Deutsche Luftfahrt in der Krise – Airlines ziehen internationale Jets ab
Die Luftverkehrsbranche in Deutschland kämpft weiterhin mit den Nachwirkungen der Pandemie, obwohl die Passagierzahlen im ersten Halbjahr um 2,8 Prozent gestiegen sind und insgesamt 99,4 Millionen Fluggäste verzeichnet wurden. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 bedeutet dies jedoch immer noch eine Lücke von 15,8 Prozent, wie der Branchenverband BDL feststellt. Jens Bischof, Präsident des BDL und Chef von Eurowings, hebt hervor, dass hohe staatliche Abgaben die Wettbewerbsfähigkeit stark beeinträchtigen. Deutsche Flughäfen leiden darunter, dass Airlines ihre Maschinen aufgrund günstigerer Bedingungen in andere europäische Länder verlagern.
Die Situation wird durch den Abzug von fast jedem dritten, vormals in Deutschland stationierten Flugzeug verdeutlicht, insbesondere bei Direktfluggesellschaften wie Ryanair und Easyjet. Aktuell sind von den ursprünglich 190 Jets nur noch 130 in Deutschland stationiert. Dies führt nicht nur zu einem Verlust internationaler Anbindungen, sondern verursacht auch einen Milliardenschaden für die deutsche Wirtschaft. Jedes Mittelstreckenflugzeug trägt erheblich zum Bruttoinlandsprodukt bei und sichert zahlreiche Arbeitsplätze.
Ein Hoffnungsschimmer könnte eine Reduktion der staatlichen Belastungen darstellen, die derzeit rund 35 Euro pro Passagier betragen. Eine Senkung dieser Kosten um die Hälfte wird als notwendig erachtet, doch die Bundesregierung hat eine entsprechende Senkung der Luftverkehrssteuer für 2026 bereits abgesagt. Ohne Veränderungen wird der deutsche Luftverkehr auch in den kommenden Monaten im europäischen Vergleich zurückfallen. Besonders bei Inlandsflügen ist der Rückstand dramatisch, da diese nur 49 Prozent des Vorkrisenangebots erreichen. Während der Winterflugplan ab Ende Oktober in Deutschland auf 90 Prozent des Angebots von 2019 anwächst, erreichen andere europäische Länder bereits 116 Prozent.

