Pilotprojekt

Bundespolizistinnen beraten Gewaltopfer: Arzt oder Anzeige?

02. Februar 2026, 05:00 Uhr · Quelle: dpa
Anlaufstelle der Bundespolizei Gewalt gegen Frauen
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Bei der Anlaufstelle am Berliner Ostbahnhof sollen Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, Beratung und Unterstützung erhalten können - in einer besonders vertrauenerweckenden Atmosphäre. (Archivfoto)
Randalierer, Taschendiebe: Die Bundespolizei hat an Großstadt-Bahnhöfen alle Hände voll zu tun. Für Frauen, die Schläge oder sexuelle Gewalt erlebt haben, gibt es Räume, um zur Ruhe zu kommen.

Berlin (dpa) - Seit der Eröffnung der neuen Anlaufstellen für von Gewalt betroffene Frauen am Bahnhof hat die Bundespolizei dort nach Angaben des Bundesinnenministeriums in mehr als 200 Fällen beraten und Unterstützung angeboten. Manchmal geht es für die Opfer anschließend zum Krankenhaus, zur Behandlung oder auch um Spuren einer Vergewaltigung von einem Arzt dokumentieren zu lassen. In anderen Fällen wird ein Platz in einem Frauenhaus gesucht oder mit Hilfe der Landespolizei dafür gesorgt, dass der Täter die gemeinsame Wohnung vorübergehend verlassen muss. 

Ob die im Rahmen eines Pilotprojekts geschaffenen Einrichtungen am Kölner Hauptbahnhof und am Berliner Ostbahnhof über September 2027 hinaus betrieben werden, ist nach Auskunft einer Sprecherin des Ministeriums noch offen. Auch zu einer möglichen Eröffnung entsprechender Anlaufstellen an anderen Bahnhöfen steht die Entscheidung noch aus. 

Neben dem Sofa steht eine Box mit Taschentüchern

Am Hauptbahnhof in Köln, wo die Bundespolizei im Juni neue Räumlichkeiten bezogen hat, führt eine Treppe hoch zu einem etwa elf Quadratmeter großen Raum mit Deko-Elementen, farbigen Wänden und Polstermöbeln in sanftem Grün. Auf einem Beistelltisch steht eine Box mit Papiertaschentüchern. Wenn die Tür geschlossen wird, sind die Geräusche der Dienststelle kaum noch zu hören. 

Die erste Anlaufstelle in Berlin hat die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am 15. August 2024 offiziell eröffnet. Am Kölner Hauptbahnhof existiert der Rückzugsraum, der sich auch optisch von den ansonsten eher funktionalen Räumlichkeiten der Polizei abhebt, seit dem 29. September 2025. 

Polizistinnen für Umgang mit Gewaltopfern geschult

Der Gedanke hinter dem Pilotprojekt: Opfer häuslicher Gewalt werden häufig stark vom Täter kontrolliert. Deshalb könnte es für sie womöglich leichter sein, eine rund um die Uhr geöffnete Dienststelle der Polizei an einem stark frequentierten Ort wie einem Bahnhof zu erreichen als eine Wache der Landespolizei. Als Ansprechpartnerinnen für die Betroffenen stehen in den Gewaltschutz-Anlaufstellen Polizistinnen - ausschließlich Frauen - bereit, die für diese Aufgabe besonders fortgebildet wurden.

Wie das Bundesinnenministerium auf Anfrage mitteilte, hat die Bundespolizei in Berlin und Köln insgesamt bisher in 220 Fällen beraten. «33 Fälle waren dem Phänomenbereich der häuslichen Gewalt zuzuordnen», sagt die Sprecherin. 

Denn, wie Beamtinnen, die in der Kölner Einrichtung arbeiten, berichten: In dem separaten Raum, der hier für die Gespräche mit Betroffenen genutzt wurde, sprechen sie auch mit Frauen, Kindern und Jugendlichen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind oder aus anderen Gründen «stark aufgelöst» bei der Polizei ankommen. 

Schwangere 15-Jährige vom Freund verprügelt

Polizeimeisterin Hicran Aktas ist eine von 34 Kölner Bundespolizistinnen, die für den Umgang mit Gewaltopfern geschult wurde. Ein Fall aus den vergangenen Monaten ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Die Leitstelle meldet eine Körperverletzung am Bahnhof. Das Mädchen, das Aktas kurz darauf vor sich sitzen hat, ist 15 Jahre alt und schwanger. Ihr Freund hat sie geschlagen. Er will, anders als sie, nicht, dass sie das Kind behält. «Ich glaube, selbst würde sie niemals zur Polizei gehen», sagt die Polizistin, um dem Freund keine Schwierigkeiten zu machen. 

Nach dem Gespräch im Gewaltschutzraum kommt das Mädchen ins Krankenhaus. Gegen den Freund gab es eine Strafanzeige, in Rücksprache mit der Landespolizei. 

Anders als im Vernehmungsraum

Der Polizeibeauftragte des Bundes, Uli Grötsch, hat die Dienststelle der Bundespolizei am Kölner Hauptbahnhof vor einigen Tagen erstmals besucht, um sich ein Bild von den Arbeitsbedingungen vor Ort zu machen. Er sagt: «In besonderen Situationen, in denen es um Gewalt gegen Frauen geht, ist es gut, den Raum zu haben, weil man sich in eine andere Umgebung bewegen kann, die eine andere Gesprächsatmosphäre erzeugt als das im Vernehmungsraum in einer Polizeidienststelle so ist.»

Für ihn sei auch klar, «dass eine Frau, die gerade Gewalt durch einen Mann erfahren hat, nicht einem Mann erzählen möchte, was ihr der Mann vorher der Mann angetan hat».

Im besten Fall können wir weiterhelfen

Maja Schomers, die zu den für den Umgang mit Gewaltopfern geschulten Bundespolizistinnen aus Köln gehört, sagt: «Im besten Fall können wir der Person weiterhelfen.» In manchen Fällen gehe es vor allem darum, die Strafverfolgung gegen den Täter einzuleiten. In anderen Fällen stehe für die Opfer die Suche nach einem sicheren Ort im Vordergrund.

Häusliche Gewalt wird der Polizei oft nicht bekannt

Im Jahr 2024 wurden bundesweit 187.128 Frauen Opfer häuslicher Gewalt - ein Anstieg von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen für 2025 liegen bislang nicht vor. 

Die Kriminalstatistik zeigt allerdings nur Fälle, die den Ermittlern auch bekanntwerden. Der gemessene Anstieg kann also damit zusammenhängen, dass es mehr Taten gibt, aber auch damit, dass Menschen verstärkt Taten anzeigen. Bei der Vorstellung der Zahlen im November sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), die Politik tue nicht genug - «da muss deutlich mehr kommen».

Polizei / Kriminalität / Frauen / Gewaltopfer / Bundespolizei / Berlin / Köln
02.02.2026 · 05:00 Uhr
[0 Kommentare]
US-Präsident Trump
Washington/Teheran (dpa) - Die USA stehen nach Angaben von Präsident Donald Trump in den Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs kurz vor einem Rahmenabkommen mit Teheran und der Wiederöffnung der Straße von Hormus. Es sei «weitgehend» ausgehandelt, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. «Die letzten Aspekte und Details des Abkommens werden […] (09)
vor 48 Minuten
Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden.
(BANG) - Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden. Das frühere Glamour-Model feierte seinen 48. Geburtstag am Freitag (22. Mai) allein und veröffentlichte in den sozialen Medien ein bewegendes Video mit Fotos von sich und Lee, der seit vergangener Woche nicht mehr gesehen wurde, als er […] (00)
vor 20 Stunden
KI
Stuttgart (dpa) - Künstliche Intelligenz ist in den Zukunftsplanungen der deutschen Wirtschaft fest verankert, doch auf dem Weg in den produktiven Arbeitsalltag in den Unternehmen verliert sie oft massiv an Schwung. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des IT-Beratungsunternehmens Zoi. Für einen erfolgreichen KI-Einsatz mangle es weniger an Geld, sondern an der […] (00)
vor 1 Stunde
Crazy Taxi kehrt zurück? SEGA macht Fans mit Mini-Teaser nervös
SEGA hat die Crazy Taxi -Fans mit nur fünf Sekunden komplett elektrisiert. Auf den offiziellen Social-Media-Kanälen der Reihe erschien ein kurzes Video, das ein blinkendes Taxi-Schild zeigt. Mehr nicht. Kein Datum, kein Gameplay, kein Logo-Reveal. Und trotzdem reicht dieser Clip, um die Spekulationen um die Rückkehr des Arcade-Klassikers neu […] (00)
vor 10 Stunden
National Geographic startet «Strangest Things: Die rätselhaftesten Artefakte»
Die Doku-Reihe widmet sich ab Mitte Juli mysteriösen Objekten, kuriosen Erfindungen und ungelösten Rätseln der Geschichte. National Geographic erweitert sein Geschichtsprogramm um die neue Serie Strangest Things: Die rätselhaftesten Artefakte. Die zehnteilige Produktion feiert ab dem 16. Juli ihre deutsche TV-Premiere und läuft jeweils donnerstags um 21.45 Uhr. Zusätzlich kündigt der Sender […] (00)
vor 1 Stunde
Joao Fonseca
Paris (dpa) - Bei der Titeljagd im Tennis herrscht aktuell Langeweile. Jannik Sinner dominiert, und bei einer Rückkehr des aktuell verletzten Carlos Alcaraz läuft alles auf ein Duell der beiden Ausnahmekönner hinaus. Doch es gibt ein paar Jungstars, die sie herausfordern wollen. Das sind die Top-Talente bei den am Sonntag beginnenden French Open. Rafael […] (00)
vor 1 Stunde
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, anlagestrategien, austausch
Kevin Maxwell Warsh, der von Donald Trump als neuer Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve nominiert wurde, hat am 22. Mai offiziell sein Amt angetreten. Der 56-jährige Finanzexperte und Anwalt gilt als erster Bitcoin-Befürworter in dieser Position, was in der Krypto-Community Spekulationen über mögliche positive Auswirkungen auf die größte […] (00)
vor 38 Minuten
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 23 Stunden
 
Ukraine-Krieg - Kiew
Kiew (dpa) - Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew massiv mit Drohnen und […] (00)
Menschen auf der Straße (Archiv)
Berlin - Die Sorge der Menschen in Deutschland vor einem möglichen russischen […] (03)
Vorfall am Weißen Haus
Washington (dpa) - In unmittelbarer Nähe des Weißen Hauses haben Sicherheitskräfte […] (01)
Strom aus Wellen: In Spanien liefert eine riesige Boje Strom ans Netz
Der Ozean bewegt sich pausenlos. Seit Jahrzehnten versuchen Ingenieur: innen, diese […] (02)
Die Resilienz von Horror in Kinos In einer Ära, in der Streaming-Dienste dominieren, […] (00)
«Rosen und Reis» fällt im Ersten gnadenlos durch
Die Hochzeitskomödie mit Anneke Kim Sarnau und Oliver Wnuk interessierte kaum jemanden. Selbst […] (00)
Nicholas Galitzine hat zugegeben, dass er sich wie ein 'kompletter Betrüger' fühlte, als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog.
(BANG) - Nicholas Galitzine fühlte sich wie ein "kompletter Betrüger", als er zum […] (00)
SMS umd Chats
Bonn (dpa) - Der Niedergang der Kurznachricht SMS hat sich beschleunigt. Wie die […] (00)
 
 
Suchbegriff