Amazon vor Gericht: Der Riese unter Anklage
Die Auseinandersetzungen rund um Amazon bleiben spannend: In einer bedeutenden gerichtlichen Auseinandersetzung in Seattle steht Amazons Prime-Abo im Mittelpunkt. Ziel dieser Verhandlungen ist es, mögliche Veränderungen in der Funktionsweise des beliebten 139-Dollar-Abonnements zu erörtern, das weltweit von etwa 200 Millionen Menschen genutzt wird, mit dem Kernmarkt in den USA. Prime bietet raschen Versand, Streaming-Dienste sowie exklusive Angebote und ist für Amazon ein entscheidendes Geschäftsfeld mit jährlichen Einnahmen von über 40 Milliarden Dollar.
Die US-amerikanische Wettbewerbsbehörde FTC erhebt den Vorwurf, Amazon habe Millionen Kunden unbemerkt in das Prime-Abonnement gelockt und es ihnen durch frustrierende Hürden nahezu unmöglich gemacht, sich wieder abzumelden. Gerichtsdokumente illustrieren diese Problematik mit dem dramatischen Spitznamen „Ilias“ für den Kündigungsprozess — eine Anspielung auf das epische und langwierige griechische Drama.
Amazon weist diese Anschuldigungen zurück und betont den hohen Nutzen und Wert des Prime-Abos, basierend auf beeindruckenden Erneuerungsraten und Kundenzufriedenheit. Dennoch bleibt die brisante Frage im Raum: Beruht Prime’s Erfolg auf echter Kundenbindung oder auf sogenannter „Dark Patterns“, die Nutzer dazu bringen, unbeabsichtigt mehr auszugeben und sich schwer von Diensten zu trennen?
Wenn das Gericht Amazon für gesetzeswidrig erklärt, wird Richter John H. Chun über die Konsequenzen entscheiden. Auch die persönlichen Verstrickungen der Führungskräfte Neil Lindsay und Jamil Ghani könnten dabei geprüft werden. Die FTC kritisiert, dass trotz interner Warnungen Änderungen zur Verbesserung der User Experience verzögert, vermieden oder sogar gestoppt wurden, um negative Auswirkungen auf Amazons Umsatz zu vermeiden.

