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Buffetts letzter großer Schachzug – Warum der 95-Jährige kurz vor seinem Abschied noch einmal sein Portfolio umbaut

18. November 2025, 11:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Warren Buffett hat mit 95 Jahren ein neues Kapitel im Berkshire-Portfolio eröffnet, darunter den Einstieg bei Alphabet. Dieser Schachzug unterstreicht seinen wachsenden Fokus auf Technologie und Stabilität.

Warren Buffett hat kurz vor seinem Abschied noch einmal für ein Beben gesorgt. Die neue 13F-Meldung zeigt, wie stark der 95-Jährige und sein Team das Berkshire-Portfolio im dritten Quartal umgebaut haben – und ausgerechnet ein Tech-Konzern rückt nun in die Top Ten auf. Alphabet, lange Zeit eines jener Unternehmen, denen Buffett „zu spät“ hinterhergelaufen sei, ist plötzlich eine Kernposition.

1. Der überraschende Einstieg bei Alphabet

Der Schritt kam unerwartet: Berkshire hält nun knapp 18 Millionen Alphabet-Aktien im Wert von rund 4,3 Milliarden Dollar – genug, um den Google-Mutterkonzern zur zehntgrößten Position im Depot zu machen.

Dass Buffett ausgerechnet jetzt einsteigt, ist bemerkenswert. Alphabet investiert so aggressiv wie kaum ein anderer US-Konzern: Die Investitionen in langfristige Vermögenswerte sind innerhalb von zwei Jahren von 32 auf rund 90 Milliarden Dollar gestiegen. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen finanziell extrem robust – mehr liquide Mittel als Schulden, ein stabiler Cashflow und ein boomendes Cloud-Geschäft, das zuletzt um fast 90 Prozent wuchs.

Die Kombination aus bilanzieller Stabilität und wachstumsstarkem Kerngeschäft entspricht exakt dem Profil, das Buffett seit Jahrzehnten bevorzugt. Und die 54 von 65 Analysten, die die Aktie zum Kauf empfehlen, werden ihm recht geben.

2. Ein Tech-Fokus, der früher undenkbar gewesen wäre

Buffetts Abneigung gegen Tech-Unternehmen war legendär. Doch die jüngsten Portfolio-Bewegungen zeigen ein Berkshire, das im Technologiesektor zunehmend heimisch wird. Neben Alphabet gehören inzwischen Apple und Amazon zu den nennenswerten Positionen.

Intern gilt: Wo Tech draufsteht, stecken Ted Weschler und Todd Combs dahinter. Beide gelten als treibende Kräfte hinter den KI-nahen Beteiligungen. Das zeigt sich auch am Ausbau von Chubb, einem Versicherer, der stark auf maschinelles Lernen und Cyberprodukte setzt – ein 16-prozentiger Zukauf, inzwischen Platz acht im Portfolio.

Auch bei Domino’s Pizza stockte Berkshire auf. Die Kette setzt massiv auf KI-gestützte Bestellsysteme und Robotik. Es wirkt fast wie ein Motiv, das sich durch das ganze Quartal zieht: Technologiekompetenz als Zukunftsversprechen, selbst bei Unternehmen, die nicht an der Börse als Tech-Play gelten.

3. Der schleichende Rückzug aus Apple

Trotz der neuen Alphabet-Position bleibt Apple mit großem Abstand das Schwergewicht im Berkshire-Portfolio – rund 23 Prozent. Doch was die neue Meldung besonders auffällig macht: Buffett reduziert.

Im dritten Quartal verkaufte Berkshire weitere 15 Prozent der Apple-Anteile. Es ist der sechste Verkauf in acht Quartalen. Von den einst 915 Millionen Aktien sind nur noch 238 Millionen übrig.

Die Gründe bleiben Spekulation. Apple kämpft mit einem schwächelnden China-Geschäft und der Frage, wie ernst das Unternehmen das Thema Künstliche Intelligenz künftig nimmt. Gleichzeitig laufen Margen und iPhone-Verkäufe besser, als viele erwartet hatten. Analysten bleiben überwiegend optimistisch, doch im Vergleich zu Alphabet fällt die Kaufquote deutlich geringer aus.

4. Ein Depot auf Schrumpfkurs

Die strukturelle Bewegung ist kaum zu übersehen: Buffetts Portfolio wird kleiner.

  • Verkäufe im Quartal: 12,5 Mrd. Dollar
  • Käufe: 6,4 Mrd. Dollar

Seit zwölf Quartalen in Folge nimmt Berkshire durch Verkäufe mehr ein, als es investiert. Der Bestand ist von 47 Aktien im Jahr 2022 auf 39 geschrumpft. Hätte Berkshire seit 2022 nichts verkauft, wäre das Portfolio heute über 490 Milliarden Dollar wert. Stattdessen liegt es bei 257 Milliarden Dollar.

Buffett trennt sich nicht nur von kleinen Positionen:
– Bank of America: minus 6 Prozent
– Verisign: minus 32 Prozent
– Nucor: minus 3 Prozent
– D.R. Horton: komplett verkauft

Es ist ein Portfolio, das nach Straffung aussieht – oder nach einem Übergang.

5. Cash als Statement

381,6 Milliarden Dollar Bargeld – ein Rekord, nicht nur für Berkshire, sondern für die gesamte US-Unternehmenslandschaft.

Fünf Quartale in Folge hat Buffett keine eigenen Aktien zurückgekauft. Stattdessen wächst der Cash-Berg, und zwar in historischem Tempo. In Zeiten geopolitischer Spannungen, Zinsschwankungen und Marktvolatilität ist Cash für Buffett längst ein strategischer Schutzwall.

Die Aktie selbst bleibt ein Phänomen: Klasse A notiert bei 763.867 Dollar – die teuerste Aktie der Welt, selbst nach einem zähen Jahr und einem nur leichten Kursanstieg seit November.

Ein Ende – aber kein Stillstand

Es wirkt fast so, als würde Buffett kurz vor seinem Abschied den Tisch aufräumen: Tech ausbauen, Altpositionen straffen, Cash maximieren. Ein Portfolio, das bereit ist für den Übergang. Und ein letzter Fingerabdruck eines Investors, der auch mit 95 Jahren noch Trends setzt, die die Märkte beschäftigen.

Was bleibt? Ein Alphabet-Deal, der seine Handschrift trägt. Ein Berkshire, das stabiler dasteht als jedes andere Unternehmen in den USA. Und ein Vermächtnis, das in diesen Zahlen vielleicht klarer sichtbar wird als in jeder Abschiedsrede.

Finanzen / Unternehmen / Warren Buffett / Berkshire Hathaway / Alphabet
[InvestmentWeek] · 18.11.2025 · 11:00 Uhr
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