Aktivrente auf dem Prüfstand: Gewerkschaften und Arbeitgeber mahnen
Die Pläne der Bundesregierung zur Einführung einer „Aktivrente“ treffen bei Gewerkschaften und Arbeitgebern auf deutliche Kritik. Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer des BDA, bringt es mit einem plastischen Bild auf den Punkt: Die Politik drücke gleichzeitig auf Gas und Bremse. Die Idee der „Aktivrente“, die längeres Arbeiten fördern soll, steht im Gegensatz zur abschlagsfreien Frühverrentung, die den vorzeitigen Ruhestand belohnt. Kampeter sieht darin eine wenig effektive Anreizstruktur, die letztlich sowohl Steuer- als auch Beitragszahler teuer zu stehen komme.
Anja Piel, im Vorstand des DGB und Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund, warnt ebenfalls vor den Kosten. Ihrer Ansicht nach verschärft die geplante Regelung bestehende Probleme, anstatt sie zu lösen. Laut Piel hindern gesundheitliche Aspekte, unzureichende Arbeitsbedingungen oder eine fehlende Bereitschaft der Arbeitgeber, Rentner weiter zu beschäftigen.
Piel fordert ein Umdenken, das sich durch zielgerichtete Maßnahmen auszeichnet. Anstatt pauschaler Steuervorteile für eine bestimmte Gruppe, sollte ein Fokus auf verbesserten Arbeitsbedingungen liegen, die es ermöglichen, gesund bis zum Rentenalter zu arbeiten. Zudem sollten altersgerechte Arbeitsplätze geschaffen und Lösungen für Frauen in unfreiwilliger Teilzeit entwickelt werden, um dem demografischen Wandel zu begegnen.
Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass Rentnerinnen und Rentner künftig bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen können. Bundeskanzler Friedrich Merz plant, diese Regelung bis Anfang 2026 zu realisieren. Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt jedoch vor hohen Steuerausfällen: Schon bei den derzeit rund 600.000 erwerbstätigen Rentnern würden Mitnahmeeffekte in Höhe von 2,8 Milliarden Euro entstehen.

