Dead Cells – Alles andere als eine Totgeburt

22. August 2018, 14:10 Uhr · Quelle: next-gamer.de

Bereits vor einem Jahr konnte man Dead Cells im Early Access spielen. Mittlerweile ist das Spiel fertig und für PC, X Box, Playstation und die Switch erhältlich. Das Team hinter dem Spiel, Motion Twin, bewirbt es damit, dass es von Castlevania, Dark Souls und diversen Rouge Likes inspiriert ist. Erste Stimmen konnten auch schon bestätigen, dass hier ein bockschweres Abenteuer auf einen wartet. Wir haben uns also auf der Playstation in dunkle Gemäuer begeben und können euch nun berichten, was genau sich hinter Dead Cells verbirgt.

Dunkle Gänge, fiese Fieslinge

Ihr spielt einen namenlosen Krieger, der als Zellklumpen in einem Verlies landet. Dieser Klumpen kriecht auf die Überreste eines Körpers zu, wodurch dieser zum Leben erweckt wird. Nun habt ihr also die Kontrolle über einen Krieger, der nicht so genau weiß, warum er hier steht. Die Informationen, die ihr bekommt, sind auch mehr als wage. Ihr wisst nur, dass ihr immer wieder in ein zufällig aufgebautes Gemäuer vordringen müsst, um dort Zellen und Runen zu finden. Mit jedem Ableben startet diese Aufgabe erneut und von Mal zu Mal bekommt ihr mehr Möglichkeiten.

Auch wenn eure Welt immer mal wieder in kleinen Räumen eine Interaktion ermöglicht, die euch etwas Hintergrund verrät, das alles bleibt nebensächlich. Im Fokus steht das Gameplay, welches flüssig und herausfordernd funktioniert. Ihr startet mit einem Schwert und könnt euch noch eine Zweitwaffe im Ausgangsverlies mitnehmen. So rennt ihr dann los, findet neue Waffen, die ihr nutzen könnt und Zweitwaffen wie Granaten oder Geschütztürme, die euch unterstützen. Hinzu kommt noch eine Ausweichrolle, ohne die ihr in den Kämpfen gegen die unzähligen Monster komplett aufgeschmissen wärt.

Dead Cells make money

Die grundlegende Mechanik des Spiels liegt in den Zellen, die ihr aus Kämpfen erhaltet oder versteckt im Dungeon findet. Nach jedem abgeschlossenen Bereich könnt ihr diese nämlich in bessere Fertigkeiten oder neue Waffen stecken, die dann in der Welt auftauchen. So erspielt ihr euch immer stärkere Möglichkeiten, den Monstern den Garaus zu machen. Sterbt ihr in einem Abschnitt, sind alle Zellen, die ihr bis dahin gesammelt habt, restlos verloren. Der übliche Ablauf einer Runde Dead Cells sieht dann also wie folgt aus: Ihr rennt in das neu zusammengesetzte Verlies, tötet Monster, findet Geheimverstecke, weicht Angriffen aus und sammelt dabei Zellen für Upgrades und Gold, womit ihr bestimmte Türen öffnen könnt oder in Shops stärkere Waffen erhaltet.

Irgendwo stoßt ihr dann auf eine Tür, die euch in ein Zwischengebiet bringt. Hier regeneriert ihr euch, nutzt Zellen für Upgrades und könnt euren Charakter durch bis zu drei Mutationen temporär verbessern, die euch für diesen Durchgang besondere Perks bringen. Habt ihr zuvor Baupläne für Waffen oder Mutationen gefunden, so könnt ihr direkt schon Zellen investieren, um diese freizuschalten. Dann geht es ab ins nächste Gebiet. Ebenfalls findet ihr Upgrades, die wie ein Level Up funktionieren. Diese schriftrollenartigen Items geben euch mehr Lebensenergie und verstärken eine der drei Waffenfarben, in die alle Gegenstände eingeteilt sind. Geht ihr dann irgendwo drauf, sind alle Zellen, Geld und Baupläne, die ihr seit dem letzten Zwischengebiet gesammelt habt, verschwunden.

Wie wär’s mit Rougetroid?

Während Baupläne und investierte Zellen vor allem erhältliche Items beeinflussen, könnt ihr im Spiel auch auf besonders starke Elite-Gegner oder Bosse treffen, die Runen für euch bereithalten. Diese Runen geben euch dann dauerhafte Fähigkeiten. So könnt ihr an bestimmten Stellen Ranken wachsen lassen oder euch an Statuen zu anderen teleportieren lassen. Das ist dann der Metroidvania-Aspekt von Dead Cells. Plötzlich ermöglichen sich euch neue Wege in den ersten Gebieten, die ihr zuvor immer auf die selbe Art durchgearbeitet habt. Ihr erreicht so neue Gebiete mit neuen Gegnern und Geheimnissen.

Doch ist einiges an Geschick nötig, um sich diese Runen zu erspielen. Die Elite-Gegner sind nicht zu unterschätzen und benötigen eine gut funktionierende Taktik. Habt ihr die falsche Waffenkombination und seid nicht gut in der Ausweichrolle oder kennt die Angriffsmuster der Gegner nicht, seid ihr sehr schnell wieder ein Zellhaufen am Anfang des Verlieses. Es ist dabei ein sehr schönes Gefühl, wenn ihr plötzlich merkt, dass durch die neuen Waffen und Fähigkeiten diese Gegner irgendwann blitzschnell ausgeschaltet werden. Doch selbst nach einem weiten Fortschritt werdet ihr in späteren Levels auf verdammt harte Nüsse treffen, die euch in den Wahnsinn treiben können.

Zu viel vom Gleichen?

Ein großes Problem an Dead Cells wird hierbei allerdings auch deutlich. Dadurch, dass es nicht möglich ist, die ersten Abschnitte zu überspringen und zum Beispiel direkt in das dritte oder vierte Gebiet zu skippen, wird der Anfang des Ganzen irgendwann sehr müßig. Immer wieder die gleichen Gebiete zu sehen, um endlich wieder dort zu landen, wo man gestorben ist, kann gehörig nerven. Klar bieten euch neue Waffen immer wieder ein völlig anderes Spielerlebnis und ihr könnt viel herumprobieren. Doch trotzdem wird euch irgendwann vor allem das erste Verlies zum Hals heraus hängen.

Motion Twin haben hier allerdings auch einen Kniff dagegen angewandt. Beschäftigt ihr euch in diesen Gebieten kaum mit Gegnern, könnt ihr später spezielle Zeittüren öffnen. Diese sind nur passierbar, wenn ihr in kürzester Zeit dort ankommt. Hinter diesen verstecken sich dann fette Zellschätze, Gold und Waffen. Flinke Spielende werden also belohnt und die anfänglichen Gebiete sind in wenigen Minuten durch, wenn ihr euch gut anstellt. Oder ihr wagt euch an die Tagesherausforderung, in denen ein spezieller Dungeon und ein Set an Waffen zu durchspielen sind. Hier könnt ihr euch besonders kniffligen Gegenden stellen und euch mit anderen Menschen auf der Welt direkt vergleichen.

Starke Vorbilder

Nicht vergessen dürfen wir übrigens das Art- und Sounddesign des Spiels. Der Pixellook glänzt mit hervorrangenden Partikeleffekten, so dass es eine reine Freude ist, eure Gegner in kleine Stücke zu hacken. Auch euer Charakter selbst zeigt in der Interaktion mit seiner Umwelt ein Detailreichtum, was seinesgleichen sucht. So trefft ihr in der toxischen Kanalisation zum Beispiel auf ein eingesperrtes Monster, das euch bittet, seine Rune zu finden. Da ihr diese aber selber braucht, entsteht ein schöner kleiner Streit zwischen diesem Wesen und eurem Charakter, welches dieser kurzerhand mit einem gezeigten Mittelfinger beendet. Auch, wenn er einfach nur gegen eine Tür hämmert oder ratlos mit den Schultern zuckt, verleiht diese Gestik ihm mehr Charakter, als es anfangs für möglich gehalten wurde.

Untermalt wird es dabei einerseits von einem düsteren Soundtrack, der ganz klar Castlevania als Inspirationsquelle offenbart. Wenn ihr dann noch eine der Peitschen als Waffe findet, ist bis auf den Doppelsprung sowie die schnellen, flüssigen Bewegungen eures Charakters die Ähnlichkeit nicht mehr zu leugnen. Andererseits ist das Sounddesign in Dead Cells großartig. Jede Waffe klingt wuchtig, eure Granaten klingen bei jeder Explosion mit einem Wumms, der Freude macht. Die Kämpfe mit unterschiedlichen Waffen machen allesamt Spaß. Durch geschickte Freeze-Frames oder betäubte Gegner entwickelt sich durch den Sound ein Trefferfeedback, welches süchtig macht. Selbst wenn es sinnvoll wäre, ein Gebiet schnell zu durchqueren, macht der Kampf so viel Spaß, dass ihr eigentlich jeden Gegner weghauen wollt.

Fazit

Machen wir uns nichts vor. Wir sind begeistert von Dead Cells. Klar, der Schwierigkeitsgrad kann frustrieren, wenn man immer wieder das erste Gebiet durchqueren muss. Da hilft auch der Anreiz, dies in wenigen Sekunden oder Minuten zu schaffen, nur wenig. Trotzdem ist man gewillt, sich immer wieder in dieses unheimliche Verlies zu stürzen. Man will neue Upgrades freischalten, neue Gebiete entdecken und mehr Runen finden. Dead Cells macht sehr schnell süchtig. Und selbst wenn man früh das Zeitliche segnen sollte, so hat der Ritt bis dahin riesigen Spaß gemacht. Jede Aktion geht so flüssig von der Hand, dass es eine Wonne ist, dem Geschehen auf dem Bildschirm zu folgen. Wer früher Freude an den referenzierten Spielen hatte und einfach auf eine gute Herausforderung steht, dem bleibt unserer Meinung nach nichts anderes übrig, als hier zuzugreifen. Dead Cells ist einfach großartig!

Gaming
[next-gamer.de] · 22.08.2018 · 14:10 Uhr
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