Bundesjustizministerin strikt gegen Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung

16. Januar 2011, 12:23 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
Berlin (dts) - Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat entschieden, eine anlasslose Speicherung sämtlicher Telefon- und Internetdaten für Zwecke der Kriminalitätsbekämpfung nicht zuzulassen, auch nicht unter strengen Auflagen. Stattdessen will sie ein Gesetz vorlegen, dass es ermöglicht, bei einem "hinreichenden Anlass" die Löschung der bei den Providern vorhandenen Daten zu verhindern. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Montagausgabe.

Demnach sollen die Daten ganz bestimmter Personen unter relativ geringen Voraussetzungen mittels einer "Sicherungsanordnung" von Polizei oder Staatsanwaltschaft festgehalten werden können. Die Ministerin spricht von "einfrieren". Nach genauerer Prüfung können die Daten dann von einem Richter zur weiteren Verwendung aufgetaut werden, ansonsten sind sie zu löschen. Das "Eckpunktepapier", auf dessen Basis das neue Gesetz geschrieben werden soll, liegt der "Süddeutschen Zeitung" vor. Die Ministerin sagte dazu, sie versuche damit, den Grundrechtsschutz der Bürger und die Bedürfnisse der Strafverfolgungsbehörden in Einklang zu bringen, "unter strikter Anwendung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes". Es geht um den Zugriff auf die Telekommunikationsdaten: wer hat mit wem, wie lang, von wo aus und wie oft telefoniert, E-mails gesendet und SMS-Botschaften geschickt. Ihr Lösungsansatz, so Leutheusser-Schnarrenberger, vermeide eine "Speicherung der Verkehrsdaten aller Bürger". Durch die von ihr geplante "gezielte Speicherung" würde die Menge der zu speichernden Daten "auf das notwendige Maß begrenzt". Die Methode wird "Quick-Freeze" genannt: schnelles Einfrieren von Daten, die "für die Erforschung des Sachverhalts oder die Ermittlung des Aufenthaltsortes des Beschuldigten erforderlich" sind. Dies betrifft die dort schon vorhandenen, gespeicherten und die ab dem Zeitpunkt der Anordnung anfallenden Daten. Der Gesetzesplan schöpft freilich die Möglichkeiten, die das Bundesverfassungsgericht gerade noch erlaubt hat, nicht aus. Das Karlsruher Gericht hatte mit Urteil vom 2. März 2010 die damals geltenden Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung für verfassungswidrig erklärt, die eine sechsmonatige Speicherung sämtlicher Telefon- und Internetdaten erlaubt hatten. Die Justizministerin selbst hatte zu den dreißigtausend Beschwerdeführern gegen das alte Gesetz gehört, das noch zu Zeiten der großen Koalition erlassen worden war. Das Verfassungsgericht erklärte freilich vorsorgliche Datenspeicherungen "nicht schlechthin" für verfassungswidrig. Diese seien aber "nur ausnahmsweise zulässig" und an den Eingriff seien "besonders schwere Anforderungen" zu knüpfen. Seit diesem Urteil wird über die Inhalte eines neuen Gesetzes gestritten. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hat wiederholt die Datenspeicherung auf Vorrat gefordert, die CDU/CSU bedrängte die FDP-Justizministerin in den vergangenen Wochen immer massiver, einen Gesetzentwurf vorzulegen. Die nunmehr von ihr vorgelegte Lösung wird der CDU/CSU kaum genügen. Es ist heftiger Streit über zwei völlig verschiedene Grundansätze zu erwarten. Der Innenminister und die CDU/CSU wollen zunächst alle Daten speichern, um dann irgendwann auf verdächtige Daten zugreifen zu können. Die Justizministerin und die FDP wollen nur die Daten von schon irgendwie leicht verdächtigen Personen sichern lassen. FDP-Chef Westerwelle hat, zuletzt auf dem Dreikönigstreffen in Stuttgart, zu erkennen gegeben, dass es sich bei der Speicherfrage um eine substantielle Koalitionsfrage handelt. Für Leutheusser-Schnarrenberger ist es auch eine Frage der persönlichen Glaubwürdigkeit, die umfassende Speicherung zu verhindern. Nur "im Internetbereich" will sie eine "eng befristete Speicherung von Verkehrsdaten" für sieben Tage erlauben: Es soll auf dieser Weise eine Zuordnung dynamischer IP-Adressen zu Personen ermöglicht werden, insbesondere zur Bekämpfung der Kinderpornographie im Internet. Die Sicherheitsbehörden sollen beim Telekommunikationsunternehmen abfragen dürfen, welchem Teilnehmer, samt Name und Adresse, eine bestimmte, der Polizei bereits bekannte Internetprotokoll-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt zugewiesen war.
DEU / Parteien / Internet / Justiz / Telekommunikation
16.01.2011 · 12:23 Uhr
[0 Kommentare]
Übungseinsatz im Eisenbahntunnel Sandberg
Erfurt (dpa) - Bei einem Großeinsatz im Sandbergtunnel in Thüringen wurde am Wochenende die Rettung von Passagieren aus einem brennenden ICE geübt - doch dabei kam es zu erheblichen Verzögerungen. «Die Übung hat Schwachstellen in der Melde- und Alarmierungskette offengelegt, die wir sehr ernst nehmen», sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD). […] (03)
vor 8 Minuten
MIT-Forscher entwickeln Formel für wirtschaftlich rentable Fusionskraftwerke
Fusionsenergie hat in den vergangenen Jahren einen physikalischen Meilenstein nach dem anderen erreicht. Seit dem positiven Energiegewinn am National Ignition Facility im Jahr 2022 fließt Kapital aus Staatshaushalten und von privaten Investor: innen in die Branche. Ob sich diese Investitionen jemals auszahlen, blieb bislang eine offene Frage. Ein Team […] (00)
vor 2 Stunden
Größere Displays beim faltbaren iPhone Ultra 3 erwartet
Apple plant laut dem renommierten Bloomberg-Journalisten Mark Gurman bereits weit in die Zukunft seiner faltbaren Smartphones. Während die erste Generation des Foldables voraussichtlich auf der Apple Keynote im kommenden September ihre Premiere feiern wird, blickt der Konzern intern schon bis zur […] (00)
vor 2 Stunden
GameStop könnte 56-Milliarden-Deal mit eBay abblasen, doch Ryan Cohen gibt nicht auf
Die vielleicht verrückteste Übernahme des Jahres könnte doch nicht stattfinden. GameStop erwägt laut einem neuen Bloomberg-Bericht, sein rund 56 Milliarden US-Dollar schweres Angebot für eBay zurückzuziehen. Ganz verabschieden möchte sich CEO Ryan Cohen von eBay offenbar trotzdem nicht. Statt einer kompletten Übernahme könnte GameStop eine […] (01)
vor 1 Stunde
Stimmung vor Landtagswahlen: MDR bringt Doku «Wut. Hüben wie drüben»
Die Sendeanstalt lädt in Zusammenhang mit der Dokumentation auch zu einem Publikumsdialog ein. Wut. Hüben wie drüben ist ein gesamtdeutsches Road-Movie auf den Spuren der Wut im Land und der mittlerweile fünfte Teil der „Wut“-Reihe. Autor Matthias Schmidt fährt im Wahljahr 2026 nach Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt und fragt, ob die Wut vieler Menschen und die Gründe dafür in Ost und West […] (00)
vor 6 Stunden
 Harry Kane
München (dpa/lby) - Bundesliga-Torschützenkönig Harry Kane vom FC Bayern München wird mit dem «Goldenen Schuh» für den besten Torjäger in Europa geehrt. Die Würdigung findet am 19. August im Museum der Bayern statt. Die Bundesliga, der Rekordmeister aus München und der «Kicker» richten die Veranstaltung aus. Der Preis wird von European Sports Media, […] (01)
vor 5 Stunden
kostenloses stock foto zu altcoin, bitcoin, bitcoin-handel
Bitcoin steht in dieser Woche vor einer entscheidenden Prüfung bei $65.400, da Händler beobachten, ob es gelingt, diesen Widerstandsbereich nachhaltig zu überwinden. Dieser Bereich hat in der Vergangenheit immer wieder zu Fehlausbrüchen geführt. Marktpsychologie im Wandel In den letzten Wochen kam es in diesem Bereich zu erheblichen Verkäufen. […] (00)
vor 31 Minuten
Wenn Verpackung zum Bürokratietreiber für Textilunternehmen wird
Stuttgart, 10.08.2026 (lifePR) - Mit dem Anwendungsbeginn der europäischen Verpackungsverordnung am 12. August 2026 gelten auch für die Textil- und Bekleidungsindustrie umfangreiche neue Vorgaben. Vom Versandkarton über Hängeetiketten bis hin zu Tragetaschen müssen Unternehmen ihre Prozesse anpassen und neue Kennzeichnungs-, Konformitäts- und Dokumentationspflichten […] (00)
vor 2 Stunden
 
Spanische Exklave Ceuta (Archiv)
Berlin - Die Migrationslage in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta bleibt einem […] (00)
Strand auf Korfu am Mittelmeer
Brüssel - Die Weltmeere haben im Juli 2026 die bisher höchsten Temperaturen erreicht, […] (00)
Nickolaj Mladenow
Tel Aviv/Gaza (dpa) - Der Hohe Vertreter des Friedensrats, Nikolaj Mladenow, sieht […] (01)
Friedrich Merz (Archiv)
Berlin - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lässt sich in seinem Urlaub über den […] (00)
Ricky Gervais
(BANG) - Ricky Gervais hält sich inzwischen für "zu alt", um noch Hollywoods große […] (00)
Don Nelson
Dallas (dpa) - Dirk Nowitzkis erster NBA-Trainer Don Nelson ist tot. Der Ex-Profi und […] (01)
Chris Carter veröffentlicht düstere Neufassung von «Akte X: Jenseits der Wahrheit»
Fast zwei Jahrzehnte nach dem Kinostart erscheint der zweite «Akte X»-Film als Director's Cut. […] (00)
Truxton Extreme im Test: Dieser neue Arcade-Klassiker verzeiht dir gar nichts
Truxton Extreme ist ein vertikal scrollendes Shoot-‚em-up-Videospiel, welches von […] (01)
 
 
Suchbegriff