Uber strebt Übernahme von Delivery Hero an – Markt reagiert positiv

Uber und Delivery Hero: Eine potenzielle Fusion im Essensliefermarkt
Der US-amerikanische Fahrdienstleister Uber zieht in Erwägung, den Essenslieferdienst Delivery Hero vollständig zu übernehmen. Das im MDax gelistete Unternehmen bestätigte, dass Uber bereits 19,5 Prozent der Anteile hält und zusätzlich Zugriff auf weitere Aktien hat. Uber unterbreitete ein Angebot von 33 Euro pro Aktie, was jedoch unter dem Schlusskurs vom Freitag lag. Diese Spekulationen führten am Montag zu einem deutlichen Kursanstieg von über 9 Prozent auf 36,69 Euro, was den Börsenwert von Delivery Hero auf mehr als 11 Milliarden Euro anhebt.
Analyst Giles Thorne von Jefferies äußerte Zweifel an der Angemessenheit des Angebots und stellte fest, dass viele Investoren einen Preis von über 40 Euro für ihre Anteile erwarten. Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Übernahmeprozesses wird durch eine Vielzahl von wettbewerbsrechtlichen Fragestellungen verstärkt, die eine entscheidende Rolle spielen könnten.
Zusätzlich berichtete die "Financial Times" über das Interesse von Ubers Konkurrenten Doordash, der ebenfalls Kontakt zu Anteilseignern von Delivery Hero aufgenommen hat. Doordash zeigt besonderes Interesse an den Marken Talabat und HungerStation im Nahen Osten sowie am türkischen Geschäft von Yemeksepeti. Diese Entwicklungen könnten den Wettbewerb um die Übernahme von Delivery Hero weiter anheizen und die Verhandlungen komplizierter gestalten.
Experte Marcus Diebel von JPMorgan bezeichnete eine Übernahme als vorteilhaft für die Aktionäre und als strategisch sinnvoll für Uber, insbesondere im Hinblick auf geografische Expansion und Synergien. Dennoch warnt auch Diebel vor den regulatorischen Herausforderungen, die mit einer solchen Transaktion verbunden sind.
Delivery Hero hat seinen Hauptsitz in Berlin, ist jedoch nach dem Verkauf des Deutschland-Geschäfts an Just Eat Takeaway hierzulande nicht mehr aktiv. Dennoch zählt das Unternehmen aufgrund seiner starken Präsenz in Asien, Südeuropa sowie im arabischen Raum und Afrika zu den größten Essenslieferdiensten weltweit. Uber hingegen betreibt mit Uber Eats einen eigenen Essenslieferdienst, der in vielen deutschen Städten aktiv ist.
In der vergangenen Woche gab Delivery Hero bekannt, dass Uber seine Beteiligung von zuvor 7 Prozent auf fast 18 Prozent ausgebaut hat. Die niederländische Beteiligungsgesellschaft Prosus, die zuvor an Just Eat Takeaway beteiligt war, plant, ihre Anteile an Delivery Hero zu reduzieren. Aktuell hält Prosus noch etwa 16,8 Prozent, gefolgt von Aspex Management mit 14,4 Prozent. Die US-Bank Morgan Stanley, die Uber beim Ausbau seiner Beteiligung unterstützt, verfügt indirekt über mehr als 30 Prozent an Delivery Hero, was die Dynamik in diesem Übernahmeprozess weiter verstärkt.
Insgesamt zeigt der Markt eine positive Reaktion auf die Übernahmegerüchte, doch die Frage bleibt, ob Uber bereit ist, ein höheres Angebot zu machen, um die Aktionäre zufriedenzustellen und regulatorische Hürden zu überwinden. Der Ausgang dieser Verhandlungen könnte erhebliche Auswirkungen auf die Wettbewerbslandschaft im Essensliefermarkt haben und damit auch auf den Shareholder Value der beteiligten Unternehmen.

