Bundestagspräsidium überraschend auf Feldtour im Vogtland
Eine ungewöhnliche Begegnung ereignete sich gestern im sächsischen Vogtland. Bauern und Unternehmer hatten sich mit Fahrzeugen und Plakaten an der Fahrtroute der Politiker postiert, um ihre Anliegen kundzutun. Zu ihrer Überraschung stoppte der Tross, und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und ihre Stellvertreter kamen aufs Feld, um mit den Demonstranten zu sprechen.
"Wir waren sehr positiv überrascht, dass sie das Gespräch gesucht haben", sagte Landwirt Danilo Körner der Deutschen Presse-Agentur. Seit 35 Jahren selbstständig, berichtete er von der momentan schwierigen Lage für Bauern und Unternehmer. "So schlecht wie jetzt ging es mir noch nie", betonte er. Es bedürfe dringend Reformen in der Branche.
Unternehmer und Bauern wollten mit ihrer kurzfristigen Aktion während des Politikerbesuchs ein Zeichen setzen. "Einige sind direkt vom Misthaufen hierhergefahren", erklärte Körner. Die Tatsache, dass die Bundespolitiker, trotz ihrer "feinen Anzüge und Schuhe", zu den Demonstranten auf den Acker kamen und etwa eine halbe Stunde mit ihnen sprachen, verdient laut Körner Respekt. "Sie hätten auch einfach vorbeifahren können."
Das Bundestagspräsidium traf spontan die Entscheidung, anzuhalten, wie aus dem Bundestagspräsidium bekannt wurde. Das Gespräch habe gezeigt, dass es nicht nur um die Agrardiesel-Subvention gehe, sondern vor allem um Wertschätzung, betonte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne).
Das Bundestagspräsidium ist derzeit im Rahmen eines zweitägigen Besuchs im Vogtland, um sich über die Herausforderungen der ländlichen Region zu informieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auch auf Initiativen zur Demokratiebildung, insbesondere für Kinder und Jugendliche. "Viele Menschen haben das Gefühl, dass die Politik sich von ihnen entfremdet hat und sich nicht mehr für sie interessiert. Und sie glauben, dass sie nichts bewirken können", erklärte die SPD-Politikerin Bas. "Das ist Gift für unsere Demokratie."
Das Vogtland, das an die Grenzen von Sachsen, Thüringen, Bayern und Böhmen grenzt, ist bekannt für seine Tradition im Musikinstrumentenbau. Im Rahmen des Besuchs besuchten die Politiker unter anderem eine Meisterwerkstatt für Metallblasinstrumente. Weitere Programmpunkte waren die Weltcup-Skisprungschanze in Klingenthal sowie ein Kinder- und Jugendzentrum in Plauen. Die Reise endet am morgigen Mittwoch mit einem Besuch in Mödlareuth an der Grenze zwischen Franken und Thüringen. (eulerpool-AFX)

