Bundesregierung will illegales Glücksspiel besser bekämpfen: Viele Baustellen?

23. Mai 2025, 13:57 Uhr · Quelle: klamm.de
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Was früher vor allem in verrauchten Hinterzimmern, zwielichtigen Wettbüros und auf dubiosen Webseiten stattfand, hat sich längst zu einem hochdynamischen, digitalen Schattenmarkt entwickelt. Illegales Glücksspiel boomt, oft gut getarnt hinter modernem Design, verlockenden Boni und einem Mausklick, der schneller zur Sucht führen kann, als man denkt. Kein Wunder also, dass das Thema mittlerweile auf der politischen Prioritätenliste ganz nach oben gerutscht ist.

Die Große Koalition hat beschlossen, jetzt wird aufgeräumt, doch was genau soll da eigentlich bekämpft werden? Gegen welche Strukturen richten sich die Maßnahmen und womit will der Staat diesem Phänomen entgegentreten?

Illegales Glücksspiel als Staatsaufgabe

Wenn ein Thema plötzlich im Koalitionsvertrag auftaucht, liegt dem meist mehr zugrunde als bloße Symbolpolitik. Im Fall des illegalen Glücksspiels hat sich die Bundesregierung entschlossen, die Zuständigkeit nicht länger den Ländern zu überlassen und das Problem auf Bundesebene anzugehen. Dieser Schritt kommt nicht aus dem luftleeren Raum. Allein im Frühjahr 2025 sorgte eine Großrazzia in Berlin für Schlagzeilen, bei der 160 illegale Geldspielgeräte sichergestellt wurden. Diese Aktion machte vielen deutlich, wie tief verzweigt das Netz illegaler Anbieter inzwischen ist.

Dabei geht es nicht nur um verirrte Spielseelen, die nachts heimlich auf dubiosen Webseiten ihr Glück versuchen. Es stehen Milliardenverluste im Steuerhaushalt im Raum, es fehlen wirksame Kontrollmechanismen und es entstehen Strukturen, in denen Geldwäsche, organisierte Kriminalität und Steuerhinterziehung nahtlos ineinandergreifen. Genau hier will die Politik ansetzen. Ziel ist es, dem illegalen Markt den Boden zu entziehen. In der Praxis steht jedoch ein föderaler Flickenteppich im Weg, der dringend neue Nähte braucht.

Spieler schützen und den Markt ordnen

Spielerschutz hat in der deutschen Gesetzgebung einen hohen Stellenwert. Die Einrichtung der OASIS-Sperrdatei, monatliche Einzahlungslimits und Einschränkungen bei der Werbung sollen dafür sorgen, dass Spielsucht früh erkannt und eingedämmt wird, doch all diese Maßnahmen greifen nur, wenn die Anbieter lizenziert sind und sich an die Regeln halten. Plattformen außerhalb der deutschen Regulierung ignorieren diese Vorgaben schlichtweg.

Gleichzeitig wird immer offensichtlicher, dass der legale Markt mehr Attraktivität braucht. Ein seriöses online Casino wie Casino777, das in der Schweiz unter besonders strengen Auflagen arbeitet, hat bisher keine deutsche Lizenz erhalten, obwohl es sich als verlässlich und transparent präsentiert. Solche Anbieter könnten helfen, den Schwarzmarkt zu verdrängen, indem sie ein qualitativ hochwertiges, legales Gegenangebot darstellen, doch der bürokratische Aufwand sowie restriktive Anforderungen verhindern bislang, dass solche Player den deutschen Markt beleben.

Es braucht also eine Regulierung, die beides leisten kann, den Schutz der Spieler gewährleisten und gleichzeitig Angebote schaffen, die mit illegalen Plattformen konkurrieren können. Wenn der legale Markt unattraktiv bleibt, braucht es nicht viel, bis Nutzer zu einfacheren, weniger kontrollierten Angeboten wechseln.

Welche Instrumente hat der Staat und warum sie bisher nicht ausgereicht haben

Die Werkzeuge, die den Behörden bisher zur Verfügung stehen, klingen auf dem Papier durchaus brauchbar, denn Netzsperren, Untersagungsverfügungen und Zahlungsdienstleister-Blockaden sollen gegen illegale Anbieter wirken. In der Realität jedoch zeigt sich schnell, dass solche Maßnahmen ihre Grenzen haben. Anbieter, die einmal gesperrt wurden, tauchen unter neuem Namen einfach wieder auf. Technische Umgehungsmöglichkeiten wie VPNs sind längst gängige Praxis und Zahlungsdienstleister, die in Drittstaaten operieren, entscheiden selbst, ob sie kooperieren oder nicht.

Auch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, die als zentrale Instanz gegen illegales Online-Glücksspiel vorgehen soll, stößt regelmäßig an die eigenen Grenzen. Zwar wurden 2023 über 400 Prüffälle bearbeitet und mehr als 130 Untersagungsverfahren eingeleitet. Doch das Verhältnis von Aufwand und nachhaltigem Effekt bleibt ernüchternd. Der digitale Schwarzmarkt agiert wendig, einfallsreich und oft schneller, als jede behördliche Verfügung verschickt werden kann.

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder mit viel Verantwortung und begrenzter Durchschlagskraft

Seit Anfang 2023 soll die GGL für Ordnung im digitalen Glücksspielmarkt sorgen. Sie entscheidet über Lizenzen, überwacht Anbieter, führt die Whitelist und betreibt die zentrale Sperrdatei. Doch mit einem Personalstand von rund 110 Mitarbeitenden wirkt diese Behörde eher wie ein zahnloser Tiger, der einer digital hochgerüsteten Hydra gegenübersteht. Die Verfahren häufen sich, technische Anforderungen steigen und internationale Anbieter operieren auf einer ganz anderen Ebene.

Polizeigewerkschaften kritisieren seit Längerem, dass die GGL weder personell noch technisch ausreichend ausgestattet sei. Es fehlt an digitaler Forensik, an rechtlichen Werkzeugen für den internationalen Zugriff und an strukturierter Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden. Die Behörde kann auf Veränderungen am Markt oft nur reagieren, während sich Anbieter längst in neue Schlupflöcher verziehen.

Deshalb fallen viele Anbieter durch das Raster

Der Unterschied zwischen einem legalen und einem illegalen Glücksspielangebot ist für Nutzer oft kaum zu erkennen. Viele Plattformen präsentieren sich modern, haben dieselben Games, sind auf Deutsch verfügbar und werben mit professionellem Kundenservice. Doch ein genauer Blick offenbart, dass etliche dieser Anbieter keine deutsche Lizenz besitzen und somit nicht den hiesigen Vorschriften unterliegen. Ihre Namen finden sich nicht auf der offiziellen Whitelist der GGL, was jedoch nicht bedeutet, dass sie automatisch abgeschaltet oder gesperrt werden.

Ausländische Anbieter, die mit Lizenzen aus Malta, Curaçao oder anderen Staaten agieren, nutzen bewusst rechtliche Grauzonen. Sie umgehen nationale Regelungen, wechseln regelmäßig Domains oder setzen auf aggressive Affiliate-Werbung. Hinzu kommt, dass viele Seiten mit gezielten Maßnahmen Seriosität suggerieren, während der rechtliche Schutz der Spieler nicht existiert. Eine verpflichtende Kennzeichnung auf der Startseite fehlt, was die Orientierung zusätzlich erschwert.

Kryptocasinos, Schlupflöcher und Grauzonen als digitale Evolution des illegalen Glücksspiels

Eine besonders schwer greifbare Ausprägung des illegalen Marktes sind sogenannte Kryptocasinos. Diese Plattformen funktionieren ohne klassische Währungen. Stattdessen werden Ein- und Auszahlungen ausschließlich über Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum abgewickelt. Damit entfällt jegliche Bankverbindung, die Behörden nutzen könnten, um Zahlungen zu unterbinden oder Anbieter zu verfolgen.

Zusätzlich verzichten solche Casinos auf Altersverifikationen, Einzahlungslimits oder Sperrdateien. Es gibt keine Kontrollinstanzen, keine nachvollziehbaren Regulierungen und keine rechtliche Handhabe für deutsche Behörden. Die Anbieter sitzen meist außerhalb der Europäischen Union, hosten ihre Server an schwer zugänglichen Standorten und verbreiten ihre Angebote gezielt über soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste.

Politische Ambitionen und die digitale Realität

Die Bundesregierung hat das Problem erkannt und will den Kampf gegen illegales Glücksspiel nicht länger auf Landesebene versickern lassen. Der politische Wille ist da. Doch gute Absichten allein reichen nicht aus. Ohne eine klare Strategie, bessere personelle Ausstattung der GGL und internationale Kooperationen droht der Kampf ein symbolischer zu bleiben.

Der digitale Schwarzmarkt ist kein statisches Konstrukt. Er entwickelt sich ständig weiter, nutzt technische Möglichkeiten, um Regulierungen zu unterlaufen und ist nur schwer greifbar. Deshalb müssen auch die rechtlichen und organisatorischen Strukturen Schritt halten. Es reicht nicht, neue Regeln zu verabschieden. Diese Regeln müssen auch durchgesetzt werden können und das effektiv, konsequent und an den tatsächlichen Gegebenheiten orientiert.

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23.05.2025 · 13:57 Uhr
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