Pflegeimmobilien: Eine neue Chance für Investoren im Schatten der alternden Gesellschaft
Die alternde Bevölkerung und die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland bieten neue Investitionsmöglichkeiten, insbesondere im Bereich der Pflegeimmobilien. Während der Büroimmobilienmarkt weiterhin schwächelt, entdecken zunehmend Investoren und Banken Pflegeheime als attraktive Kapitalanlagen. Laut Philipp Wackerbeck von Strategy& hat sich das Kapitalinteresse an Pflegeimmobilien grundlegend verändert.
Eine erhebliche Finanzierungslücke besteht: Das RWI Essen prognostiziert einen Kapitalbedarf von über 20,6 Milliarden Euro bis 2030 und mehr als 35 Milliarden Euro bis 2040 für den Ausbau neuer Pflegeheimplätze. Ein Sanierungsbedarf für bestehende Einrichtungen wurde hierbei noch nicht berücksichtigt. Die Auslastung in den Pflegeheimen bewegt sich derzeit zwischen stattlichen 92 und 95 Prozent, und die demografische Entwicklung lässt auch künftig eine steigende Nachfrage erwarten.
Mit der wachsenden Bedeutung der Pflege als Wachstumsmarkt plant eine Vielzahl von Banken, Kapital in Projekte zu investieren, die sich mit dem Bau und Erhalt von Pflegeeinrichtungen befassen. Wackerbeck sieht insbesondere Chancen für Projektentwicklungs- und Bestandsdarlehen. Der Fokus richtet sich darüber hinaus auch auf innovative Wohnkonzepte für Senioren, die betreut oder unbetreut leben.
Neben den demografischen Veränderungen führen neue gesetzliche Bestimmungen dazu, dass mehr Menschen als pflegebedürftig eingestuft werden. Die Pflegestärkungsgesetze von 2015 und 2017 erweiterten den Pflegebegriff auf Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Demenz, was zusätzlich die Kosten in die Höhe treibt. Gleichwohl kritisieren Fachleute die finanzielle Unterstützung durch die Bundesländer, die für die Pflegeinfrastruktur verantwortlich sind.
Laut der Einschätzung von Dörte Heger, Ökonomin und Professorin, bleiben Investitionen aus öffentlicher Hand unzureichend, um den steigenden Pflegebedarf zu bedienen. Die Last wird daher oft auf die Schultern der Pflegebedürftigen und ihrer Familien verlagert, welche die entstehenden höheren Investitionskosten derzeit selbst tragen müssen. Die Bedeutung privater Pflegeanbieter wächst, doch der Druck auf die bestehenden diakonischen Pflegeeinrichtungen bleibt bestehen, da Neuinvestitionen vielerorts fehlen.

