Call of Duty: Black Ops 7 – Xbox-Chef feiert Spielerzahlen, während die Identität der Serie bröckelt
Es herrscht eine seltsame kognitive Dissonanz rund um Call of Duty: Black Ops 7. Während in den Foren und sozialen Medien der Sturm der Entrüstung tobt und Kritiker dem Titel Ideenlosigkeit vorwerfen, zeichnet Matt Booty, der Kopf der Xbox Game Studios, ein gänzlich anderes Bild. In einem aktuellen Interview mit Variety betont er, dass der Shooter trotz der lauen Rezeption „eines der meistgespielten Spiele auf der Xbox“ sei. Diese Aussage wirkt auf den ersten Blick wie ein defensives Manöver, offenbart aber die nackte Wahrheit der Engagement-Metriken: Selbst ein schwächelndes Call of Duty zieht Massen an, von denen andere Franchises nur träumen können. Booty zeigt sich demonstrativ stolz auf das Team bei Treyarch und betont die schiere Sisyphusarbeit, die hinter der pünktlichen Veröffentlichung eines jährlichen Blockbusters steckt. Ein Franchise wie ein Uhrwerk zu liefern, sei eine Herkulesaufgabe, die Respekt verdiene – unabhängig vom kritischen Echo.
Die Service-Falle und der goldene Käfig
Bootys Optimismus stützt sich primär auf die Positionierung des Titels als Live-Service-Monolith. Der Launch ist längst nicht mehr das einzige Barometer für Erfolg; vielmehr zählt die Langlebigkeit durch das saisonale Modell. Call of Duty operiert hier in einer eigenen Liga, in der die kontinuierliche „Dauerberieselung“ mit Inhalten wichtiger ist als der anfängliche Hype. Doch genau hier sehen Analysten den Riss im Fundament. Während Xbox die Zahlen feiert, bröckelt die Seele der Serie. Experten von Alinea Analytics weisen darauf hin, dass die Einführung von Fortnite-ähnlichen, nicht-militärischen Skins – von Nicki Minaj bis Beavis und Butthead – zu einer spürbaren Entfremdung der Kernzielgruppe geführt hat. Was gut für den kurzfristigen Umsatz im In-Game-Store sein mag, wirkt wie Gift für die immersive Integrität eines Militär-Shooters.
Konkurrenz schläft nicht: Die Flucht nach vorn
Die Kritik beschränkt sich nicht nur auf ästhetische Verirrungen. Analysten bemängeln fehlende Innovation und technische Fehltritte wie den umstrittenen Einsatz von KI-generierten Inhalten („AI slop“) sowie eine unausgegorene Koop-Kampagne, die Solisten frustriert zurückließ. In einer Zeit, in der Konkurrenten wie ARC Raiders und ein wiedererstarktes Battlefield 6 das Genre aufmischen, wirkt der Platzhirsch plötzlich verwundbar. Activision scheint diesen Warnschuss gehört zu haben: Die Strategie, Sub-Serien wie Black Ops in direkter jährlicher Folge (Back-to-Back) zu veröffentlichen, soll der Vergangenheit angehören. Um Kannibalisierungseffekte zu vermeiden und den Entwicklern Luft zum Atmen zu geben, wird man künftig wohl wieder stärker zwischen den Szenarien rotieren.


