Investmentweek

Deutschlands neue Schuldenwelle – Fluch für Kreditnehmer, Chance für Sparer?

11. April 2025, 07:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Der Bund will sich mit bis zu 1.100 Mrd. Euro frischem Kapital eindecken. Was das für Zinsen, Anleihen – und Ihr Depot bedeutet.

Ein Schuldenpaket, das alles verändert

Noch ist die genaue Summe offen – doch eines steht bereits fest: Die Bundesrepublik Deutschland wird sich unter der neuen Regierung auf Jahrzehnte verschulden wie nie zuvor.

Ob für Verteidigung, Infrastruktur oder wirtschaftliche Transformation – das Kreditvolumen, das nun über Grundgesetzänderungen ermöglicht wurde, liegt je nach Schätzung zwischen 900 und 1.100 Milliarden Euro. Und das bringt Bewegung in einen Markt, der für viele Privatanleger zuletzt eher langweilig war: den Markt für Staatsanleihen.

Dabei ist die Nachricht für zwei Gruppen besonders relevant: Kreditnehmer und Anleger. Während Erstere künftig mit höheren Finanzierungskosten rechnen müssen, könnten sich für vorsichtige Anleger ungeahnte Chancen eröffnen.

Bundesanleihen werden wieder interessant

Deutschlands Staatsanleihen – lange Zeit als renditelose Sicherheit verschrien – gewinnen mit dem Zinsanstieg und der geplanten Rekordverschuldung wieder an Relevanz.

Bundeswertpapiere mit zehnjähriger Laufzeit werfen derzeit rund 2,8 % ab. Noch Anfang des Jahres waren es 2,4 %. Es ist der stärkste Zinsanstieg seit der Wiedervereinigung.

Der Grund: Der Markt reagiert sofort auf das erhöhte Angebot an neuen Schuldtiteln – und preist höhere Renditen ein. Das bedeutet: Der deutsche Staat muss künftig etwas tiefer in die Tasche greifen, um neue Käufer für seine Papiere zu finden. Gut für Anleger, die nach Jahren der Nullzins-Politik nun wieder echte Erträge sehen – bei maximaler Bonität.

Anleihen statt Aktien? Bundeswertpapiere bieten erstmals seit 15 Jahren wieder fast 3 % Rendite – doch wer zu früh kauft, riskiert Kursverluste bei weiter steigenden Zinsen.

AAA, aber zu welchem Preis?

Noch genießt Deutschland die Top-Bonität „AAA“. Doch mit dem Schuldenberg wachsen auch die Fragen. Bleibt das Vertrauen der Investoren bestehen? Und wie lange wird Deutschland noch als nahezu risikoloser Schuldner gelten?

Ökonomen sehen aktuell keine akute Gefahr. Selbst bei einer Verdopplung des Schuldenvolumens auf rund 3,4 Billionen Euro würde die Verschuldungsquote mit 75 bis 80 % des BIP im internationalen Vergleich moderat bleiben.

Zum Vergleich: Die USA liegen bei über 120 %, Japan bei rund 260 %. Das AAA-Rating dürfte also stabil bleiben – sofern keine politischen Erschütterungen eintreten.

Was heißt das für Sparer konkret?

Kurzfristige Bundeswertpapiere, etwa mit ein- oder zweijähriger Laufzeit, sind bereits heute für viele sicherheitsorientierte Anleger eine attraktive Alternative zum Tagesgeld. Produkte wie die Bundesschatzanweisung (z. B. WKN BU2207) bieten derzeit 2,15 % Zinsen – bei null Risiko, aber begrenzter Laufzeit.

Wer jedoch auf längere Laufzeiten setzt, sichert sich mit zehnjährigen oder 15-jährigen Anleihen Renditen nahe 3 % – das höchste Niveau seit der Finanzkrise 2008.

Allerdings gilt hier: Sollte das allgemeine Zinsniveau noch weiter steigen, drohen bei zwischenzeitlichem Verkauf Kursverluste. Wer die Anleihe jedoch bis zum Ende hält, bekommt die vollen Zinsen garantiert.

Für Kreditnehmer ein bitteres Spiel

Während sich Sparer freuen, geraten Kreditnehmer unter Druck. Der Staat konkurriert nun massiv mit privaten Bauherren und Unternehmen um Kapital. Das treibt die Zinsen auch am Hypothekenmarkt.

Sicher, aber teuer: Trotz AAA-Rating muss Deutschland Investoren nach Ankündigung der Schuldenpläne bis zu 50 Basispunkte mehr Rendite bieten.

Wer heute eine Immobilienfinanzierung abschließt, zahlt in der Regel zwischen 3,5 % und 4 % Zinsen – mit Tendenz nach oben, falls die Renditen für Langläufer weiter steigen.

Auch Unternehmenskredite, Projektfinanzierungen und Konsumentenkredite werden künftig teurer. Das schwächt Investitionen – und könnte mittelfristig das Wachstum bremsen. Der Staat steht damit vor einem Dilemma: Er will Wachstum ankurbeln, riskiert aber, privates Kapital zu verdrängen.

Zinsstruktur wird steiler

Anleger sollten sich auf eine sogenannte „steilere Zinskurve“ einstellen: Während die Renditen am kurzen Ende – also bei ein- bis zweijährigen Laufzeiten – durch die Geldpolitik der EZB begrenzt sind, ziehen die Langläufer deutlich an.

Experten wie Michael Krautzberger von AllianzGI oder Chris Hofmann von Vanguard rechnen zwar nicht mit einem Zinsschock, aber mit weiter leicht steigenden Renditen im Bereich zehn Jahre plus.

Heißt: Wer jetzt kauft, sichert sich attraktive Zinsen. Wer später kommt, bekommt vielleicht mehr – aber trägt auch das Risiko fallender Kurse.

Anleger zwischen Opportunität und Timing

Der Anleihenmarkt wird zum neuen Spielfeld der vorsichtigen Investoren. Während Aktienmärkte weiterhin schwanken und Immobilien unter Druck stehen, versprechen Bundesanleihen solide Erträge ohne Emittentenrisiko. Das macht sie besonders interessant für defensive Portfolios, Rentenversicherungen und Altersvorsorgeprodukte.

Zugleich müssen sich Anleger mit einem alten Anleihegesetz anfreunden: Steigende Zinsen bedeuten fallende Kurse – jedenfalls für bereits ausgegebene Bonds. Wer also Flexibilität braucht, sollte nicht alles auf eine lange Laufzeit setzen, sondern über Anleihenfonds oder Laufzeit-Mix-Produkte nachdenken.

Ein Risiko bleibt: Vertrauen

So rational die Schuldenaufnahme auch begründet ist – sie steht und fällt mit dem Vertrauen der Investoren. Sollte eine künftige Regierung fiskalpolitisch entgleisen oder das AAA-Rating in Zweifel gezogen werden, könnte Deutschland in eine Schuldenfalle geraten – mit steigenden Zinskosten und begrenztem Handlungsspielraum.

Noch sieht nichts danach aus. Aber das Spiel mit der Billion ist auch ein Spiel mit dem Vertrauen.

Wer profitiert, wer verliert?

Die geplante Schuldenoffensive bringt Deutschland in eine neue fiskalische Ära – mit Nebenwirkungen. Für vorsichtige Anleger eröffnen sich erstmals seit Jahren wieder lukrative Möglichkeiten im konservativen Segment. Für Schuldner wird Kapital teurer, das gilt für Staaten ebenso wie für Privatpersonen.

Die große Frage bleibt: Werden die Schulden Investitionen, Wachstum und Innovation befeuern – oder nur den Zinsdienst?

Finanzen / Wirtschaft
[InvestmentWeek] · 11.04.2025 · 07:00 Uhr
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