Deutsche Bahn

Bahn kämpft um Trendwende - Lutz unter Druck

27. März 2025, 14:08 Uhr · Quelle: dpa
Die Bahn gibt ein beklagenswertes Bild ab. Die Züge sind unpünktlich wie nie, und die wirtschaftlichen Ziele verfehlt der Konzern erneut. Für den Bahnchef ist die Kehrtwende ein persönliches Anliegen.

Berlin (dpa) - Die Züge unpünktlich, das Schienennetz marode und die Bilanz tief in den roten Zahlen: Die Deutsche Bahn fährt der erhofften Trendwende weiter hinterher. Geht es nach Plänen der voraussichtlich nächsten Bundesregierung, könnte das für Bahnchef Richard Lutz Konsequenzen haben. Doch der Vorstandsvorsitzende hält tapfer daran fest, dass der Umschwung mit ihm an der Spitze möglich ist. 

«Ich leide jeden Tag ein Stück weit mit, auch mit unseren Fahrgästen im Personenverkehr», sagte er bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Berlin. Doch sei er dafür angetreten, diese Krise zu überwinden, «und dafür werde ich meine Energie - zumindest mal, solange ich diesen Job mache, und er macht mir nach wie vor Spaß - verwenden, jeden Tag.»

Unterhändler von CDU, CSU und SPD fordern in den Koalitionsverhandlungen, den 60-Jährigen abzusetzen. Lutz ist seit 2017 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG. Acht Jahre später sieht die Lage düster aus.

Die (Un-)Pünktlichkeit - Ein historischer Tiefstwert

So waren im vergangenen Jahr nur 62,5 Prozent der Fernzüge pünktlich unterwegs - nicht einmal zwei von drei ICE und IC also. «Historisch schlecht» sei das, heißt es im internen Strategiepapier «S3», das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. 

Schuld an der hohen Unzuverlässigkeit ist aus Bahn-Sicht vor allem die marode Infrastruktur. Sie führt zu vielen ungeplanten Baustellen, die den Fahrplan zerschießen. Hinzu kommt die zu teils zu hohe Auslastung des Netzes.

Sanierung soll die Kehrtwende bringen

«S3» steht für ein umfassendes Programm, mit dem die Bahn das Ruder rumreißen will. Statt mehr Verkehrswachstum steht dabei die Stabilisierung des gesamten Bahnsystems im Mittelpunkt. Die drei zentralen Ziele sind die Verbesserung des Betriebs, die Sanierung der Infrastruktur und solide Finanzen. Schon in diesem Jahr will der Konzern zumindest operativ - also vor Zinsen und Steuern (Ebit) - wieder schwarze Zahlen schreiben. 

Im vergangenen Jahr stand an dieser Stelle noch ein großes, um Inflationseffekte bereinigtes Minus in Höhe von 333 Millionen Euro. Unter dem Strich machte der Konzern gar einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro. Die gut laufende Logistiktochter DB Schenker bessert die Bilanz aufgrund ihres Verkaufs an den dänischen Wettbewerber DSV nicht mehr auf. 

Krise im Güterverkehr hält an

Immerhin: Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Zahlen bereits verbessert. Das liegt vor allem daran, dass der Bund hohe Kosten für Infrastrukturmaßnahmen ausgeglichen hat, für die die Bahn in Vorleistung gegangen war. 

Besonders schlecht laufen die beiden Sparten Güter- und Fernverkehr. Das bereinigte Ebit bei DB Cargo belief sich im vergangenen Jahr auf ein Minus von mehr als 350 Millionen Euro. Schon Ende kommenden Jahres muss die seit Jahren kriselnde Güterverkehrs-Tochter schwarze Zahlen schreiben. So will es die EU-Kommission. Im Fernverkehr wiederum verdoppelte sich das operative Minus nahezu auf rund 96 Millionen Euro.

Pünktlichkeit soll bis 2027 deutlich steigen

Sparen will der Konzern nun auch am Personal, insbesondere in der Verwaltung. Bis 2027 sollen rund 10.000 Menschen weniger für den Konzern arbeiten als noch 2024. 

Neben einem umfassenden Stellenabbau beinhaltet das Sanierungskonzept vor allem die Modernisierung des Kernnetzes. Dafür sollen bis Anfang der 2030er Jahre mehr als 40 wichtige Streckenabschnitte generalsaniert werden. Den Anfang machte 2024 die sogenannte Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt. Von August an steht die um ein Vielfaches längere Strecke zwischen Hamburg und Berlin an. Schon bis 2027 strebt die Bahn mit diesen Baumaßnahmen eine Pünktlichkeit von 75 bis 80 Prozent an. 

Bahn meldet Bedarf am Sondervermögen an

Doch die Modernisierung des Netzes kostet viel Geld. Allein die Sanierung der Riedbahn beläuft sich auf rund 1,5 Milliarden Euro - 15 Prozent mehr als nach dem Ende der Bauarbeiten veranschlagt waren. Für Hamburg-Berlin sind 2,2 Milliarden Euro vorgesehen. Hinzu kommen die vielen kleinen und mittleren Baustellen, ganz zu schweigen vom Aus- und Neubau sowie der Digitalisierung des Netzes. 

In der Diskussion um den rund 500 Milliarden Euro schweren Infrastrukturfonds der Bundesregierung schlug die Bahn deshalb erste Pflöcke ein. Bis zu 150 Milliarden Euro brauche der Konzern aus dem Schuldentopf, betonten Lutz und Finanzvorstand Levin Holle. Zusätzlich geht die Bahn davon aus, dass bis 2034 weitere 142 Milliarden Euro über den regulären Haushalt fließen.

Die neue Bundesregierung und die Frage einer Zerschlagung

Wie die neue Regierung zu alldem steht, war lange unsicher. CDU und CSU hatten im Wahlkampf immer wieder gefordert, Schienennetz und Bahnbetrieb voneinander zu trennen. Inzwischen ist ein radikaler Kurswechsel unter Schwarz-Rot unwahrscheinlich. Die SPD lehnt eine Zerschlagung des Konzerns grundsätzlich ab. Die Unterhändler der drei Parteien schlagen stattdessen vor, die Infrastruktursparte InfraGo innerhalb des «integrierten Konzerns» weiter vom Konzern zu entflechten, wie aus einem Papier der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur, Bauen und Wohnen hervorgeht, das der dpa vorliegt. 

Lutz kommentierte die Pläne nicht, betonte aber erneut die Bedeutung eines integrierten Konzerns. «Debatten über die Trennung von Netz und Betrieb können wir uns nicht leisten», sagte er. «Das löst keine Probleme, kostet nur Zeit und lenkt ab.»

Denkbar ist indes, dass Vorstandschef Lutz und andere Mitglieder aus Vorstand und Aufsichtsrat unter einer neuen Bundesregierung gehen müssen. Sowohl beim Bahn-Konzern als auch bei der InfraGo solle eine «Neuaufstellung von Aufsichtsrat und Vorstand» angestrebt werden, heißt es in dem Papier.

Ungeachtet der Krise hat Lutz im vergangenen Jahr erheblich mehr Geld bekommen. Inklusive Bonus-Zahlungen kommt der Vorstandsvorsitzende des bundeseigenen Konzerns auf rund 2,1 Millionen Euro im Jahr 2024. Im Jahr davor lag sein Einkommen noch um rund eine Million Euro niedriger. Die zweithöchsten Bezüge im Vorstand hat der für Infrastruktur zuständige Berthold Huber. Er bekam 2024 insgesamt rund 1,4 Millionen Euro.

Bahn / Verkehr / Deutschland
27.03.2025 · 14:08 Uhr
[0 Kommentare]
Vulkanlandschaft auf Teneriffa
Leese (dpa) - Mehr als drei Jahre nach dem Verschwinden eines jungen Mannes aus Niedersachsen auf den kanarischen Inseln steht nun dessen Tod fest. Wie der Anwalt der Familie auf Anfrage bestätigte, teilten die spanischen Behörden der zuständigen Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg mit, dass die Leiche des Vermissten in einer Schlucht auf der Insel […] (03)
vor 10 Minuten
Kelly Osbourne teilte dieses Foto von Kiinicki auf Instagram
(BANG) - Kelly Osbourne hat neue Liebesspekulationen ausgelöst, nachdem sie einige Schnappschüsse in den sozialen Medien geteilt hat. Wenige Wochen nach ihrer Trennung von ihrem Verlobten Sid Wilson veröffentlichte die Reality-TV-Bekanntheit mehrere Instagram-Schnappschüsse von Kiinicki, einer in Los Angeles ansässigen nichtbinären Person, die als […] (00)
vor 11 Stunden
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 53 Minuten
Ein Foto, ein Rätsel – deutet Naughty Dog eine Rückkehr von Uncharted an?
Manchmal braucht es kein offizielles Ankündigungsvideo, keinen Trailer und keine Pressemitteilung. Manchmal genügt ein einziges Foto, um die Gaming-Welt in helle Aufregung zu versetzen. Naughty Dogs Kreativdirektor Shaun Escayg hat mit einem unscheinbaren Instagram-Bild und einem einzigen Wort eine Lawine losgetreten – und wer die Geschichte des Studios […] (00)
vor 6 Stunden
National Geographic zeigt «Innovation durch Desaster»
Der Sender widmet sich ab Ende Mai den größten technischen Katastrophen und den Lehren daraus. National Geographic nimmt im Mai eine neue Doku-Reihe ins Programm: Innovation durch Desaster feiert am Mittwoch, 27. Mai 2026, um 20.15 Uhr TV-Premiere und läuft fortan mittwochs zur Primetime. Die kanadische Produktion aus dem Jahr 2025 trägt im Original den Titel «Engineering by Catastrophe» und […] (00)
vor 8 Stunden
SC Freiburg - Bayern München
Berlin (dpa) - Der FC Bayern hat sich bei der Generalprobe für den Champions-League-Kracher bei Real Madrid mit einer spektakulären Aufholjagd Selbstvertrauen geholt. Der Rekordmeister aus München kam beim SC Freiburg nach einem 0: 2-Rückstand dank drei später Tore noch zu einem 3: 2 (0: 0). Im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse treten die Bayern, […] (02)
vor 1 Stunde
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Im ersten Quartal 2026 haben drei bedeutende Unternehmen erhebliche Mengen an Bitcoin verkauft, was auf eine wesentliche Änderung ihrer Treasury-Strategien hindeutet. Vor dem Hintergrund geopolitischer Turbulenzen auf den Finanzmärkten haben Riot Platforms, MARA Holdings und Nakamoto zusammen über 19.000 BTC in den ersten drei Monaten des Jahres […] (00)
vor 1 Stunde
Durchhaltevermögen: Die innere Kraft, die über Erfolg entscheidet
Höchst i. Odw., 04.04.2026 (lifePR) - In einer schnelllebigen Welt voller Herausforderungen, Leistungsdruck und ständiger Veränderungen wird Durchhaltevermögen (auch mentale Stärke oder Resilienz) zu einer der wichtigsten Fähigkeiten. Es beschreibt die Fähigkeit, trotz Rückschlägen, Erschöpfung oder Hindernissen an Zielen festzuhalten, Aufgaben mit […] (00)
vor 13 Stunden
 
Leuchtende Pflanzen statt Straßenlaternen? Glühwürmchen-Gene machen’s möglich!
Bis jetzt gibt es sie nur in den Gewächshäusern von Magicpen Bio: leuchtende […] (00)
Statue für weltbekannte Minensuch-Ratte Magawa
Siem Reap (dpa) - Mit erhobener Spürnase, langen Schnurrhaaren und wachen Knopfaugen blickt […] (04)
Alice Weidel und Tino Chrupalla (Archiv)
Berlin - Die AfD ist laut einer Umfrage des Instituts Insa wieder stärkste politische […] (05)
Marc Vallendar (Archiv)
Berlin - An einen Wahlkampfstand der Berliner AfD hat es am Samstag nach […] (18)
stock, chart, apple, bitcoin, investing, trading, crypto, block chain, vpn, euro
Im März verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs einen Nettozufluss von $1,32 Milliarden, […] (00)
Daniel Radcliffe
(BANG) - Daniel Radcliffe hat "tiefgreifendes Glück" gefunden, seit er Vater geworden […] (01)
Cthulhu: The Cosmic Abyss – Erlebt die Musik im Trailer
NACON  und das Studio  Big Bad Wolf  gewähren einen Blick hinter die Kulissen der […] (00)
Die IT-Branche entwickelt sich in einem beispiellosen Tempo, angetrieben durch […] (01)
 
 
Suchbegriff