Die Wirtschaft zwischen Hoffnung und Skepsis: Koalitionsvertrag steht im Fokus
Der Abschluss des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD sorgt für ein Wechselbad der Gefühle in der Wirtschaftswelt. Zahlreiche Branchenvertreter reagieren erleichtert auf die zügig abgeschlossenen Verhandlungen, zeigen sich jedoch auch skeptisch hinsichtlich der Umsetzung neuer Reformen.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erkennt in den Vereinbarungen Ansätze zu dringend notwendigen Strukturreformen. Die Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner hebt hervor, dass die Parteien mit ihrer Zielstrebigkeit den Erwartungen der Wirtschaft gerecht wurden. Dennoch mahnt sie an, dass die geplante steuerliche Entlastung der Unternehmen später als notwendig erfolgt.
Der Koalitionsvertrag enthält Investitions- und Wachstumssignale, deren Realisierung nun entscheidend ist. Auch in der Bauindustrie wird der schnelle Verhandlungsabschluss als positives Signal aufgenommen. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, betont, dass nun abzuwarten bleibt, ob der eingeschlagene Weg tatsächlich zu Wachstum und Bürokratieabbau führt.
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, sieht im Vertrag sowohl Potenzial als auch Herausforderungen. Während es positive Entwicklungen geben könne, steht die Frage im Raum, ob eine echte Wirtschaftswende erreichbar ist.
Rainer Kirchdörfer von der Stiftung Familienunternehmen und Politik äußert sich erfreut über den Verzicht auf Steuererhöhungen, ist aber enttäuscht über den späten Einstieg in niedrigere Unternehmenssteuern, erst im Jahr 2028. Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung kritisiert das Papier als ambitionlos und die zentralen Zukunftsfragen als unzureichend adressiert.
Wirtschaftsweise Monika Schnitzer teilt diese Ansicht und bemängelt das Fehlen eines klaren Wachstumsprogramms. Florian Swyter vom Gesamtverband der Personaldienstleister beschreibt das Dokument als eine 'trübe Lampe' mit wenig Aufbruchswillen. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst hingegen lobt die geplanten Maßnahmen zur Digitalisierung und sieht darin einen wichtigen Impuls für Deutschland.

