So sicher wie möglich

Begrenzen und begleiten: Smartphones kindersicher machen

01. Juni 2026, 00:05 Uhr · Quelle: dpa
Ein Mädchen nutzt ein Smartphone
Foto: Mascha Brichta/dpa Themendienst/dpa-tmn
Die meisten Kids sind überglücklich, wenn sie ihr erstes eigenes Smartphone bekommen. Auf Eltern kommen nun aber einige neue Aufgaben zu.
Mit Schutzfunktionen und klaren Regeln können Eltern ihre Kinder beim Umgang mit dem Smartphone begleiten. Neben technischen Hilfen sind dabei offene Gespräche entscheidend.

Berlin/Hannover (dpa/tmn) - Ein Smartphone nutzen - bereits für Kinder ab etwa sieben Jahren gehört das zum Alltag. Das geht aus einer Studie von Bitkom Research aus dem Jahr 2025 hervor. Ihr erstes eigenes Gerät erhalten Mädchen und Jungen demnach meist mit neun Jahren.

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit sieht dieses Alter aber wirklich als unterste Grenze. Es empfiehlt, Kindern «besser frühestens ab zwölf Jahren, ein eigenes Smartphone mit eingeschränktem Internetzugang zu überlassen». 

Reif fürs erste Smartphone? - Checkliste hilft weiter

Ab wann genau ein Kind ein Smartphone nutzen sollte, hängt auch stark von seinem Reifegrad ab. Um den individuellen Zeitpunkt genauer zu bestimmen, hilft etwa eine Checkliste der EU-Initiative Klicksafe.

So oder so treibt Mütter und Väter die Frage um, wie sie das Smartphone so einrichten können, dass das Kind über Internet und soziale Medien nicht mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert wird, in Kostenfallen tappt oder gar in Gefahr gerät. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie das Kind einen gesunden Umgang mit dem Handy entwickeln kann, ergo nicht zu viel Zeit damit verbringt.

In den Betriebssystemen sind Schutzfunktionen integriert

Wichtig zu wissen: «Viele Betriebssysteme von Smartphones verfügen über integrierte Jugendschutz- und Familienfunktionen», sagt Leah Schrimpf vom IT-Branchenverband Bitkom. Dazu gehört etwa Folgendes:

  • Bildschirmzeitbegrenzungen - auf diese Weise lässt sich die Nutzungsdauer des Geräts oder spezifischer Apps überwachen und zeitlich einschränken.
     
  • Eltern- und Altersfreigaben für Apps - Eltern können festlegen, dass sie bestimmte Apps freigeben oder nur Inhalte einer bestimmten Altersgruppe - etwa ab sechs Jahren oder ab zwölf Jahren - herunterladbar sind.
     
  • Inhaltsfilter - das sind Sicherheitsmechanismen, die verhindern, dass Nutzerinnen und Nutzer auf bestimmte Webinhalte oder Apps zugreifen, das Ziel: vor allem Kinder vor ungeeigneten oder illegalen Inhalten schützen.
     
  • Einschränkungen bei sogenannten In-App-Käufen - hierbei handelt es sich um kostenpflichtige Erweiterungen oder Abonnements in einer App, die das Ziel haben, etwa Werbung zu entfernen oder den Funktionsumfang zu erweitern.

Wie das alles Schritt für Schritt funktioniert, erklärt die Seite «Medien-kindersicher.de». Dort finden sich leicht verständliche Anleitungen für die unterschiedlichsten Geräte, Anwendungen oder Dienste vom Smartphone über Spielkonsolen bis hin zu Smart-TVs oder Notebooks.

Tipp: Separates Kinderkonto erstellen und verknüpfen

«In der Regel sind die in Smartphones integrierten Jugendschutz- und Familienfunktionen selbsterklärend, was das Installieren angeht», sagt Alexander Spier vom Computerfachmagazin «c't».

Ideal sei es, auf dem Handy ein separates Kinderkonto zu erstellen, das mit dem der Eltern verknüpft ist. So haben Mütter und Väter die Smartphone-Aktivitäten ihrer kleinen Söhne und Töchter im Blick.

Und was ist mit Einstellungen am Router und in Apps?

Ergänzend zu den in den Betriebssystemen integrierten Kindersicherungen lassen sich etwa Filterfunktionen im Router oder Jugendschutzfunktionen innerhalb von Apps einrichten.

«So bieten zum Beispiel viele Social-Media-Dienste eigene Teen-Konten mit speziellen Schutz- und Privatsphären-Einstellungen an», sagt Leah Schrimpf. Aus ihrer Sicht kann eine Kombination verschiedener Maßnahmen sinnvoll sein.

Alexander Spier würde es in den meisten Fällen bei den globalen Smartphone-Einstellungen belassen: «In aller Regel sind aber die Kindersicherungen der Betriebssysteme ausreichend», meint er.

Spezielle Jugendschutz-Apps genau checken

Eltern, die sich dazu entscheiden, für ihre Kinder spezielle Jugendschutz-Apps herunterzuladen, prüfen am besten im Vorfeld, welche Berechtigungen sie mit der Installation erteilen und ob diese tatsächlich für das Funktionieren der jeweiligen App nötig sind.

In den App-Stores lässt sich unter «Datenschutz» oder «Datensicherheit» einsehen, worauf eine App zugreifen möchte.

Sicherheits-Briefing darf auch nicht fehlen

Auch wenn das Smartphone technisch gesehen kindersicher gemacht worden ist, sollten Eltern ihren Kindern noch einige Sicherheitstipps geben. «Kinder sollten sensibilisiert werden, persönliche Daten zu schützen und keine unbekannten Kontakte unkritisch zu akzeptieren», rät Schrimpf. Ebenso wichtig fürs Briefing sind:

  • Starke Passwörter: Sie schützen vor dem unbefugten Zugriff von Kriminellen auf persönliche Daten. Sie verhindern, dass Cyberkriminelle etwa durch automatisierte Angriffe Accounts übernehmen. «Passwörter sollten mindestens zwölf Zeichen haben, komplex sein und aus einer Kombination von Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen», sagt Alexander Spier.
     
  • Standortfreigabe mit Bedacht: Wichtig ist, den Standort in Apps zu deaktivieren, wenn er nicht wirklich unbedingt gebraucht wird. «Das verhindert unerwünschte Überwachung durch Datenhändler und bestimmte Konzerne, die detaillierte Bewegungsprofile erstellen», so Spier. Auch WLAN und Bluetooth bei Nichtnutzung deaktivieren.
     
  • Software-Updates durchführen: Ebenfalls entscheidend für die Sicherheit ist es, auf dem Smartphone des Kindes regelmäßig Software-Updates durchzuführen. Sinnvoll in diesem Zusammenhang: Auto-Updates für die Anwendungen in den App-Stores einstellen.
     
  • Zurückhaltend sein bei Unbekannten: Eltern sollten ihr Kind dazu anhalten, zurückhaltend zu sein, wenn Unbekannte mit ihnen Kontakt aufnehmen möchten. Fotos und Videos sollten Kinder zudem keinesfalls mit Fremden teilen.

Einstellungen überprüfen

Digitale Angebote, Apps und Nutzungsgewohnheiten ändern sich schnell. Auch Software-Updates können neue Funktionen mit sich bringen. «Daher sollten Eltern Einstellungen regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls anpassen», rät Leah Schrimpf.

Technische Schutzmaßnahmen sind nur ein Baustein, wenn es um ein kindersicheres Handy geht. «Entscheidend ist eine offene Kommunikationskultur in der Familie und ein schrittweises Heranführen an die Smartphone-Nutzung», sagt Schrimpf.

Regelmäßig reden

Denn digitale Erziehung bedeute nicht nur begrenzen, sondern auch begleiten, so Schrimpf weiter. Gerade in jungen Jahren hieße das auch, digitale Geräte zunächst gemeinsam zu nutzen, Anwendungen und Inhalte zu erklären und einzuordnen.

Essenziell ist auch, Kinder über Gefahren im Netz aufzuklären. Dazu gehören zahlreiche Themenfelder von Cybergrooming über Cybermobbing bis hin zu Spam-Mails oder Phishing. Und vor allem: «Kinder sollten wissen, dass sie sich bei Sachen, die ihnen beim Nutzen des Smartphones seltsam vorkommen, immer an ihre Eltern wenden können», betont Alexander Spier.

Jüngere Kinder auch inhaltlich eng begleiten

Jüngere Kinder, die noch kein eigenes Smartphones haben, sollten Eltern aktiv an den verantwortungsvollen Umgang mit dem Smartphone heranführen und sie über den technischen Schutz hinaus bei der Nutzung auch inhaltlich eng begleiten, rät der Bitkom. Dazu gehörten:

  • klare Verabredungen beim Thema Medienzeit
  • Geräte und Medien gemeinsam nutzen und Inhalte besprechen
  • altersgerechte und qualitativ hochwertige Inhalte auswählen
  • Lesezeichen und eine kindgerechte Startseite im Browser einrichten
  • kindgerechte Angebote wie «FragFinn.de», «Internet-abc.de», «Internauten.de» oder «Kindernetz.de» nutzen
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