ADNOC rüstet sich für EU-Untersuchung: Ein Präzedenzfall der internationalen Übernahme
Der staatliche Ölkonzern ADNOC aus Abu Dhabi trifft Vorkehrungen zur Adressierung der EU-Subventionsuntersuchung im Zuge seines ehrgeizigen 14,7-Milliarden-Euro-Gebots für den deutschen Chemieriesen Covestro. Nach Insiderinformationen steht die Umwandlung einer vorgeschlagenen Kapitalerhöhung von 1,2 Milliarden Euro in ein Gesellschafterdarlehen im Raum. Dieser Deal markiert nicht nur ADNOCs bislang größte Akquisition, sondern gehört auch zu den bedeutendsten ausländischen Übernahmen eines EU-Unternehmens durch einen Golfstaat.
Doch die Europäische Kommission, als Hüterin des Wettbewerbsrechts, hat Bedenken geäußert, dass ADNOC von staatlichen Subventionen profitiert. Zudem steht im Raum, dass ausländische Hilfen in die Kapitalerhöhung von Covestro eingeflossen sein könnten. ADNOC plant, die Kapitalerhöhung in ein marktgerechtes Gesellschafterdarlehen umzuwandeln.
Ebenso soll das Unternehmen die EU-Bedenken in Bezug auf unbegrenzte Staatsgarantien adressieren, ähnlich wie es die UAE-Telekommunikationsgruppe e& bei ihrer Akquisition von Teilen der tschechischen PPF im letzten Jahr tat. Dabei erklärte e&, dass sie ihre Satzung in Einklang mit dem ordentlichen UAE-Insolvenzrecht bringt. Zusätzlich wird ADNOC wahrscheinlich die Zusage machen, Covestros Technologie und geistiges Eigentum in Europa zu belassen.
Die EU-Kommission, die die Untersuchung im Rahmen der Foreign Subsidies Regulation (FSR) durchführt, äußerte sich bisher nicht dazu. Ein Sprecher des internationalen Investmentarms von ADNOC, XRG, erklärte, dass man zu laufenden Gesprächen keine Stellung nehme. ADNOCs CEO, Sultan Ahmed Al Jaber, hatte kürzlich ein Telefongespräch mit EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera. In der vergangenen Woche kritisierte ADNOC die EU-Regulatoren scharf für ihre umfangreichen Informationsanfragen, die die Übernahme gefährden könnten.

