Der Adler und die vier Sterne - die Geschichte des DFB-Trikots

Helmut Rahn, Franz Beckenbauer, Jürgen Klinsmann, Philipp Lahm - alles ikonische Fußballspieler, die untrennbar mit einem dem Trikot der deutschen Nationalmannschaft verbunden sind.
Dass das deutsche Trikot ein echter Klassiker ist, ist eigentlich kein Wunder. Denn auch in mehr als 110 Jahren Geschichte hat sich das Trikot kaum verändert. Wie der DFB-Klassiker den Zeitenwandel erlebte, verrät dieser Überblick.
Ein Überblick in Weiß und Schwarz
Viele Mannschaften spielen in den Farben ihrer Landesflagge, doch bei Deutschland ist dies anders. Schwarz-rot-goldene Elemente spielen zwar immer wieder eine Rolle, doch selbst beim Auswärtsdress greift das deutsche Team lieber auf das Grün des DFB zurück. 1908 spielte Deutschland im ersten Länderspiel der deutschen Geschichte gegen die Schweiz, damals war Preußen noch bedeutendster und einflussreichster Staat im deutschen Kaiserreich. Entsprechend wurde in den Farben des preußischen Staates gespielt und die waren Weiß und Schwarz.
Trotz der bewegten Geschichte Deutschlands bis zur Gründung der Bundesrepublik veränderte sich das deutsche Trikot nur unwesentlich, die Basis blieb stets gleich. Auch wenn es Ausrutscher wie ein Trikot mit rotem Brustring bei den Olympischen Spielen 1928 gab. Wahrlich geschichtsträchtig wird das deutsche Trikot aber - ausgerechnet wieder in der Schweiz - erst 1954.
Die Farben des Weltmeisters
Dickste Baumwolle, ein weißer Schnürkragen und ein schwarze Säume, der Adler des DFB auf der Brust: so müsste Rahn aus dem Hintergrund schießen, so wurde Toni Turek zum Fußballgott und dann war das Spiel aus. Deutschland wurde 1954 Weltmeister und die Szenen der Männer in weißen Trikots und schwarzen Stutzen gingen um die Welt. Selbst der Schnürkragen blieb noch lange Teil des DFB-Outfits. Erst 1966 griff die deutsche Auswahl zum V-Auschnitt. Ein modischer Kniff, der jedoch beim Finale in Wembley nichts half. Mit dem Rundhals und engen Ärmelbündchen lief es 1974 daheim dagegen besser. Im Münchener Olympiastadion stand Müller goldrichtig und Deutschland schlug die Niederlande. Der zweite Weltmeistertitel.
In den 1980ern erhielten die Trikots dann eine moderne Überholung. Statt Baumwolle kam nun leichtere Synthetik zum Einsatz, auch Ausrüster Adidas rückte sich nun stärker in den Vordergrund. Die markanten drei Streifen des Sportriesen aus Herzogenaurach verliehen den Kickern um Rudi Völler breitere Schultern. 1986 scheiterte die DFB-Elf noch im Finale an Argentinien, vier Jahre später konnten sie dem Team um Superstar Maradona aber den Zahn ziehen.
1990 flackerten dann auch breite Bruststreifen in geometrischen Formen und schwarz, rot und gold auf den Trikots auf. Erst bei der WM 2018 erinnerte Ausrüster Adidas an just das weltmeisterliche Trikot aus Italien. Statt bunter Flaggenfarben setzten die Trikots von Jogis Jungs aber auf klare Linien, die in Grautönen zerflossen - mit mäßigem, sportlichem Erfolg. Bis in die späten 90er blieb die deutsche Flagge ein stolzer Begleiter auf den Trikots des DFB, mal im Karomuster, später dann in dünnen Streifen auf der Brust. Ansonsten blieb alles beim Altbekannten: schwarze Hosen, weiße Stutzen. In den frühen 2000ern wurde dann vor allem mit den Auswärtstrikots experimentiert.
Es gibt keine kleinen Trikots mehr
Unter der Ägide Völlers als Trainer wirkte das deutsche Trikot wie ein sportlicher Rückgriff in die 70er. Ballack und Schneider stand der schwarze V-Ausschnitt, das Spiel und die Trikots wurden aber erst unter Klinsmann dynamischer. Der strich sogar das Grün der Auswärtsjerseys und ließ es durch Rot ersetzen - das wirke aggressiver. Dabei blieb auch Löw, auch wenn es seit Jogi die Mannschaft übernahm wieder etwas klassischer wurde.
Minimalistisch lief Deutschland 2010 zur WM in Südafrika auf, erst 2014 war die Brust des DFB leuchtend rot und die Mannschaft um Lahm, Schweinsteiger und Finaltorschütze Mario Götze spielte ganz in Weiß. Historisch eher die Ausnahme, aber immerhin verhalf es zu einer grandiosen WM in Brasilien und dem goldenen Emblem auf der Brust. Auch wenn das nun Frankreich tragen darf.
Welches Trikot der deutschen Nationalmannschaft Fans und Spieler tragen, spielt eigentlich kaum eine Rolle. Auch mehr als 100 Jahre Länderspielgeschichte haben fast ausschließlich Klassiker hervorgebracht. Vom geschnürten Kragen, über flaggenfarbene Applikationen auf der Brust bis hin zum modernen Retroschick - die Trikots der deutschen Nationalelf sind mehr als nur weiße Shirts mit Adler und vier Sternen, sie stehen für den Erfolg, den Kampfgeist, die Disziplin und den Zusammenhalt großer Teams und damit für mehr als nur die Summe ihrer Teile.

