Berufliche Perspektiven: Zwischen Jobben und Ausbildung
Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung offenbart ein bemerkenswertes Bild: Jeder fünfte Schüler in Deutschland strebt nach Hochrechnungen unmittelbar nach der Schulzeit keinen weiteren Bildungsweg an, sondern eine direkte Erwerbstätigkeit. Vor allem junge Menschen mit niedrigem Schulabschluss fühlen sich zu kurzfristigen Erwerbsjobs hingezogen, so die Erhebungen. Diese Entwicklung könnte besorgniserregende Auswirkungen auf den ohnehin angespannten Fachkräftemarkt haben.
Trotz der hohen Anerkennung der dualen Ausbildung – 86 Prozent der jungen Befragten sehen sie als solide Grundlage für ihre Karriere – bleibt die Unentschlossenheit hoch: 43 Prozent der Schüler planen definitiv eine Ausbildung, während 40 Prozent das Studium favorisieren. Die Bertelsmann-Studie zeigt auf, dass über die Hälfte der Befragten sich vorstellen kann, nach der Schule direkt ins Arbeitsleben zu starten. Konkret haben 19 Prozent diesen Schritt fest eingeplant. Bei Schülern mit niedrigem Bildungsniveau liegt diese Quote sogar bei 25 Prozent.
Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels mahnt die Bertelsmann-Stiftung, Jugendliche frühzeitig über die Vorteile einer Ausbildung aufzuklären. Denn verlockende Helferjobs könnten kurzfristige finanzielle Anreize bieten, jedoch langfristig das Risiko von Arbeitslosigkeit oder Niedriglohnkarrieren erhöhen. Helen Renk von der Stiftung warnt vor dem Verlust wertvoller Potenziale für den Arbeitsmarkt.
Ein weiteres Hindernis ist die berufliche Orientierung: Rund die Hälfte der jungen Menschen fühlt sich von der Informationsflut überfordert; 12 Prozent beklagen gar den Mangel an Informationen. Attraktivität und Bezahlung der Ausbildung sind für viele kein ausreichender Anreiz – 48 Prozent der Befragten bemängeln die Vergütung, 43 Prozent ziehen ein Studium vor. Die DIHK betont unterdessen, dass die tariflichen Azubigehälter mittlerweile deutlich angestiegen sind und Aufklärungsarbeit dringend nötig ist.
Der DGB hingegen sieht den Ball bei den Unternehmen. Die Zahl der ausbildenden Betriebe sei rückläufig; dies treffe besonders junge Menschen mit Hauptschulabschluss hart. Betriebe werden aufgefordert, sich dieser jungen Talente zu öffnen und verstärkt Ausbildungsplätze zu schaffen.

