Deutscher Automarkt vor Herausforderungen: Asien setzt die Standards
Die deutsche Automobilindustrie steht vor einem Strukturwandel, der ihre Produktionszahlen und Beschäftigung drastisch beeinflussen könnte. Laut Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Centers Automotive Research (CAR) in Bochum, wird die heimische Autoproduktion weiter schrumpfen. Grund hierfür sind insbesondere die unter Donald Trump eingeführten Importzölle, die deutsche Hersteller veranlassen, ihre Produktionsteile verstärkt in die USA zu verlagern. Dies könnte die Anzahl der in deutschen Autofabriken Beschäftigten von derzeit 720.000 auf unter 700.000 senken. Bis 2027 wird sogar ein Rückgang auf etwa 650.000 prognostiziert.
Während Europa im Automobilsektor schwächelt, dominiert Asien, insbesondere Japan, Korea und China, immer mehr den internationalen Markt. Diese drei Länder vereinen in diesem Jahr beeindruckende 60 Prozent des weltweiten Automobilgeschäfts auf sich. Angesichts solider Wachstumsraten in China sieht CAR das Potenzial, bis 2027 einen weltweiten Absatzrekord von 85,4 Millionen Fahrzeugen zu erreichen.
Deutschland sieht sich zudem mit einer Gewinnkrise konfrontiert, wie eine aktuelle EY-Analyse aufzeigt. Die Autohersteller Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz erlitten im dritten Quartal 2025 einen massiven Gewinneinbruch von rund 76 Prozent, was einen operativen Gewinn von nur noch 1,7 Milliarden Euro bedeutet – den niedrigsten Stand seit 16 Jahren. Als treibende Faktoren nennt Constantin Gall, EY-Autoexperte, die Schwäche im Premiumsegment, protektionistische US-Zollmaßnahmen, Wechselkursschwankungen sowie hohe Investitionen in die Elektromobilität, die sich momentan noch nicht lohnen.
China bleibt als bedeutendster Einzelmarkt im Fokus der deutschen Hersteller. Obwohl der europäische Marktanteil auf 15 Prozent geschrumpft ist, wird für 2026 ein Wachstum auf knapp 2,9 Millionen Verkäufe in Deutschland erwartet, getrieben durch neue Fördermittel für Elektrofahrzeuge. Doch bereits im Folgejahr wird eine Abschwächung des Absatzes vorhergesagt. In globalen Verkaufsstückzahlen liegt Deutschland dennoch auf dem fünften Rang hinter China, den USA, Indien und Japan.
Die zukünftige Ausrichtung auf den chinesischen Markt wird essenziell für das Überleben der deutschen Automobilbranche sein. Dudenhöffer betont, dass eine Entwicklung und Produktion nach dem Motto "in China für China" notwendig sei, um mithalten zu können. Nur wer im chinesischen Markt präsent sei, befinde sich tatsächlich im globalen Autogeschäft.

