ACS kann die Mehrheit bei Hochtief anvisieren
03. Februar 2011, 11:28 Uhr · Quelle: FREI
(NEU: weitere Details, Lütkestratkötter, Concessions)
Von Markus Klausen und Olaf Ridder DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Für den spanischen Baukonzern ACS ist der Weg zur Mehrheitsübernahme bei Hochtief frei. Fünf Monate nach Ankündigung des Vorhabens konnte der Konzern aus Madrid am Donnerstag vermelden, dass die Schwelle von 30% mit dem freiwilligen Übernahmeangebot endgültig überschritten worden ist. Damit kann ACS nach deutschem Recht weitere Hochtief-Aktien an der Börse kaufen, ohne allen Aktionären des Essener Baukonzerns ein Pflichtangebot unterbreiten zu müssen.
Das haben die Spanier bereits getan: Knapp 2 Mio Hochtief-Anteile kauften sie nach Ablauf der Angebotsfrist am 18. Januar bis Mittwochabend, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Insgesamt steht die Beteiligung damit bei knapp 33,5%.
Hoffnungen bei Hochtief, dass eine ausreichende Zahl von Aktionären sich im Laufe einer zweiwöchigen Rücktrittsfrist gegen ACS entscheiden würden und die 30-Prozent-Marke verfehlt würde, erfüllten sich nicht. Zwar wurde das Rücktrittsrecht für gut 530.000 Aktien ausgeübt, doch trotzdem erreichte ACS ohne die zwischenzeitlichen Zukäufe an der Börse eine Hochtief-Beteiligung von knapp 30,9%.
Erklärtes Ziel der Spanier ist jetzt die Übernahme einer knappen Mehrheit bei Hochtief. Dann könnte ACS den profitablen Essener MDAX-Konzern in der eigenen Bilanz konsolidieren. Auf der Hauptversammlung im Mai können die Spanier einen Sitz im Aufsichtsrat beanspruchen und damit Einfluss auf die künftige Zusammensetzung des Konzernvorstandes nehmen. Hochtief-Vorstandsvorsitzender Herbert Lütkestratkötter sagte am Donnerstag während einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz, nun mit ACS-Chef Florentino Perez über die anstehenden Themen sprechen zu wollen. Auch über eine mögliche Investorenvereinbarung werde mit ACS gesprochen, fügte der Hochtief-Manager hinzu.
Alle Vollzugsbedingungen des Angebots sind erfüllt worden. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hatte der Offerte keine Steine in den Weg gelegt. Die Behörde hatte zuletzt untersucht, ob sich ACS und der Finanzinvestor Southeastern Asset Management womöglich unerlaubter Weise abgestimmt haben könnten. Southeastern war bei der Offerte eine Schlüsselrolle zugekommen. Der Finanzinvestor ist sowohl an ACS als auch an Hochtief beteiligt und hatte erklärt, für rund 2 Mio seiner 4 Mio Hochtief-Aktien das Angebot anzunehmen. Von Southeastern stammt daher der Löwenanteil der ACS insgesamt während des Angebots angedienten rund 3,3 Mio Aktien.
Hochtief hatte monatelang gegen das Ansinnen von ACS gekämpft. Im Dezember etwa nahm das Unternehmen über eine Kapitalerhöhung das Emirat Katar mit knapp 10% in den Kreis seiner Aktionäre mit auf. Weitere Kapitalmaßnahmen seien derzeit nicht geplant, sagte Lütkestratkötter nun. Das Emirat Katar werde den deutschen Baukonzern auch in Zukunft unterstützen.
Das Hochtief-Management befürchtet eine Zerschlagung des Unternehmens durch die hochverschuldeten Spanier. ACS hat dies bislang zurückgewiesen und zugesichert, Hochtief als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen zu erhalten. Unternehmenssitz soll Essen bleiben. Auch ein Beherrschungsvertrag wird laut ACS nicht angestrebt.
Lütkestratkötter unterstrich am Donnerstag, dass die Neuausrichtung im europäischen Geschäft fortgesetzt und der Verkauf des Betreibergeschäfts Concessions voran getrieben werde. Nach wie vor sei sowohl ein Börsengang als auch ein Verkauf an einen Investor möglich. Hochtief habe zahlreiche Anfragen erhalten.
Operativ laufe es bei den Essenern nach Plan. Im laufenden und im kommenden Jahr peile Hochtief einen operativen Gewinn von 1 Mrd EUR an. 2013 will Hochtief einen Ertrag in dieser Größenordnung aus dem rein operativen Geschäft erzielen - also ohne die zum Verkauf gestellten Konzernteile.
Die Strategie von ACS zielt darauf ab, sich mit der Übernahme der Hochtief-Mehrheit breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom schwierigen spanischen Baumarkt verringern. Überhaupt strebt der Konzern mit seinem Chef Perez eine stärkere Diversifizierung seines Geschäfts an und hat dazu ein Auge auf den lukrativen Energiemarkt geworfen. Schon länger ist ACS an dem spanischen Energiekonzern beteiligt und hat den Anteil erst kürzlich auf mehr als 20% erhöht. Für Iberdrola ist Perez Ansinnen ebenfalls unerwünscht. Beide Unternehmen liefern sich seit einiger Zeit juristische Scharmützel. So hat Iberdrola ACS etwa bislang einen Sitz im Kontrollgremium verweigert.
Die Aktie von Hochtief verlor am Mittag 2,45% auf 62,53 EUR. Die Papiere von ACS verloren nach der Wiederaufnahme des Handels deutlich an Wert und notieren bei 34,06 EUR, ein Abschlag von knapp 9%. Zuvor waren die Papiere in Madrid vom Handel ausgesetzt.
Webseiten: www.acs-offer.com www.hochtief.de
-Von Markus Klausen und Olaf Ridder, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 119, [email protected] (Natali Schwab hat an der Meldung mitgewirkt.)
DJG/kla/has
Von Markus Klausen und Olaf Ridder DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Für den spanischen Baukonzern ACS ist der Weg zur Mehrheitsübernahme bei Hochtief frei. Fünf Monate nach Ankündigung des Vorhabens konnte der Konzern aus Madrid am Donnerstag vermelden, dass die Schwelle von 30% mit dem freiwilligen Übernahmeangebot endgültig überschritten worden ist. Damit kann ACS nach deutschem Recht weitere Hochtief-Aktien an der Börse kaufen, ohne allen Aktionären des Essener Baukonzerns ein Pflichtangebot unterbreiten zu müssen.
Das haben die Spanier bereits getan: Knapp 2 Mio Hochtief-Anteile kauften sie nach Ablauf der Angebotsfrist am 18. Januar bis Mittwochabend, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Insgesamt steht die Beteiligung damit bei knapp 33,5%.
Hoffnungen bei Hochtief, dass eine ausreichende Zahl von Aktionären sich im Laufe einer zweiwöchigen Rücktrittsfrist gegen ACS entscheiden würden und die 30-Prozent-Marke verfehlt würde, erfüllten sich nicht. Zwar wurde das Rücktrittsrecht für gut 530.000 Aktien ausgeübt, doch trotzdem erreichte ACS ohne die zwischenzeitlichen Zukäufe an der Börse eine Hochtief-Beteiligung von knapp 30,9%.
Erklärtes Ziel der Spanier ist jetzt die Übernahme einer knappen Mehrheit bei Hochtief. Dann könnte ACS den profitablen Essener MDAX-Konzern in der eigenen Bilanz konsolidieren. Auf der Hauptversammlung im Mai können die Spanier einen Sitz im Aufsichtsrat beanspruchen und damit Einfluss auf die künftige Zusammensetzung des Konzernvorstandes nehmen. Hochtief-Vorstandsvorsitzender Herbert Lütkestratkötter sagte am Donnerstag während einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz, nun mit ACS-Chef Florentino Perez über die anstehenden Themen sprechen zu wollen. Auch über eine mögliche Investorenvereinbarung werde mit ACS gesprochen, fügte der Hochtief-Manager hinzu.
Alle Vollzugsbedingungen des Angebots sind erfüllt worden. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hatte der Offerte keine Steine in den Weg gelegt. Die Behörde hatte zuletzt untersucht, ob sich ACS und der Finanzinvestor Southeastern Asset Management womöglich unerlaubter Weise abgestimmt haben könnten. Southeastern war bei der Offerte eine Schlüsselrolle zugekommen. Der Finanzinvestor ist sowohl an ACS als auch an Hochtief beteiligt und hatte erklärt, für rund 2 Mio seiner 4 Mio Hochtief-Aktien das Angebot anzunehmen. Von Southeastern stammt daher der Löwenanteil der ACS insgesamt während des Angebots angedienten rund 3,3 Mio Aktien.
Hochtief hatte monatelang gegen das Ansinnen von ACS gekämpft. Im Dezember etwa nahm das Unternehmen über eine Kapitalerhöhung das Emirat Katar mit knapp 10% in den Kreis seiner Aktionäre mit auf. Weitere Kapitalmaßnahmen seien derzeit nicht geplant, sagte Lütkestratkötter nun. Das Emirat Katar werde den deutschen Baukonzern auch in Zukunft unterstützen.
Das Hochtief-Management befürchtet eine Zerschlagung des Unternehmens durch die hochverschuldeten Spanier. ACS hat dies bislang zurückgewiesen und zugesichert, Hochtief als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen zu erhalten. Unternehmenssitz soll Essen bleiben. Auch ein Beherrschungsvertrag wird laut ACS nicht angestrebt.
Lütkestratkötter unterstrich am Donnerstag, dass die Neuausrichtung im europäischen Geschäft fortgesetzt und der Verkauf des Betreibergeschäfts Concessions voran getrieben werde. Nach wie vor sei sowohl ein Börsengang als auch ein Verkauf an einen Investor möglich. Hochtief habe zahlreiche Anfragen erhalten.
Operativ laufe es bei den Essenern nach Plan. Im laufenden und im kommenden Jahr peile Hochtief einen operativen Gewinn von 1 Mrd EUR an. 2013 will Hochtief einen Ertrag in dieser Größenordnung aus dem rein operativen Geschäft erzielen - also ohne die zum Verkauf gestellten Konzernteile.
Die Strategie von ACS zielt darauf ab, sich mit der Übernahme der Hochtief-Mehrheit breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom schwierigen spanischen Baumarkt verringern. Überhaupt strebt der Konzern mit seinem Chef Perez eine stärkere Diversifizierung seines Geschäfts an und hat dazu ein Auge auf den lukrativen Energiemarkt geworfen. Schon länger ist ACS an dem spanischen Energiekonzern beteiligt und hat den Anteil erst kürzlich auf mehr als 20% erhöht. Für Iberdrola ist Perez Ansinnen ebenfalls unerwünscht. Beide Unternehmen liefern sich seit einiger Zeit juristische Scharmützel. So hat Iberdrola ACS etwa bislang einen Sitz im Kontrollgremium verweigert.
Die Aktie von Hochtief verlor am Mittag 2,45% auf 62,53 EUR. Die Papiere von ACS verloren nach der Wiederaufnahme des Handels deutlich an Wert und notieren bei 34,06 EUR, ein Abschlag von knapp 9%. Zuvor waren die Papiere in Madrid vom Handel ausgesetzt.
Webseiten: www.acs-offer.com www.hochtief.de
-Von Markus Klausen und Olaf Ridder, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 119, [email protected] (Natali Schwab hat an der Meldung mitgewirkt.)
DJG/kla/has

