Bauspargeschäft in Deutschland: Normalisierung nach Zinsboom
Das Bauspargeschäft in Deutschland erfährt nach der Ära des Zinsbooms einen merkbaren Rückgang. Sowohl die privaten Bausparkassen als auch die Landesbausparkassen (LBS) berichten von einem abnehmenden Neugeschäft. Seit 2024 verzeichnet man eine sinkende Nachfrage, die 2025 weiterhin anhält.
Die LBS meldet in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 rund 297.000 neue Bausparverträge mit einem Volumen von 16,5 Milliarden Euro. Dies stellt einen Rückgang von 13,9 Prozent bei der Anzahl der Verträge und von 20,8 Prozent in der Bausparsumme im Vergleich zum Vorjahr dar. Die aktuelle Entwicklung wird als eine Art Normalisierung angesehen, nachdem die unerwartete Zinswende im Jahr 2022 das Bausparen in eine beispiellose Boomphase versetzte.
Auch der Verband der Privaten Bausparkassen sieht in dieser Abkühlung eine erwartbare Entwicklung. Verbandschef Bernd Hertweck, zugleich Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Wüstenrot, betont dennoch das anhaltend hohe Interesse: "Viele Menschen suchen nach Planungssicherheit, besonders in einem volatilen Zinsumfeld."
Bausparverträge gliedern sich klassisch in zwei Phasen: In einer ersten Phase sparen die Kunden regelmäßig, um sich später günstige Kreditkonditionen zu sichern. Diese Form der Finanzplanung bietet Sicherheiten, insbesondere bei Immobilienkäufen, und umfasst zudem Guthabenzinsen.
Die Branche weist darauf hin, dass der Wunsch nach langfristiger Sicherheit im Bausparwesen weiter an Bedeutung gewinnt. Hertweck hebt hervor, dass Bausparen eine moderne Form der Vorsorge darstellt, die den Aufbau von Eigenkapital mit gesicherten Darlehenszinsen verbindet, was besonders in unsicheren Wirtschaftslagen wichtig ist.
Derzeit können bei einem Bausparvertrag Darlehenszinsen zwischen 0,45 und knapp 2,5 Prozent gesichert werden, abhängig von Tarif, Laufzeit und Sparphase. Im Gegensatz dazu stehen Immobilienkredite, bei denen die Zinsen bei guter Zinsbindung und Voraussetzungen wieder über vier Prozent liegen.
Die Zinsanpassungen der Europäischen Zentralbank (EZB) trieben einst das Geschäft stark an. Nach der Finanzkrise hatte die Niedrigzinspolitik der EZB das Bausparen unter Druck gesetzt, da günstige Kredite alltäglich geworden waren. Doch mit der Zinswende 2022 zogen die Kreditzinsen wieder an, was zu einem Boom bei Bausparverträgen führte. Im Juni stabilisierte die EZB den Leitzins bei zwei Prozent.
Die Landesbausparkassen beherrschen rund ein Drittel des Marktes in Deutschland, während der Rest unter die privaten Institute fällt. In Baden-Württemberg, dem Kernland der Branche, finden sich die Schwergewichte Schwäbisch Hall, die LBS Süd, Wüstenrot und die Deutsche Bausparkasse Badenia, die 2024 mehr als 60 Prozent der neuen Bausparsummen ausmachten.

