häufig erst nach anwaltlicher Beratung realisieren, welche Risiken ein Kündigungsschutzprozess birgt – und dann lieber mit einer höheren Abfindung planen.
Gewerkschaften machen den Unterschied
Ein weiterer Faktor ist die gewerkschaftliche Organisation. Wo starke Arbeitnehmervertretungen existieren, fallen Abfindungen häufig höher aus. Das zeigt sich auch bei Branchen, die im Durchschnitt schlechter abschneiden.
Kommunikationsunternehmen zahlen laut Umfrage mit dem Faktor 0,68 eines Monatsgehalts pro Beschäftigungsjahr am wenigsten. Bei RTL etwa liegen die Abfindungen im aktuellen Sparprogramm dennoch zwischen 1,0 und 1,4 Monatsgehältern pro Jahr. Zusätzlich gibt es Zuschläge für lange Betriebszugehörigkeit sowie einen einmaligen Abschlussbonus von 12.500 Euro.
Abfindungen bleiben Verhandlungssache
Trotz aller Richtwerte gilt: Abfindungen sind immer individuell. Entscheidend sind unter anderem Branche, Unternehmensgröße, wirtschaftliche Lage, Betriebszugehörigkeit und Verhandlungsgeschick. Für Beschäftigte zählt am Ende weniger der Faktor als die konkrete Summe.
Die BCG-Umfrage zeigt jedoch klar: In bestimmten Branchen ist deutlich mehr möglich, als viele Arbeitnehmer erwarten – vor allem dort, wo Unternehmen finanziell gut aufgestellt sind und den Stellenabbau möglichst geräuschlos gestalten wollen.


