Analyst sieht neue Krypto-Zyklus durch globale Umwälzungen ausgelöst

Ein bröckelndes globales System und ein erneutes Interesse an Gold könnten den Beginn eines neuen Krypto-Zyklus markieren, auch wenn Bitcoin das Signal noch nicht bestätigt hat. Diese Ansicht vertritt der Analyst Will Taylor, der in einem Beitrag auf X eine makroökonomische Perspektive auf Kryptowährungen darlegte.
Taylor beschreibt, dass sich die Weltordnung in den letzten fünf bis sechs Jahren verändert hat. Er verweist auf eine von den USA geführte "regelbasierte Ordnung", die erste Anzeichen von Instabilität zeigt, und nennt als Beispiele die Zölle unter Trump sowie den Russland-Ukraine-Konflikt. Besonders die Entscheidung, Russlands Fähigkeit, in US-Dollar zu handeln, einzuschränken, wird hervorgehoben.
Gold sieht Taylor als Indikator für den Markt. Er argumentiert, dass der Druck durch Sanktionen Gold aus einer langen Konsolidierung herausgetrieben haben könnte. Der Anstieg des Goldpreises sei weniger eine Reaktion auf Inflation, sondern vielmehr ein Ausdruck von Vertrauensverlust in die aktuelle Weltwirtschaftsstruktur.
In Bezug auf Kryptowährungen stellt Taylor die Frage, warum diese nicht bereits neu bewertet werden, wenn das Vertrauen schwindet und Dezentralisierung an Wert gewinnen sollte. Er sieht zwei Möglichkeiten: Entweder ist der Wert von Kryptowährungen beeinträchtigt, oder der Markt befindet sich in einem kurzfristigen Rückgang innerhalb eines größeren Zyklus.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Beziehung zwischen Bitcoin und Gold. Seit Oktober habe sich Bitcoin von seiner bisherigen Korrelation mit Gold entfernt. Um diese Beziehung wiederherzustellen, müsste Bitcoin laut Taylor bei etwa $170.000 stehen. Diese Zahl dient als Marker für die Diskrepanz zwischen der Unsicherheit, die Gold signalisiert, und der Rolle, die Bitcoin noch verhandelt.
Die bullische Perspektive: Exponentielle Neubewertung und Krypto-Rotation
Taylor sieht eine starke Aufwärtsbewegung als wahrscheinlich an. Er argumentiert, dass Bitcoin technisch und narrativ als grenzenloses Asset in einer zunehmend fragmentierten Welt positioniert ist. Selbst wenn das System brüchiger wird, sieht er in Bitcoin keine bessere digitale Alternative für Portabilität und Geschwindigkeit.
Er spekuliert, dass Bitcoin $200.000 bis $500.000 erreichen könnte, möglicherweise sogar "über $500.000", falls Liquidität aus größeren Märkten in Bitcoin fließt. Der Mechanismus dahinter sei nicht nur die Marktkapitalisierung, sondern auch das Angebot-Nachfrage-Verhältnis: Eine konzentrierte Nachfragewelle bei begrenztem Angebot könne den Preis schneller bewegen, als viele Modelle erwarten.
Besonders bemerkenswert ist Taylors Behauptung, dass Altcoins die nächste Phase anführen könnten. Er argumentiert, dass Bitcoin hauptsächlich als Wertaufbewahrungsmittel dient, während eine funktionale Finanzschicht schnellere Wertübertragungen, Smart Contracts und andere Finanzinstrumente erfordert. Sollte Krypto zur Infrastruktur für Zahlungen im KI-Zeitalter und globale Abwicklungen werden, müssten Altcoins ins Zentrum rücken.
Volatilitätskompression und Kursziele
Taylor verweist auch auf technische Signale. Er sieht eine breitere bärische Struktur in der Bitcoin-Dominanz und eine enge Bollinger-Band-Kompression als Anzeichen dafür, dass Volatilität bevorsteht. Zudem erwähnt er das "quantum risk"-Narrativ rund um Bitcoins Kryptografie, während er argumentiert, dass negative Narrative sich häufen, wenn die Stimmung bereits gedrückt ist.
In Bezug auf die Zyklusstruktur stellt er fest, dass sich Krypto-Zyklen sowohl in Dauer als auch in Umfang komprimiert haben: 22.000% über 853 Tage (2015 bis Februar 2018), dann etwa 1.200% über 395 Tage im nächsten Zyklus. Er schlägt vor, dass der Markt etwa 600% "innerhalb von 184 Tagen" hinzufügen könnte, was zu einem Gesamtwert von rund $16 Billionen führen würde.
Er skizziert ein Szenario, in dem $6 Billionen in Stablecoins fließen und der Rest in liquide Krypto-Exposition, was Auswirkungen auf DeFi und die Netzwerke, auf denen Stablecoins laufen, impliziert. Unter diesem Hintergrund nennt er aggressive Kursziele: ETH bei $30.000–$40.000, XRP bei $20–$25 und Solana bei $2.000, während er anerkennt, wie extrem diese Prognosen aus heutiger Sicht erscheinen.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag die gesamte Marktkapitalisierung von Kryptowährungen bei $2,3 Billionen.

