Airbus und Boeing: Zwei Giganten auf kontrastreichen Pfaden
Der europäische Flugzeugbauer Airbus zeigt sich optimistisch, sein Auslieferungsziel von 820 Jets trotz knapper Triebwerksversorgung zu erreichen. Guillaume Faury, Vorsitzender des Vorstands, bekräftigte dieses Vorhaben trotz der Herausforderung, mehr als 300 Maschinen in den letzten Monaten des Jahres zu übergeben. Im Gegensatz dazu kämpft der amerikanische Konkurrent Boeing weiterhin mit erheblichen finanziellen Verlusten und verzögert die Auslieferung seines Großraummodells 777X, was auch die Fluggesellschaft Lufthansa betrifft.
An den Finanzmärkten spiegeln sich die konträren Unternehmensnachrichten wider: Die Aktie von Airbus erreichte am Donnerstag in Frankfurt ein Allzeithoch von 216,85 Euro und stieg zeitweise um über vier Prozent. Im DAX rangierte sie als stärkster Gewinner, während das Papier von Boeing an der Wall Street um mehr als vier Prozent fiel und damit im Dow Jones den letzten Platz belegte. Diese Entwicklung setzt den langfristigen Trend der beiden Unternehmen fort: Airbus konnte seinen Aktienkurs seit dem pandemiebedingten Tief 2020 vervierfachen, während Boeing nur auf einen Anstieg von 140 Prozent kam.
Börslich hat Airbus den US-Konkurrenten längst überholt und verfügt mit einem Wert von rund 170 Milliarden Euro über einen größeren Börsenwert als Boeing mit 140 Milliarden Euro. Trotz voller Auftragsbücher kämpfen beide Unternehmen mit unterschiedlichen Herausforderungen: Airbus mit Engpässen bei Zulieferern und Boeing mit hausgemachten Problemen wie Qualitätsmängeln und Vorfällen, die das Vertrauen erschütterten.
Für das laufende Jahr plant Airbus, seinen bereinigten operativen Gewinn deutlich zu steigern, während der freie Mittelzufluss um 4,5 Milliarden Euro ansteigen soll. Trotz eines Minus von 914 Millionen Euro aus den ersten neun Monaten, geht Finanzvorstand Thomas Toepfer davon aus, im vierten Quartal den Spieß umzudrehen. Vor allem die Lieferkette von Triebwerken zeigt sich zuletzt stabiler mit einer besseren Versorgung durch Partner wie die RTX-Tochter Pratt & Whitney sowie das CFM-Bündnis.
Dagegen zieht sich die Krise bei Boeing weiter in die Länge. Die neue Verschiebung des 777X auf 2027 verursacht weitere 4,9 Milliarden US-Dollar Kosten, was den Gesamtschaden auf 16 Milliarden Dollar anwachsen lässt. Während der Verlust für das dritte Quartal mit 5,3 Milliarden Dollar geringer ausfiel als im Vorjahr, übertraf er die Erwartungen von Analysten bei weitem. Ein Lichtblick war Boeings Fähigkeit, den Abfluss von Barmitteln unerwartet zu stoppen, obwohl im vergangenen Jahr nur 348 Maschinen ausgeliefert wurden – weniger als die Hälfte der Auslieferungen von Airbus.

