Der Geist von Würzburg: Schwarz-Rotes Zusammenspiel im Fokus
Zwischen Tration und Neuanfang versammelt Alexander Hoffmann, CSU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, die Spitzen von Union und SPD zur ersten Klausurtagung in der neuen gemeinsamen Regierung. Der Auftakt erfolgt diesmal nicht auf der ehrwürdigen Zugspitze, sondern bodenständig in Würzburg, unweit von Hoffmanns Wahlkreis. Ein Blick zurück: 2018 leitete Alexander Dobrindt derartige Treffen auf Deutschlands höchstem Gipfel, um die damalige große Koalition auf Kurs zu bringen. Der "Geist der Zugspitze", wie ihn Unionsführer Volker Kauder beschwor, trat somit seinen Dienst an.
Diese neue Allianz fordert jedoch ebenso Aufmerksamkeit. Hoffmann, Jens Spahn (CDU) und Matthias Miersch (SPD) setzen im beschaulichen Würzburg auf Teamgeist, um etwaige Anfangsschwierigkeiten zu überwinden. Nach anfänglichen Turbulenzen in der Koalition kam die politische Sommerpause wie gerufen. Niemand sehnt sich nach dem häufigen Zwist der Ampelzeiten; stattdessen steht Besserung im Vordergrund. Spahn betonte im Vorfeld, dass Kommunikation und Organisation die Hauptprobleme darstellen, jedoch leicht abänderbar seien. Frühe Zusammenarbeit sei der Schlüssel.
Ein weiteres Ziel lautet, gegenseitig Vertrauen aufzubauen, womit die Erinnerungen an die holprige Kanzlerwahl von Friedrich Merz (CDU) ins Spiel kommen. Auch die gescheiterte Verfassungsrichterwahl aufgrund fehlender Unionsunterstützung für die SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf ist ein Punkt. Miersch machte deutlich, dass Zusagen Bestand haben müssen. Ob ein erneuter Versuch im Herbst gelingt, bleibt abzuwarten.
Ebenfalls stockt es im Unionslager. Differenzen in der Abstimmung zwischen Kanzler, Fraktion und Partei zeigten sich in der Debatte um die Stromsteuer und den Rüstungsexport-Stopp an Israel. Auch die Einbindung der CSU wurde kritisch gesehen. Im kommenden "Herbst der Reformen" stehen zahlreiche Projekte an, darunter die Etats 2025/2026 und komplexe Sozialreformen. SPD-Geschäftsführer Dirk Wiese mahnt zur Weichenstellung für einen erfolgreichen Herbst. Doch hitzige Diskussionen über mögliche Steuererhöhungen für Reiche und sicherheitspolitische Themen werden das gegenwärtige Klima weiter beeinflussen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte wird hierzu erwartet.

