Der Appell zu ethischem Widerstand: Gegen den alltäglichen Antisemitismus

Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat einen dringenden Aufruf zu einem "Aufstand der Anständigen" gemacht. Die Problematik, die er adressiert, ist weniger auf spektakuläre Fälle wie die unlängst in Sydney verübten Attentate beschränkt. Viel gravierender ist die Art und Weise, wie der alltägliche Antisemitismus zunehmend mit einem Achselzucken in der Gesellschaft akzeptiert wird.
Ein solches Duldungsverhalten findet häufig seine Entschuldigung in der Schuldzuweisung an Israels Politik, welche angeblich Auslöser von Hass oder gar Gewalt sei. Doch diese vermeintlich simplen Erklärungen und deren unkritische Verbreitung sind keineswegs harmlos. Wer hier solch eindimensionale Argumente aufnimmt oder gar verbreitet, mag selbst keine Waffe in der Hand halten. Dennoch trägt er indirekt dazu bei, dass den Tätern geistige Munition für ihre Untaten geliefert wird.
Dieser stille Konsens, den einige durch unterlassene Zivilcourage stützen, muss durchbrochen werden. Es ist ein Appell an das Gewissen aller, die Werte hochzuhalten, die eine moralische Verantwortung tragen und sich für eine gerechte Gesellschaft einsetzen – eine Aufgabe, die für jedermann als selbstverständlich gelten sollte.

