Cleveland-Cliffs und der gescheiterte Nippon-Deal: Eine Liaison gefährdeter Sicherheitsinteressen
Das Ringen um die Transaktion zwischen Nippon Steel und U.S. Steel hat nicht nur die Aufmerksamkeit der Biden-Administration erregt, sondern auch ungeahnte Konkurrenz vonseiten des konkurrierenden Bieters Cleveland-Cliffs. Dessen CEO, Lourenco Goncalves, heizte die emotionale Stimmung im Markt an, indem er Zweifel über den Erfolg des 14,9 Milliarden Dollar schweren Nippon-Deals streute.
Nachdem seine eigene Offerte im August 2023, in Höhe von 7 Milliarden Dollar, gescheitert war, versicherte Goncalves bei zahlreichen Anlegergesprächen, dass Präsident Joe Biden die Fusion verhindern würde. Wie ein vertraulicher Briefwechsel zwischen Nippon Steel und U.S. Steel an das Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) zeigt, war Goncalves' Einfluss auf die Anleger nicht unerheblich.
Sein strategisches Aufplustern begann bereits im März 2023, als er bei einer Veranstaltung von JP Morgan prophezeite, dass Biden den Zusammenschluss stoppen würde, noch bevor dieser am folgenden Tag tatsächlich seine Opposition verkündete. Das CFIUS-Kommittee, welches nicht nur wirtschaftliche, sondern auch nationale Sicherheitsrisiken abwägt, konnte letztlich keine gemeinsame Entscheidung über den Nippon-Deal treffen und übergab den Fall an Präsident Biden, der die Transaktion schließlich blockierte.
Ausschlaggebend waren hier die nationalen Sicherheitsbedenken, wie das Weiße Haus hinzufügte, während es den Einfluss von Goncalves‘ Kommentaren von sich wies. In der Zwischenzeit hält U.S. Steel an der Hoffnung auf eine andere Lösung fest und kämpft weiter für den Abschluss der Transaktion.
Weder Cleveland-Cliffs noch Nippon Steel oder das Finanzministerium wollten sich inhaltlich äußern, während JP Morgan eine Kommentierung strikt ablehnte. Unterdessen stellte sich im März 2024 heraus, dass die Aussichten aus Sicht von Goncalves unverändert pessimistisch blieben, was in einem Hinweis an die Kunden auf der JP Morgan Konferenz erneut unterstrichen wurde.
Die private und öffentliche Agitation von Goncalves, die in 2024 gegen Nippons Pläne liefen, trägt zu der Fachdebatte bei, inwieweit einzelne Akteure das Marktgeschehen beeinflussen können. Die Dynamik der Wortmeldungen führte in der Zwischenzeit auch zu Kursschwankungen bei U.S. Steel, ein weiterer Beleg für die hoch emotionalisierte Lage dieses Milliardengefechtes.

