BayWa-Beben: Warum dem Vorstandschef jetzt der Stuhl wackelt
Unruhe an der Konzernspitze
Beim genossenschaftlich geprägten Konzern BayWa AG herrscht Alarmstimmung. Nach Informationen aus Unternehmens- und Aufsichtsratskreisen wächst die Unzufriedenheit großer Anteilseigner mit Vorstandschef Frank Hiller. Eine Trennung gilt intern nicht mehr als ausgeschlossen.
Auslöser war eine auffällig knappe Pflichtmitteilung des Unternehmens. Der Aufsichtsrat habe ergebnisoffen über die zukünftige personelle Ausrichtung des Vorstands beraten, hieß es. Offiziell wollte BayWa dies nicht weiter kommentieren. Hinter den Kulissen wird die Mitteilung jedoch eindeutig als Warnsignal verstanden.
Kritikpunkt: fehlende Zukunftsstrategie
Hiller hatte den Vorstandsvorsitz im Frühjahr übernommen, nachdem BayWa nach Jahren aggressiver Expansion an den Rand des Kollapses geraten war. Während der erfahrene Restrukturierer Michael Baur die operative Sanierung verantwortet, sollte Hiller die strategische Neuausrichtung des Konzerns liefern.
Genau daran entzündet sich nun die Kritik. In einem Schreiben eines genossenschaftlichen Großaktionärs heißt es, man habe die Sanierung finanziell massiv unterstützt. Nun erwarte man jedoch eine klare Vision für BayWa, die über das bloße Abarbeiten der Sanierungsauflagen bis 2028 hinausgehe. Eine tragfähige Zukunftsstrategie fehle bislang.
Aufsichtsrat ohne klares Vertrauenssignal
Auch andere Großaktionäre sollen intern Druck machen. Branchenkreise berichten, dass Hillers Präsentationen in den vergangenen Monaten nicht überzeugen konnten. Selbst bei Gläubigerbanken werde moniert, dass sich der Vorstandschef zu stark auf die Sanierung und zu wenig auf die langfristige Positionierung des Konzerns konzentriere.
Bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung wurden zwar keine sofortigen personellen Konsequenzen gezogen. Gleichzeitig erhielt Hiller aber offenbar auch kein klares Vertrauensvotum. Für Beobachter ist das ein deutliches Zeichen, dass seine Position geschwächt ist.
Machtkampf im Vorstand
Hinzu kommen Berichte über Spannungen zwischen Hiller und Sanierungsvorstand Michael Baur. Letzterer gilt als Architekt der Rettung des Konzerns und als einflussreichste Figur im Vorstand. Die formale Arbeitsteilung ist klar geregelt, in der Praxis soll es jedoch zu Kompetenzgerangel gekommen sein.
Hillers Plan, BayWa radikal zu verkleinern und rund zwei Drittel der Geschäfte zu veräußern, stößt bei einigen Anteilseignern auf Skepsis. Für sie reicht ein reiner Rückzug auf das Kerngeschäft nicht aus, um BayWa langfristig wieder wettbewerbsfähig zu machen.
Sanierung macht Fortschritte – Probleme bleiben
Operativ gibt es durchaus Fortschritte. Kurz vor Weihnachten wurde der Verkauf der niederländischen Tochter Cefetra abgeschlossen. Der Erlös von rund 125 Millionen Euro sowie zusätzliche Rückflüsse aus Gesellschafterdarlehen senken die Bankverbindlichkeiten um mehr als 600 Millionen Euro.
Bis Ende 2028 sollen die Schulden von ursprünglich 5,4 Milliarden auf etwa 1,3 Milliarden Euro reduziert werden. Gleichzeitig ist der Umsatz in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres um mehr als 20 Prozent gefallen – teils durch Verkäufe, teils durch die schwache Konjunktur.
Justiz und Aufsicht schauen genau hin
Die Krise hat auch rechtliche Folgen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen frühere Vorstände im Zusammenhang mit dem Konzernabschluss 2023. Zudem prüft die Finanzaufsicht mögliche Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften.
BayWa ist für Landwirtschaft, Bauwirtschaft und genossenschaftliche Banken systemrelevant. Entsprechend aufmerksam verfolgen Politik, Gläubiger und Investoren die Entwicklung. Ob Frank Hiller den Konzern noch in eine strategisch überzeugende Zukunft führen darf, ist offen. Klar ist nur: Die Schonfrist ist vorbei.


