Iran: Eskalation der Unruhen und wachsende Kritik an Chamenei

Im Iran spitzt sich die Lage weiter zu: Augenzeugen berichten von heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in der Provinz Ilam, insbesondere in der Kleinstadt Malekschahi. Die erschütternden Berichte sprechen von mehreren Toten und Verletzten. Zudem sollen zahlreiche Demonstrierende festgenommen worden sein.
Die Worte des obersten Führers, Ali Chamenei, der in einer Ansprache den Dialog mit den Demonstrierenden strikt ablehnte und hartes Vorgehen forderte, könnten die Spannungen weiter befeuert haben. Seine Rede, in der er die Proteste als ausländische Verschwörung bezeichnete, wird von vielen als Ermutigung für die Sicherheitskräfte in Ilam gesehen, verstärkt gegen die Demonstranten vorzugehen.
Da offizielle Stellen bisher keine genauen Zahlen zu den Opfern und Festnahmen bereitstellen, bleiben viele Berichte unbestätigt. Die Polizei stuft die Proteste als "bewaffneten Aufstand" ein, der unterbunden werden müsse. Auch in Teheran, insbesondere im Stadtzentrum und an der Universität, kam es zu neuen Verhaftungswellen, wie es Augenzeugen schildern.
Die Protestwelle richtet sich zunehmend gegen Chamenei selbst, dem die Demonstrierenden vorwerfen, das Land in die Isolation und wirtschaftliche Misere geführt zu haben. Kritik wird auch daran geübt, dass die Ressourcen nicht der Bevölkerung, sondern dem Kampf gegen Israel zugutekommen.
Begonnen in Teheran, haben sich die seit einer Woche andauernden Proteste mittlerweile auf über 70 Prozent des Landes ausgeweitet. Aktivisten zufolge sind schon mindestens zehn Menschen, darunter ein Mitglied der Revolutionsgarden in Kurdistan, ums Leben gekommen. Über hundert Demonstrierende wurden bereits festgenommen, was vereinzelt von den Staatsmedien bestätigt wurde.

