Audi bleibt vorerst ein reiner Männerclub
Wechsel im Einkauf – Dehoorne soll übernehmen
Mit Renate Vachenauer verliert Audi die letzte Frau im Vorstand. Nach Informationen des manager magazins soll ihr Posten als Einkaufsvorstand im kommenden Jahr an den Belgier Dieter Dehoorne gehen. Der 51-Jährige gilt als erfahrener Branchenprofi: Er war über zwei Jahrzehnte bei Volvo tätig und wechselte später als Einkaufschef zum dänischen Windkraftanlagenbauer Vestas. Nun soll er in Ingolstadt die Nachfolge antreten – offiziell bestätigt wurde die Personalie bislang nicht.
Verstöße gegen die eigenen Governance-Regeln
Mit dem Weggang Vachenauers verstößt Audi gegen die unternehmenseigenen Corporate-Governance-Vorgaben, die eine Geschlechterdiversität im Vorstand vorsehen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern Vertriebschefin Hildegard Wortmann durch Marco Schubert ersetzt – ebenfalls ein Mann. Damit ist der gesamte Vorstand des Premiumherstellers männlich besetzt.
Döllners Kurs: externe Experten statt interner Förderung
Vorstandschef Gernot Döllner, seit rund einem Jahr im Amt, setzt bei zentralen Posten zunehmend auf externe Kandidaten. Auch der Entwicklungsvorstand wurde kürzlich von außen besetzt – mit dem Franzosen Geoffrey Bouquot, zuvor bei Valeo. Kritiker im Unternehmen werfen Döllner vor, damit den internen Aufstieg von Talenten, insbesondere weiblichen Führungskräften, zu blockieren.
Ein schwieriges Machtgefüge
Intern gilt das Verhältnis zwischen Döllner und Personalchef Xavier Ros als angespannt, während Ros Rückendeckung vom Betriebsratsvorsitzenden Jörg Schlagbauer genießt. Damit verfestigt sich das männlich dominierte Machtgefüge in Ingolstadt weiter – ein Zustand, der in Zeiten von Diversitäts- und ESG-Debatten kaum erklärbar scheint.
Audi steht vor einem Glaubwürdigkeitsproblem: Während die Konzernmutter Volkswagen öffentlich Diversität als strategisches Ziel ausgibt, regieren bei der Premiummarke derzeit ausschließlich Männer. Die Nachfolge Vachenauers könnte damit mehr als eine Personalentscheidung werden – sie ist ein Symbol dafür, ob Audi bereit ist, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.


