Angela Merkel und der 'Wir schaffen das'-Moment: Ein Wendepunkt der Geschichte?
War Angela Merkels berühmter Satz 'Wir schaffen das' tatsächlich ein strategischer Fehltritt oder zeigt er vielmehr ihre menschliche Seite? Diese Frage regt heute noch die Gemüter an und wird kontrovers diskutiert. Es wäre jedoch zu simpel, Merkels Entscheidung im Sommer 2015 pauschal als Auslöser für den Aufstieg rechtsradikaler Strömungen verantwortlich zu machen. Vielmehr bemühte sich die ehemalige Bundeskanzlerin um Menschlichkeit und Zuversicht. Sie wollte den Bürgerinnen und Bürgern Deutschlands Mut zusprechen, die logistische Mammutaufgabe der Massenzuwanderung zu bewältigen.
Durch ihre Worte trug Merkel zur Deeskalation in einer angespannten Zeit bei. Positiv bleibt vielen die damals gelebte Willkommenskultur im Gedächtnis. Diese Erinnerung steht als Zeugnis ihrer Empathie, die sie anstelle von Kaltherzigkeit zeigte, und dies darf im Nachgang nicht einfach als Fehler verbucht werden. Dass im Zuge der damaligen Umstände dennoch gravierende Fehler wie die unkontrollierte Einreise Zehntausender Menschen gemacht wurden, ist unstrittig. Die daraus resultierenden Herausforderungen sind bis heute spürbar.

