Deutsche Wirtschaft in der Krise: Exportindustrie kämpft mit Branchenabschwung
Der aktuelle Bericht von EY offenbart die Herausforderungen, vor denen Deutschlands führende Börsenunternehmen angesichts der schwachen Wirtschaftslage stehen. In den ersten neun Monaten des Jahres sank der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) der 100 umsatzstärksten Konzerne auf 102 Milliarden Euro, was einem Rückgang um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Dies markiert den dritten aufeinanderfolgenden Rückgang und deutet auf einen anhaltenden Negativtrend hin.
Obwohl die Umsätze mit einem Anstieg von 0,6 Prozent ein leicht positives Signal setzten, blieb das Wachstum unter der aktuellen Inflationsrate. Jan Brorhilker von EY bezeichnete das Jahr 2025 als weiteres Krisenjahr. Geopolitische Konflikte, die Zurückhaltung bei Investitionen und der verstärkte Wettbewerb durch chinesische Unternehmen erhöhten den Druck auf die exportorientierte Industrie Deutschlands.
Der Arbeitsmarkt zeigt ebenfalls Zeichen der Anspannung. Von Januar bis September gingen weltweit rund 17.500 Jobs verloren, ein Rückgang um 0,4 Prozent. Seit 2023 summierte sich der Verlust auf etwa 100.000 Stellen. Besonders deutlich betroffen sind Stellen in der Verwaltung, während die KI-Implementierung ihre Spuren hinterlässt.
Die deutschen Autokonzerne Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz schafften es trotz eines Rückgangs des Gesamtumsatzes um zwei Prozent an der Spitze des Umsatzrankings zu bleiben. Doch der operative Gewinn der Autoindustrie fiel um 46 Prozent. Die Chemiebranche erlebte einen dramatischen Gewinneinbruch um 71 Prozent, wohingegen der Technologiesektor nahezu eine Verdopplung seines Gewinns verzeichnete.
Die vielfältigen Herausforderungen führten jedoch auch zu strategischen Neuausrichtungen. Die Finanz- und Technologiebranche sowie die Rüstungsindustrie zeigen sich robust gegenüber der Krise. Ein vorsichtiger Optimismus für die Zukunft besteht, da die deutsche Autoindustrie mit ihrer strategischen Neuausrichtung und neuen Modellen, gerade im Elektrosegment, potenzielle Wachstumschancen sieht.
Insgesamt schließt Brorhilker eine konjunkturelle Erholung nicht aus. Eine Entspannung der geopolitischen Situation, gepaart mit Investitionsmaßnahmen der Bundesregierung, könnte eine positive Trendwende einleiten.

