Chinas Wachstumsdynamik im Rückwärtsgang: Ein Spiel mit Höhen und Tiefen
Die chinesische Wirtschaft hat im dritten Quartal einen weiteren Gang heruntergeschaltet. Mit einem Wachstum von 4,8 Prozent bleibt das Reich der Mitte zwar auf Wachstumskurs, zeigt jedoch eine weniger dynamische Entwicklung als in den beiden vorangegangenen Quartalen. Zum Vergleich: Im ersten und zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt noch um 5,4 und 5,2 Prozent. Experten von Bloomberg hatten hingegen mit einem geringeren Rückgang auf 4,7 Prozent gerechnet.
Die stagnierende Dynamik führen Ökonomen vor allem auf interne Spannungen zurück. Dazu zählen die anhaltende Immobilienkrise und eine zögerliche Konsumstimmung. Dennoch bleibt der Exportmarkt, trotz der belastenden Handelskonflikte mit den USA, ein verlässlicher Anker im wirtschaftlichen Getriebe des Landes. Ein Sprecher der chinesischen Statistikbehörde betont, dass die Wirtschaft im schwierigen Umfeld bemerkenswerte Fortschritte gemacht habe.
Der schwelende Wirtschaftsboom wird maßgeblich durch staatlich finanzierte Investitionen gestützt. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die Preise in einigen Sektoren sinken – ein Hinweis auf vorsichtige Verbraucher und überhöhte Kapazitäten in der Industrie. Angesichts des Jahresziels von rund fünf Prozent Wirtschaftswachstum erwartet das Land nun eine kritischere Prüfung der wirtschaftlichen Richtung.
Am gleichen Tag der Konjunkturveröffentlichung versammelt sich das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei in Peking. In den dort diskutierten wirtschaftlichen Fahrplänen bis 2024 sollen technologische Unabhängigkeit und Innovationsführerschaft im Mittelpunkt stehen. Das Merics-Institut aus Berlin sieht darin eine klare Prioritätensetzung gegenüber Maßnahmen zur Einkommenssteigerung und Konsumförderung, worüber allerdings ebenfalls beraten werden soll.
Die Ambitionen reichen weiter. China plant, seine Dominanz in strategischen Sektoren wie Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien weiter auszubauen. Laut Thomas Gitzel von der VP Bank hat China bereits einen dominanten Anteil am globalen Markt für seltene Erden und könnte diesen Vorteil nutzen, um Druck auf Europa für die Senkung von Importzöllen zu chinesischen Elektrofahrzeugen auszuüben.

