Chemieindustrie in der Krise: Niedersachsens Wirtschaftsminister fordert entschlossenes Handeln
Die niedersächsische Chemieindustrie steht vor einer ernsthaften Herausforderung, wie Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne und die kürzlich veröffentlichte Analyse der Deutschen Presse-Agentur verdeutlichen. Aktuell arbeitet die Branche mit einer Produktionskapazität von nur noch 70 Prozent, was auf Dauer nicht tragfähig ist. Eine Situation, die es in der Chemiebranche schon lange nicht mehr gegeben hat, so der SPD-Politiker.
Die Bedeutung der chemischen Industrie für Niedersachsen und darüber hinaus ist unbestritten. Chemikalien sind ein essenzieller Bestandteil nahezu jeder Wertschöpfungskette. Sie sind allgegenwärtig und sichern zahlreiche Arbeitsplätze. Angesichts dessen betonte Tonne, wie entscheidend es sei, diese Jobs im eigenen Land zu halten – ein klares Bekenntnis zur Stärkung des Industriestandortes Deutschland.
Niedersachsen hat bereits proaktiv mit einem Positionspapier reagiert, das zentrale Vorschläge zur Unterstützung der Branche enthält. Unter anderem wird eine Überarbeitung des EU-Emissionshandels sowie die Einführung eines dauerhaft günstigen Industriestrompreises für die energiehungrige Chemiebranche gefordert. Zudem wird auf die Herausforderungen durch den harten Wettbewerb aus China hingewiesen, der mit Kampfpreisen den heimischen Markt unter Druck setzt.
Letzten Monat fand in Berlin ein Chemie-Gipfel statt, initiiert von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Dieser markierte den Auftakt für die Erstellung der Chemieagenda 2045, die bis zum Frühjahr nächsten Jahres eine umfassende Strategie mit kurz- und mittelfristigen Maßnahmen bieten soll. Doch Minister Tonne zeigt sich unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Zwar wurden Arbeitsgruppen gebildet, doch das allein reicht ihm nicht aus: „Wir müssen in den Krisenmodus, um den Verlust dieser essenziellen Industrien zu verhindern.“ Der Minister drängt daher auf rasche und konkrete Schritte, denn die Zeit drängt.

