Investmentweek

Die Genossenschaftsbanken und ihr Skandalstrudel

01. Dezember 2024, 20:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Problemfälle von Düsseldorf bis Bad Salzungen werfen ein Schlaglicht auf Misswirtschaft und Risikomanagement. Die Finanzaufsicht warnt – und der Ruf des Sektors leidet.

Geld weg, Vertrauen weg

100 Millionen Euro einfach weg – dieser Albtraum ist für die Volksbank Düsseldorf Neuss Realität geworden. Das Geld, überwiesen im Auftrag des französischen Modekonzerns Kiabi, verschwand auf einem Konto in der Türkei.

Jetzt droht der Bank eine Rückzahlung, die die Hälfte ihres Eigenkapitals verschlingen könnte. Nur dank des milliardenschweren Sicherungsfonds des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) konnte der totale Absturz verhindert werden.

Doch der Fall in Düsseldorf ist kein Einzelfall. Bereits zwei andere Volksbanken, Dortmund-Nordwest und Bad Salzungen Schmalkalden, mussten dieses Jahr gerettet werden. Die Probleme häufen sich, und damit wächst der Druck auf den gesamten Genossenschaftssektor.

Ein System in der Schieflage?

Die BaFin zeigt sich zunehmend alarmiert. „Einige Banken sind schlecht geführt und haben ein unzureichendes Risikomanagement“, kritisiert Präsident Mark Branson. Die Aufsicht schaut seit Monaten genauer hin – und sieht Muster, die sich wiederholen: schwache Führung, fragwürdige Investitionen und eine riskante Selbstüberschätzung mancher Manager.

Auch Branchenkenner wie der Bankenprofessor Martin Faust sehen Defizite.

„Es stellt sich die Frage, ob die Risiken überhaupt richtig bewertet wurden“, erklärt er.

Gerade kleinere Institute würden oft über ihre Verhältnisse wirtschaften, angetrieben von der Angst, Marktanteile zu verlieren.

Immobilienfalle und riskante Wetten

Eines der größten Risiken: das Immobiliengeschäft. Viele Volksbanken setzten in der Niedrigzinsphase auf gewerbliche Immobilienfinanzierung, um Renditen zu sichern.

Doch mit den Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank gerieten zahlreiche Projekte unter Druck. So auch in Dortmund-Nordwest, wo riskante Immobilienfonds 130 Millionen Euro Garantien notwendig machten.

Das Muster wiederholt sich: Auch die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden fiel durch hohe Wertberichtigungen auf Immobilien auf. Hinzu kommen dubiose Geschäfte wie 100-Prozent-Finanzierungen, vermittelt durch fragwürdige Berater.

„Immo Tommy“, ein Finanzinfluencer, soll Kunden Kredite vermittelt haben, deren Immobilienpreise künstlich aufgeblasen wurden. Das Ergebnis: verärgerte Kunden und noch mehr Verluste.

Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden musste aufgrund von Wertberichtigungen auf Immobilien Verluste von 280 Millionen Euro hinnehmen – ein Fall, der das Image der Genossenschaftsbanken nachhaltig belastet.

Verantwortungslosigkeit in der Führung

Besonders heikel: Viele Skandale lassen sich auf individuelles Missmanagement zurückführen. „Es gab immer eine starke Figur, die glaubte, alles im Griff zu haben“, sagt Raimund Röseler, oberster Bankenaufseher der BaFin.

Dieses „Alte-weiße-Männer-Syndrom“ führe zu einer gefährlichen Selbstüberschätzung. Die Risiken würden oft erst dann sichtbar, wenn es zu spät sei.

Einige Brancheninsider sehen das ähnlich: „Manche Manager glauben, sie könnten ihre Bank allein retten, egal wie riskant die Geschäfte sind“, erklärt ein Volksbank-Vorstand. Das Ergebnis? Größere Probleme, die letztlich die Solidargemeinschaft auffangen muss.

Das Dilemma der Genossenschaft

Die genossenschaftlichen Strukturen sind Fluch und Segen zugleich. Einerseits verhindert der Haftungsverbund, dass Einleger ihr Geld verlieren. Andererseits wissen Manager, dass sie im Notfall aufgefangen werden. „Das lädt dazu ein, Risiken einzugehen, die man sich sonst nicht leisten würde“, warnt ein Branchenexperte.

Der Sicherungsfonds ist gut gefüllt, doch die Belastungen wachsen. Rund 500 Millionen Euro wurden dieses Jahr für Rettungsaktionen benötigt.

„Was passiert, wenn größere Banken in Schwierigkeiten geraten?“ fragt ein skeptischer Insider.

Bisher traf es nur kleinere Institute, aber der Druck auf die Branche nimmt zu.

Image auf der Kippe

Volksbanken galten lange als konservativ und grundsolide. Die Finanzkrise 2008 überstanden sie ohne staatliche Hilfe, und 2023 feierte der Sektor mit elf Milliarden Euro Vorsteuergewinn ein Rekordjahr. Doch die aktuelle Skandalserie hinterlässt Spuren. „Das ist nicht reputationsförderlich“, gibt Cornelius Riese, Chef der DZ Bank, unumwunden zu.

Während einige in der Branche die Probleme als „Pillepalle“ abtun, wächst bei anderen die Sorge. „Wir können uns nicht leisten, dass solche Fälle das Vertrauen in den gesamten Sektor beschädigen“, betont ein Volksbank-Manager. Gleichzeitig mahnen Experten wie Martin Faust an, dass es mehr Kontrollmechanismen und besseres Risikomanagement brauche.

Finanzen / Banking
[InvestmentWeek] · 01.12.2024 · 20:00 Uhr
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