Auf der Suche nach einem fairen Wahlrecht: Ein Balanceakt im Bundestag
Es gibt zweifellos überzeugende Argumente dafür, das weltweit größte Parlament, den Deutschen Bundestag, zu verkleinern. Die Reduzierung der Mandate, die um über einhundert Sitze schrumpfen soll, wäre mit Herausforderungen verbunden, das war abzusehen.
Doch der Umstand, dass zahlreiche Kandidatinnen und Kandidaten trotz eines erdrutschartigen Sieges in ihrem Wahlkreis den Einzug ins Parlament verpassen, zeigt, dass die jetzige Lösung nicht ohne Konflikte ist. Diese Entwicklung lässt sich nur schwer den Bürgerinnen und Bürgern vermitteln, die annehmen durften, dass jede Stimme Gewicht hat.
Wenn jedoch aus Wahlkreis-Siegern plötzlich Verlierer werden und unzählige Stimmen letztlich bedeutungslos sind, gerät die Glaubwürdigkeit des Systems ins Wanken. Die Bundesregierung steht hier in der Pflicht, Einheit zu demonstrieren und das Wahlrecht zeitnah zu korrigieren.
Ein pragmatischer Ansatz könnte darin bestehen, die Wahlkreise zu vergrößern und dafür den direkt gewählten Kandidatinnen und Kandidaten wieder einen garantierten Sitz im Parlament zu verschaffen. Dies wäre ein fairer Kompromiss, der sowohl den zeitraubenden Debatten wie auch den demokratieskeptischen Stimmen entgegenwirkt.

