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Bulgarien nach drei Monaten Euro: Inflation nur 0,4 Prozent gestiegen – Akzeptanz wächst rasant

10. April 2026, 11:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Bulgarien nach drei Monaten Euro: Inflation nur 0,4 Prozent gestiegen – Akzeptanz wächst rasant
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Bulgarien führte Euro ein, Inflation stieg um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte. Restaurants und Hotels teurer, andere Bereiche stabil. Mehr als die Hälfte befürwortet jetzt Euro.
Die Angst vor Preisexplosion war unbegründet. Euro trieb Preise um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte – vergleichbar mit Kroatien 2023. Dienstleistungen teurer, Gesamteffekt minimal. Mehr als die Hälfte der Bulgaren befürwortet jetzt den Euro. EZB-Studie zeigt: Skepsis weicht nach Einführung schnell.

Seit Anfang des Jahres ist Bulgarien Teil des Euro-Raums. Doch der Beitritt des Balkanstaats stößt politisch auf erhebliche Vorbehalte. Nicht nur mahnen Experten angesichts der politischen Instabilität anhaltenden Reformwillen an. Auch die Furcht vor steigenden Preisen im Zuge der Einführung sorgt dafür, dass der Gemeinschaftswährung in breiten Teilen der Bevölkerung Skepsis entgegenschlägt. Drei Monate später zeigt sich: Die Angst war unbegründet.

Zwar hat die Euro-Einführung den Preisdruck verstärkt. Der Effekt ist bislang jedoch geringfügig und vergleichbar mit dem Beitrittsprozess anderer Euro-Staaten. Gleichzeitig ist die Akzeptanz des Euros in kurzer Zeit spürbar gestiegen. Das zeigt eine erste Untersuchung von vier Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der bulgarischen Notenbank, die die EZB am Donnerstag auf ihrem Blog veröffentlicht hat.

Inflation stieg um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte – minimal

Die Zwischenbilanz der Volkswirte zeigt, dass die Umstellung von Lev auf Euro das Preisniveau um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte angetrieben hat. Werden zudem vorgezogene Preisanpassungen von Unternehmen vor der eigentlichen Umstellung berücksichtigt, dann liegt der Effekt bei einem halben Prozentpunkt. „Die neue Währung könnte also tatsächlich zu einem leichten Anstieg der Inflation geführt haben", heißt es.

Das klingt dramatischer, als es ist. Ein halber Prozentpunkt Inflation ist praktisch nichts. In einer Volkswirtschaft, in der die Inflation ohnehin schwankt, fällt dieser Effekt kaum ins Gewicht. Die Befürchtungen, der Euro würde die Preise explodieren lassen, haben sich nicht bewahrheitet.

Restaurants und Hotels teurer – andere Bereiche stabil

Das liegt vorrangig an höheren Preisen für Dienstleistungen. So riefen etwa Restaurants und Hotels zum Jahreswechsel höhere Preise auf. Auch für Transport und Versicherungen mussten Verbraucher mehr bezahlen. Andere Komponenten der Inflation folgen den Mustern der Vergangenheit.

Die Preisdynamik im Januar sei daher im historischen Vergleich „ungewöhnlich hoch" gewesen, schreiben die Autoren. Im Februar sind hingegen keine Besonderheiten zu beobachten, auch bei Dienstleistungen nicht. Die Ökonomen schließen daraus, dass sich die ersten Erhöhungen nicht in der Breite festsetzen. Seit März ist die Inflation von den Folgen des Irankriegs geprägt.

Das bedeutet: Die anfängliche Preiserhöhung war ein Einmaleffekt. Die Unternehmen passten ihre Preise an, nutzten die Umstellung als Gelegenheit, ein bisschen mehr zu verlangen. Doch das setzte sich nicht fort. Der Markt korrigierte, die Preise stabilisierten sich, die Inflation normalisierte sich.

Bulgariens Prozess vergleichbar mit Kroatien 2023

Die Aufgabe der eigenen Währung zählt zu den tiefgreifendsten Anpassungen einer Volkswirtschaft. Während die Befürworter des Euro-Beitritts etwa auf geringere Transaktionskosten für Unternehmen und Verbraucher und ein besseres Investitionsklima verweisen, verfängt die Sorge vor steigenden Preisen bei Gegnern am stärksten.

Debatten dieser Art gab und gibt es auch in anderen Staaten, die der Euro-Zone beigetreten sind. Kroatien etwa verzeichnet seit dem Beitritt im Jahr 2023 hohe Inflations- und gleichzeitig hohe Wachstumsraten. Auch dort lag der Effekt der Gemeinschaftswährung auf die Inflation bei 0,2 bis 0,4 Prozentpunkten, bezifferte Notenbankchef Boris Vujcic. Das deckt sich mit der Einschätzung von EZB-Volkswirten.

Die Muster sind klar. Jedes Land, das den Euro einführt, erlebt einen kleinen Inflationsschub. Doch dieser Schub ist temporär, begrenzt, verkraftbar. Die langfristigen Vorteile – niedrigere Transaktionskosten, stabiles Währungsumfeld, besseres Investitionsklima – überwiegen.

EZB-Studie zeigt: Skepsis weicht nach Einführung schnell

Eine im November veröffentlichte Untersuchung zweier EZB-Volkswirte zeigt jedoch, dass die Zustimmungswerte für den Euro nach der Einführung üblicherweise schnell ansteigen, und zwar in allen soziodemografischen Gruppen. Das liege in erster Linie daran, dass viele der anfänglichen Befürchtungen nicht einträten.

Diese Tendenz zeigt sich auch in Bulgarien, dem Land mit der mit Abstand geringsten Kaufkraft in der EU: Der Euro ist mittlerweile deutlich stärker akzeptiert als in der Vergangenheit. So befürwortet aktuell mehr als die Hälfte der Bevölkerung die Gemeinschaftswährung – Tendenz steigend.

Das ist die eigentliche Erkenntnis. Die Menschen hatten Angst vor dem Euro. Doch sobald sie merkten, dass die Angst unbegründet war, drehte sich die Stimmung. Der Euro wurde akzeptiert, begrüßt, normalisiert. Das ist ein Muster, das sich in jedem Beitrittsland wiederholt.

Noch ist die Lage stabil – doch der Irankrieg könnte alles ändern

Die Überschrift „Noch" im Originalartikel deutet darauf hin: Die aktuelle Stabilität könnte temporär sein. Seit März ist die Inflation von den Folgen des Irankriegs geprägt. Sollten die Energiepreise weiter steigen, die Lieferketten weiter gestört bleiben, die Weltwirtschaft in eine Rezession rutschen – dann könnte Bulgarien hart getroffen werden.

Doch das wäre nicht die Schuld des Euros. Das wäre die Schuld globaler Schocks, die jede Volkswirtschaft treffen – egal, welche Währung sie nutzt. Der Euro schützt nicht vor externer Inflation. Aber er verhindert zumindest, dass Bulgarien zusätzlich unter Währungsturbulenzen leidet.

Finanzen / Education / Euro / Inflation / Bulgarien / EZB / Kroatien
[InvestmentWeek] · 10.04.2026 · 11:00 Uhr
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