Investmentweek

Chinas große Auto-Offensive – und Großbritannien rollt den roten Teppich aus

30. Juni 2025, 08:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Während Europa noch zögert, steigen die Briten schon ein: Chinesische Autobauer feiern auf der Insel erste Erfolge – und denken bereits über eigene Werke nach.

Zölle? Keine. Skepsis? Kaum. Wachstum? Rasant

Großbritannien wird zum Lieblingsmarkt chinesischer Autohersteller – nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Abkopplung von der EU. Der chinesische Autobauer Chery hat dort in nur sechs Monaten über 10.000 Fahrzeuge verkauft. Jetzt prüft das Unternehmen sogar den Bau eines eigenen Werks auf der Insel.

„Wir schauen uns aktiv nach einem Standort um“, sagt Victor Zhang, Geschäftsführer von Chery UK. Es wäre der nächste Schritt einer Strategie, die vor allem auf Nähe zum Kunden und kurze Lieferwege setzt. Die Marken Omoda und Jaecoo sind bereits im Handel – eine dritte, günstigere Marke namens Lepas soll bald folgen.

Die Briten kaufen chinesisch – ohne viele Fragen

In Großbritannien sind 75 Händler bereits an Bord, das Interesse ist groß, der Marktzugang vergleichsweise einfach. Anders als die Europäische Union, die im Herbst 2024 Strafzölle für chinesische E-Autos eingeführt hat, hält sich das Vereinigte Königreich zurück. Zwar gilt auch hier ein Einfuhrzoll von zehn Prozent, doch das war’s – keine Zusatzabgaben, kein politisches Säbelrasseln.

Für chinesische Hersteller ist das attraktiv. Vor allem, weil 40 Prozent der britischen Autokäufer laut Umfragen offen für chinesische Marken sind. Eine Quote, von der man auf dem Kontinent nur träumen kann.

BYD geht noch einen Schritt weiter

Einer der Gewinner: BYD, Weltmarktführer bei E-Autos. Im Vereinigten Königreich hat der Konzern innerhalb eines Jahres seinen Absatz versiebenfacht – auf 8.788 Neuwagen. Und BYD verkauft nicht nur Autos, sondern ganze Mobilitätslösungen.

Wachstum ohne Zölle: Anders als die EU verzichtet Großbritannien bislang auf Strafabgaben für chinesische E-Fahrzeuge – ein Wettbewerbsnachteil für kontinentale Autobauer.

Gemeinsam mit dem Energieversorger Octopus Energy bietet der Hersteller das „Power Pack Bundle“: Ein BYD Dolphin für 299 Pfund im Monat, inklusive bidirektionalem Ladegerät und Strom-Flatrate – zumindest bis zu 20.000 Kilometer pro Jahr.

Das Konzept: Das Auto wird über Nacht geladen, tagsüber kann es Strom ans Netz zurückgeben. Für Kunden bedeutet das laut Octopus eine Ersparnis von rund 730 Euro jährlich. Für BYD ist es vor allem eins: ein Türöffner für den Massenmarkt.

MG – britischer Name, chinesischer Antrieb

Das Comeback einer Marke, die viele für tot hielten: MG. Seit 2007 gehört sie dem chinesischen Staatskonzern SAIC, heute ist sie unter den zehn meistverkauften Marken in Großbritannien.

82.000 Fahrzeuge wurden 2024 abgesetzt – mehr als jede andere chinesische Marke. Der Trick: MG wirkt vertraut. Das hilft, Schwellenängste zu senken.

Chinas Markenflut kommt – und niemand stoppt sie

Dutzende chinesische Hersteller stehen bereit: Aiways, Nio, Zeekr, Firefly, HiPhi, Deepal – viele Namen, die bisher kaum jemand kennt, aber bald auf britischen Straßen auftauchen werden.

Einige haben ehrgeizige Pläne: eigene Showrooms, Service-Netzwerke, sogar lokale Entwicklungsteams. Geely, ebenfalls aus China, hat bereits Milliarden in die Sportwagenmarke Lotus und den London-Taxi-Hersteller LEVC investiert.

Produktionsstandort Großbritannien? Mehr als eine Idee

Chery ist nicht allein: Auch Changan, ein weiterer großer chinesischer Konzern, zeigt Interesse an einem Werk in Großbritannien. Bisher wird noch kein chinesisches Auto auf der Insel gebaut – das könnte sich bald ändern.

Die Gespräche laufen, bestätigt das China-Britain Business Council. Was als Exportmodell begann, könnte also bald vor Ort enden – in Form von Produktionslinien, Arbeitsplätzen und Know-how-Transfer.

Und Deutschland? Beobachter statt Teilnehmer

Während auf der Insel bereits chinesische SUVs im Alltagstest sind, bleibt Deutschland zögerlich. MG verkaufte hierzulande immerhin 21.000 Fahrzeuge im vergangenen Jahr, andere Hersteller wie BYD oder Great Wall Motors schaffen es kaum über die 3.000er-Marke.

Dabei gibt es Bewegung: Volkswagen hat bestätigt, dass chinesische Hersteller Interesse an Werken in Osnabrück und Dresden haben. Offiziell ist nichts entschieden – aber klar ist: Wenn die deutschen Autobauer Werke stilllegen, stehen die Chinesen bereit.

Was bedeutet das alles?

Die Zeit, in der chinesische Autos als billige Kopien belächelt wurden, ist vorbei. Heute liefern sie solide Technik, moderne Ausstattung, und vor allem: einen Preis, den viele sich leisten können.

Kombiniert mit strategischen Partnerschaften und politischem Rückenwind – etwa durch zollfreie Märkte – ergibt das eine Mischung, die vor allem in Großbritannien bereits zündet.

Finanzen / Automobile
[InvestmentWeek] · 30.06.2025 · 08:00 Uhr
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