Corona-Lockdown: Merkel wirbt bei Familien um Geduld

30. Januar 2021, 12:43 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Corona-Krise angesichts des wochenlangen Lockdowns als «gewaltigen Kraftakt» für Familien bezeichnet und um Geduld geworben.

«Noch sind wir nicht so weit, Kitas und Schulen wieder öffnen zu können», sagte sie in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast. Aber: «Je konsequenter wir uns jetzt verhalten, auf Kontakte verzichten und da, wo sie unumgänglich sind, Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Masken tragen, desto schneller wird das wieder möglich sein.»

Unterdessen wollten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Samstag über den Fortgang der Impfkampagne beraten. Die Bundesregierung ist wegen der schleppend angelaufenen Covid-19-Impfungen in die Kritik geraten. Daneben gibt es Lieferengpässe von Herstellern.

Wie aus Daten des Robert Koch-Institut s(RKI) am Samstagmorgen hervorging, haben deutschen Gesundheitsämter 12.321 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Am Samstag vor einer Woche hatte das RKI 16.417 Neuinfektionen verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Samstagmorgen bei 90,9 - Ziel der Bundesregierung ist ein Wert von 50.

Vor diesem Hintergrund ist der Lockdown mit der Schließung von Kneipen und Restaurants, vieler Geschäfte sowie Schulen und Kitas derzeit bis Mitte Februar befristet. Merkel sagte in ihrem Podcast: «Wir setzen alles daran, Kitas und Schulen als erstes wieder öffnen zu können, um den Kindern ein Stück ihres gewohnten Alltags wiederzugeben und um Familien zu entlasten.»

Merkel warnte zugleich vor übereilten Schritten: Zwar gingen die Infektionszahlen zurück - gleichzeitig gebe es aber eine sehr reale Gefahr durch die hochansteckenden Virusmutationen. «Deshalb müssen wir auf unserem Weg durch die nächsten Wochen vorsichtig und behutsam handeln.»

Es sei ein gewaltiger Kraftakt für Eltern, Kita- und Grundschulkinder zu Hause zu betreuen und zu unterrichten, sagte Merkel. «In der Bundesregierung sind wir uns sehr bewusst, wie hart der Alltag für viele Eltern und Kinder zurzeit ist. Das unterschätzt niemand von uns.» Es sei «bitter», dass Kinder und Jugendliche derzeit auf vieles verzichten müssten, was in dieser Lebensphase sonst so wichtig sei und Freude mache: Freunde treffen, Hobbys nachgehen, feiern oder einfach nur unbeschwert in den Tag hineinleben.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer mahnte dagegen einen klaren Fahrplan an: «Diese Durchhalteparolen sind eine lebensfremde Elfenbeinturm-Politik aus dem Kanzleramt, die den Familien mit Kindern im Alltag nichts bringt.»

Die Kassenärzte warnten vor den Folgen des wochenlangen Corona-Lockdowns für Kinder und forderten, die Schulen so rasch wie möglich wieder zu öffnen. «Schon jetzt berichten Kinderärzte und Jugendtherapeuten über eine massive Zunahme von Kindern, die verhaltensauffällig sind», sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der «Rheinischen Post» (Samstag). «Kein Wunder, wenn sie über Wochen keine anderen Kinder zum Spielen und keine strukturierten Tage mehr haben.»

Hoffnung setzen viele Menschen auf den Impfstoff. Wie das Gesundheitsministerium am Samstag auf Twitter mitteilte, werden bis zum 22. Februar laut der Hersteller Biontech, Moderna und Astrazeneca mindestens weitere 5 Millionen Impfdosen an die Länder geliefert. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU sprach auf Twitter von guten Nachrichten nach einem schwierigen Start.

Nach Angaben des Ministeriums wurden seit Beginn der Impfkampagne vor fünf Wochen in Deutschland über 3,5 Millionen Impfdosen ausgeliefert und 2,2 Millionen verimpft. «Der Start der Impfkampagne war schwierig», hatte Spahn am Freitag in Berlin gesagt. Es habe weniger Impfstoff gegeben als aus EU-Bestellungen erwartet.

Bei den Beratungen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Samstag dürfte es vor allem um den Impfstoff von Astrazeneca geben. Nach der europäischen Zulassung des Impfstoffes hatte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) die von seinem Gremium empfohlene Altersvorgabe verteidigt.

Die Daten von Astrazeneca seien nicht ausreichend, um die Wirksamkeit der Impfung in der Altersgruppe ab 65 Jahre beurteilen zu können, sagte Thomas Mertens am Freitagabend bei einer Videoschalte des Science Media Center. Man brauche weitere Informationen dazu, wie gut der Impfstoff auch ältere Menschen vor Covid-19 schütze. Das Präparat von Astrazeneca werde «aktuell aufgrund der derzeit verfügbaren Daten nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen», hatte die am RKI angesiedelte Impfkommission zuvor erklärt.

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30.01.2021 · 12:43 Uhr
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