Bayer und der lange Schatten des Glyphosat-Streits: Supreme Court prüft
Bayer steht einmal mehr im Fokus der US-Justiz, nachdem der oberste US-Gerichtshof den „Solicitor General“ um eine Stellungnahme zur laufenden Glyphosat-Rechtsstreitigkeit gebeten hat. Der Fall Durnell rückt damit erneut ins Zentrum internationalen Interesses. Diese Anfrage an den führenden Repräsentanten des US-Justizministeriums – quasi der oberste Anwalt der Regierung – dient dazu, die Meinung der Regierung zu klären. Das Urteil des Supreme Courts wird für die Sitzungsperiode 2025/26 erwartet, was das Potenzial hat, den Aktienkurs von Bayer stark zu beeinflussen.
Für Bayer stellen diese Entwicklungen eine Déjà-vu-Erfahrung dar. Schon einmal wandte sich das Unternehmen an den Supreme Court, nur um 2022 zu erleben, dass die US-Regierung nach einer Stellungnahme des Solicitor Generals von einer Annahme des Falls abriet. Dies führte zu einer Verschlechterung der Lage für den Dax-Konzern. Der aktuelle Fall betrifft die widersprüchlichen Urteile der Bundesberufungsgerichte in Bezug auf die angeblichen Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat.
Die Kernfrage ist, wie das US-Bundesrecht gegenüber den Landesgesetzen über Warnhinweise bei chemischen Produkten gewichtet wird. Die US-Umweltbehörde EPA hält Glyphosat für unbedenklich bei richtiger Anwendung und unterstützte die Kennzeichnung ohne Warnhinweis. Ob Bayer diesmal auf ein Grundsatzurteil hoffen kann, bleibt ungewiss. Die Unklarheit drückt den Börsenkurs der zuletzt erholten Bayer-Aktien, die nach den Neuigkeiten rund 5 Prozent auf 25,65 Euro fallen.
Trotz einer Erholung von 40 Prozent seit dem Mehrjahrestief im April, deutet das langfristige Bild auf Herausforderungen hin. Bereits 2018, vor der ersten Niederlage in einem ähnlichen Prozess, lag der Wert der Aktien bei über 93 Euro. Diese Entwicklung wurde durch die Übernahme von Monsanto und der damit verbundenen Klagewelle ausgelöst, was den Konzernwert inzwischen erheblich verringerte.

