Der Todesstoß für Delivery Hero: Uber startet die feindliche Übernahme
Die Expansion von Uber endet in einem aggressiven Pakt
Der deutsche Liefermarkt, einst als unantastbar geltendes Hoheitsgebiet von Delivery Hero, ist in diesen Tagen zum Schauplatz einer der brutalsten Übernahmeschlachten der europäischen Tech-Geschichte geworden. Nachdem Uber seinen Anteil am Berliner Unternehmen in einer beispiellosen Serie von Aktienkäufen innerhalb weniger Tage von sieben auf mittlerweile 19,5 Prozent hochgeschraubt hat, fiel am Samstag das letzte Tabu. Delivery Hero bestätigte offiziell, dass ein Übernahmeangebot auf dem Tisch liegt.
Die Zahlen sind ein Schlag ins Gesicht für alle treuen Aktionäre. Uber bietet 33 Euro pro Aktie. Wer den Chart der vergangenen Monate verfolgt hat, weiß, was das bedeutet: Das Angebot liegt sogar noch unter dem letzten Schlusskurs vom Freitag. Es ist ein Angebot, das nicht nach Partnerschaft klingt, sondern nach einer Machtdemonstration. Für Uber ist die 1,7 Milliarden Euro schwere Beteiligung erst der Anfang. Der Konzern will das gesamte Unternehmen.
Der Rücktritt von Niklas Oestberg ist die Kapitulation
Dass der Wind in Berlin bereits seit Wochen rau wehte, war kein Geheimnis. Doch die Nachricht, dass CEO Niklas Oestberg seinen Posten räumen wird, markiert den psychologischen Wendepunkt dieses Dramas. Oestberg, der Delivery Hero über Jahre hinweg zu einem globalen Schwergewicht formte, sieht sich nun einer Front gegenüber, die er nicht mehr halten kann. Große Anteilseigner haben ihn in den vergangenen Wochen mit einer Vehemenz in die Enge getrieben, die keinen anderen Ausweg als den strategischen Rückzug zuließ.
Es ist eine Flucht nach vorn, die hinter verschlossenen Türen längst beschlossene Sache war. Der Druck durch die kampagnenartigen Forderungen großer Investoren nach einer radikalen strategischen Neuausrichtung hat den Konzern zermürbt. Dass das Unternehmen nun betont, man konzentriere sich „voll auf die Ausführung des strategischen Überprüfungsprozesses“, ist das klassische diplomatische Floskel-Feigenblatt für eine Firma, die ihre Souveränität bereits an der Garderobe abgegeben hat.
Das Übernahmeangebot entlarvt die Schwäche des deutschen Modells
Warum lässt sich ein ehemals stolzer DAX-Kandidat wie Delivery Hero zu einem Preis abspeisen, der unter dem Marktwert liegt? Die Antwort liegt in den operativen Rissen, die sich durch das Fundament des Unternehmens ziehen. Uber weiß genau, dass Delivery Hero unter dem immensen Kapitaldruck leidet und dringend einen starken Anker benötigt.
Die Börsen reagierten prompt und nervös. Während in Berlin die Alarmglocken schrillen, verlor die Uber-Aktie nach Bekanntwerden der Pläne an Wert. Die Märkte sind skeptisch, ob die Integration eines derart komplexen, ineffizienten Liefernetzwerks in die globale Uber-Maschinerie wirklich die erhofften Synergien bringt. Dennoch ist der Schachzug kalkuliert: Uber kauft sich nicht nur Marktanteile, sondern schaltet einen der gefährlichsten Rivalen im globalen Wettbewerb ein für alle Mal aus.
Die totale Übernahme bringt das Ende der Berliner Dominanz
Was bleibt, ist die Gewissheit, dass die Unabhängigkeit für Delivery Hero Geschichte ist. Die Strategie des Berliner Managements, sich mit kleinen Korrekturen und Umstrukturierungen aus der Krise zu retten, ist an der Realität zerschellt. Wenn Uber den Deal finalisiert – und davon ist nach der massiven Aufstockung der Anteile auszugehen –, wird von der Berliner Identität des Unternehmens kaum mehr als eine Marke übrig bleiben, die in die US-amerikanische Plattformarchitektur integriert wird.
Der Fall Delivery Hero ist ein Lehrstück darüber, wie schnell in der Tech-Welt aus einem visionären Wachstumsprojekt ein Übernahmekandidat werden kann. Während die Mitarbeiter in Berlin auf die offizielle Bestätigung der Details warten, haben die Architekten der Macht längst Fakten geschaffen. Der Lieferdienst-Markt wird nach dieser Transaktion ein völlig anderer sein. Am Ende gewinnt immer der, der am längsten bei Atem bleibt – und in diesem Fall sitzt der längere Hebel unbestreitbar im Silicon Valley.


