Die SpaceX-Mogelpackung des Berliner Fintechs Nao
Der große Auftritt mit Cathie Wood
Mitte Januar verkündete Nao-Gründer Robin Binder eine Kooperation mit der prominenten Tech-Investorin Cathie Wood. Über LinkedIn verbreitete Binder die Nachricht, flankiert von einem Videogruß Woods, in dem sie die Zusammenarbeit als wichtigen Schritt für die internationale Expansion ihrer Investmentgesellschaft ARK Invest bezeichnete.
Die Botschaft war klar: Gemeinsam wolle man Kleinanlegern ermöglichen, an exklusiven Wachstumsunternehmen teilzuhaben, die sonst institutionellen Investoren vorbehalten sind.
Das Versprechen: Zugang zu SpaceX, OpenAI und Revolut
Auf der Website der Investmentplattform Nao wird offensiv mit den Logos von SpaceX, OpenAI und Revolut geworben. Der Claim: „Dein Zugang zu bahnbrechenden Unternehmen wie SpaceX, OpenAI & Revolut mit ARK x NAO ab 1 €“.
Das Produkt wird als ELTIF beworben, also als europäischer langfristiger Investmentfonds, der auch Privatanlegern Investitionen in illiquide Anlageklassen ermöglichen soll. Die Assoziation ist eindeutig: Wer investiert, beteiligt sich indirekt an genau diesen Unternehmen.
Der Blick ins Kleingedruckte
Doch genau hier beginnt das Problem. Denn das beworbene ELTIF investiert nicht direkt in SpaceX, OpenAI oder Revolut. Auch eine indirekte Beteiligung über ARK-eigene Fonds ist nicht garantiert. Tatsächlich handelt es sich um ein breit angelegtes Vehikel, das in verschiedene Fonds, Zweckgesellschaften und Beteiligungsstrukturen investieren kann – ohne Anspruch auf konkrete Zielunternehmen.
Die genannten Tech-Firmen tauchen im rechtlichen Regelwerk nicht als zugesicherte Investments auf. Vielmehr dienen sie als Beispiele für das thematische Umfeld, in dem ARK Invest grundsätzlich aktiv ist. Ein Rechtsanspruch auf eine Beteiligung an diesen Unternehmen besteht für Anleger nicht.
Marketing versus Produktrealität
Die Diskrepanz zwischen Werbebotschaft und Produktstruktur ist erheblich. Während Nao auf der Startseite mit konkreten Unternehmensnamen und -logos arbeitet, relativiert das Verkaufsprospekt diese Aussagen deutlich. Für juristisch geschulte Leser ist klar: Es handelt sich um Marketing, nicht um ein Leistungsversprechen.
Für Kleinanleger hingegen entsteht leicht der Eindruck, man könne bereits mit kleinen Beträgen gezielt in die wertvollsten privaten Tech-Unternehmen der Welt investieren. Genau dieser Eindruck ist es, der das Produkt problematisch macht.
Ein strukturelles Problem im ELTIF-Markt
Der Fall Nao steht exemplarisch für ein größeres Thema. ELTIFs werden zunehmend als Brücke zwischen Private Markets und Privatanlegern vermarktet. Die Produkte sind komplex, illiquide und langfristig gebunden, während die Werbung oft maximale Nähe zu bekannten Marken und prominenten Investoren suggeriert.
Dass ARK Invest tatsächlich als strategischer Partner auftritt, ist unstrittig. Dass Cathie Wood persönlich für das Produkt wirbt, ebenfalls. Doch daraus folgt nicht, dass Anleger über Nao tatsächlich an Woods bekanntesten Beteiligungen partizipieren.
Vertrauensfrage für ein junges Fintech
Für Nao ist der Deal mit ARK Invest zweifellos ein Prestigeerfolg. Doch die aggressive Vermarktung birgt Risiken. Sollte sich bei Anlegern der Eindruck verfestigen, dass hier mit falschen Erwartungen gearbeitet wurde, könnte das Vertrauen schnell kippen – gerade in einem Markt, der ohnehin sensibel auf Intransparenz reagiert.
Am Ende bleibt eine nüchterne Erkenntnis: SpaceX, OpenAI und Revolut sind starke Namen. Aber sie sind kein Investmentversprechen. Wer bei Nao investiert, sollte das Produkt verstehen – und nicht die Logos.


