Börsen in Wartestellung: Moderate Rückgänge vor geldpolitischen Weichenstellungen
Die US-amerikanischen Aktienmärkte haben am Donnerstag leichte Abwärtsbewegungen erlebt, nachdem sie kürzlich neue Höchststände erreichen konnten. Im Zuge der Veröffentlichung wirtschaftlicher Daten konnten die anfänglichen Verluste jedoch abgemildert werden. Aktuelle Zahlen von S&P Global zeigten, dass die US-Industrieproduktion aufgrund gestiegener Nachfrage in einem Tempo zulegte, das seit über drei Jahren nicht mehr erreicht wurde und die Erwartungen klar übertraf. Zudem entwickelten sich die Daten zum Häusermarkt überraschend positiv: Anstelle eines erwarteten Rückgangs stieg der Verkauf bestehender Häuser im Juli an.
Der Dow Jones Industrial schloss den frühen Handel mit einem leichten Minus von 0,2 Prozent bei 44.850 Punkten, nachdem er zwei Tage zuvor mit über 45.200 Zählern ein Rekordhoch markiert hatte. Der marktbreite S&P 500 fiel am Donnerstag um 0,1 Prozent auf 6.390 Punkte. Der technologielastige Nasdaq 100 konnte seine anfänglichen Verluste wettmachen und stabilisierte sich zuletzt unverändert bei 23.250 Punkten.
Der Fokus liegt nun auf der bevorstehenden Notenbanksitzung in Jackson Hole. Richtig spannend dürfte es am Freitag mit der Rede des US-Notenbankchefs Jerome Powell werden, von der Hinweise auf eine mögliche Zinssenkung im September erwartet werden. Ein Schritt von 0,25 Prozentpunkte nach unten scheint an den Finanzmärkten bereits berücksichtigt.
Laut Chefökonom Michael Heise von HQ Trust könnte Powell die Erwartung an eine Zinssenkung im September nicht enttäuschen. Für das Jahr 2025 werden weiterhin zwei moderate Zinssenkungen prognostiziert. Entscheidend wird sein, ob und wie stark der Offenmarktausschuss seine Zinserwartungen für 2026 senkt. Heise rechnet mit geldpolitischen Lockerungssignalen, da bereits bei der letzten Sitzung zwei Mitglieder für eine Senkung gestimmt hatten.
Walmart verlor beim Dow 4,3 Prozent, da weder ein überraschend guter Quartalsumsatz noch eine erhöhte Jahreserlösprognose die Aktien stützen konnten. JPMorgan hatte diesen Rückgang bereits vorausgesehen, da der Gewinn je Aktie unter den Erwartungen blieb. Demgegenüber stiegen Boeing um 0,5 Prozent an, nachdem Berichte über einen möglicherweise großen Auftrag aus China über bis zu 500 Flugzeuge die Runde machten. Dieser Deal könnte eine Erholung im bisher schleppenden China-Geschäft des Unternehmens markieren. Dagegen verzeichnete Coty den stärksten Umsatzrückgang seit über vier Jahren, was zu einem Kurssturz von 19 Prozent auf unter 4 US-Dollar führte – dem niedrigsten Stand seit November 2020. Auch der Kosmetikkonzern Estee Lauder enttäuschte kürzlich mit seiner Gewinnprognose.

