Deutsche Wirtschaft in der Warteschleife: Hoffnung auf einen Innovationsschub
Die deutsche Wirtschaft kämpft weiterhin mit einer hartnäckigen Stagnation, aus der es keinen einfachen Ausweg zu geben scheint. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verharrte im dritten Quartal, nach einem Rückgang im Frühjahr, unverändert. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes blieb es bei einem Nullwachstum im Vergleich zum Vorquartal.
Ein Lichtblick könnte sich zum Jahresende abzeichnen. Die Arbeitsmarktzahlen zeigen eine leichte Belebung, mit 44.000 weniger Arbeitslosen im Oktober als im September. Allerdings bleibt die klassische Herbstbelebung verhalten. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht dennoch Handlungsbedarf und fordert Reformen zur Stärkung der Sozialsysteme und des Arbeitsmarktes.
Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland derzeit schlecht ab. Während Länder wie Spanien und Portugal im Sommer zulegten, bleibt Deutschlands Wachstum hinter dem europäischen Schnitt zurück. Vor allem der Export leidet unter der US-Zollpolitik und der schwachen Nachfrage in Schlüsselindustrien wie dem Automobil- und Chemiesektor. Auch die Verbraucherausgaben stagnieren, da die Lebenshaltungskosten steigen.
Trotz Investitionen in Maschinen und Fahrzeuge gingen die Exporte im dritten Quartal zurück. Ökonomen sehen erst 2024 Chancen für eine Stabilisierung, mahnen jedoch zu nachhaltigen Reformen. Christian Sewing von der Deutschen Bank fordert eine Fokussierung auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit, um strukturelle Probleme wie hohe Energiepreise und Bürokratie abzumildern.
Die Bundesregierung plant ambitionierte Reformen, darunter verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten und schnellere Genehmigungsverfahren. Kanzler Friedrich Merz betonte den Beginn eines "Herbstes der Reformen". Doch intern stehen der Koalition politische Dissonanzen im Weg. Die Wirtschaft erwartet daher maximal ein Mini-Wachstum für 2025.
Für das vierte Quartal und darüber hinaus sind dennoch positive Signale erkennbar. Robin Winkler von der Deutschen Bank äußert Hoffnung auf eine kommende Konjunkturerholung. 2026 könnte mit massiven Infrastrukturinvestitionen eine Trendwende bringen, auch wenn führende Institute weiterhin auf die anfälligen Strukturen der Wirtschaft verweisen.

