Branchenkrise im Biermarkt: Absatzeinbrüche und Preisdruck belasten Brauereien
Die deutsche Brauwirtschaft steht vor massiven Herausforderungen, da sich der Bierabsatz im ersten Halbjahr dramatisch verschlechtert hat. Verantwortlich dafür sind nicht nur die alternde Bevölkerung und ein gesundheitsbewussterer Lebensstil jüngerer Generationen, sondern auch gestiegene Produktionskosten und anhaltende konjunkturelle Schwächen. Die jüngsten Statistiken zeichnen ein alarmierendes Bild: Die Gesamtmenge des in Deutschland hergestellten alkoholischen Biers fiel erstmals unter vier Milliarden Liter, ein Minus von 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Während der inländische Absatz um 6,1 Prozent nachgab, waren es im Export sogar 7,1 Prozent. Eine gewisse Stabilität zeigt sich bei alkoholfreiem Bier, das mittlerweile neun Prozent Marktanteil erreicht hat. Besonders in der Gastronomie erfreuen sich alkoholfreie Biere wachsender Beliebtheit, wie Daten von Kollex belegen: In Regionen wie Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist schon fast jedes vierte Bier alkoholfrei. Dennoch können alkoholfreie Sorten nur etwa ein Drittel der Absatzverluste ausgleichen.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd: Steigende Energie-, Lohn- und Rohstoffkosten setzen die Brauer unter Druck. Dies belastet nicht nur die Margen, sondern behindert auch dringend notwendige Investitionen. Schon haben etwa 100 kleinere Brauereien das Geschäft aufgegeben, und größere Betriebe wie Radeberger räumten Standorte wie die Binding-Brauerei in Frankfurt. Trotz einer Marktbereinigung bleibt das Preisniveau niedrig, was dem Einzelhandel vorteilhafte Verhandlungen ermöglicht.
Angesichts des anhaltenden Drucks befürchtet Veltins-Chef Kuhl für viele Betriebe wirtschaftliche Schwierigkeiten bis mindestens Ende 2026. Einstmals als Bier-Gigant Europas hat Deutschland seinen Spitzenplatz an Russland verloren, was das Bedürfnis nach einer strategischen Neuausrichtung verstärkt. Doch bis heute sind die geforderten Preiserhöhungen der Brauer weder im Supermarkt noch in der Gastronomie flächendeckend umgesetzt.

