Deutschland will wirtschaftliche Beziehungen mit Afrika verstärken
Deutschland plant, seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Afrika zu intensivieren, um den durch die unbeständige Zollpolitik der US-Regierung und die massive Konkurrenz aus China entstehenden Herausforderungen zu begegnen. Außenminister Johann Wadephul bezeichnete Afrika als 'Chancenkontinent' und betonte, dass diese Potenziale in Deutschland nicht genügend wahrgenommen wurden. Dies äußerte er bei einem Treffen mit dem kenianischen Außenminister Musalia Mudavadi in Nairobi. Chinas Präsenz ist in Afrika, insbesondere in Nairobi, stark zu spüren, was Wadephul als Anlass zur Beschleunigung deutscher Engagements sieht.
Der Handelspolitiker betonte die Notwendigkeit, flexibler und schneller zu agieren. Kenias hohe Verschuldung bei China und die dadurch ausgelösten sozialen Spannungen unter der jungen Generation sind dabei wichtige Faktoren. Wadephul plädiert für eine Diversifikation von Wirtschaftsbeziehungen als Antwort auf die US-Zollpolitik und sieht insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien, der E-Mobilität sowie im Maschinenbau Potenziale für die Zusammenarbeit.
Kenia dient als wichtiger Partner in der internationalen Zusammenarbeit und wird von Wadephul als politisches und wirtschaftliches Schwergewicht mit Führungsanspruch weit über Ostafrika hinaus angesehen. Ein deutsch-kenianisches Migrationsabkommen soll Fachkräften ab 2024 den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern und die bilateralen Beziehungen weiter stärken. Wadephul besuchte auch ein multinationales Schulungszentrum, das sich dem Kampf gegen Sprengfallen widmet, und hob Kenias Rolle als wichtiger Friedensakteur in regionalen Konflikten hervor.
Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch eines Ausbildungszentrums von Krones AG in Nairobi, das als Service-Hub und Vertriebsstelle für Ostafrika fungiert. Krones ist weltweit in der Herstellung und Verpackung von Getränken führend und trägt zur wirtschaftlichen Verzahnung der beiden Länder bei. Kenia gilt, nach Nigeria, Südafrika und Äthiopien, als die viertgrößte Volkswirtschaft in Subsahara-Afrika. Das Land strebt enge politische Beziehungen zu einer Vielzahl von internationalen Akteuren an, darunter die USA, Großbritannien, die Vereinigten Arabischen Emirate und China.

