15 Jahre Krieg um den Fuchtel-Controller: Nintendo zwingt BigBen endlich in die Knie
Es gibt Firmen, die Prozesse führen, und es gibt Nintendo. Der japanische Gigant ist bekannt dafür, sein geistiges Eigentum mit der Zähigkeit eines Kettenhundes zu verteidigen, doch der jüngste Sieg stellt selbst für Nintendo-Verhältnisse einen Marathon dar. Nach sagenhaften 15 Jahren juristischen Tauziehens hat das Landgericht Mannheim ein Machtwort gesprochen! BigBen Interactive (heute Nacon) muss zahlen – und zwar blutig.
Der lange Schatten der Wii-Ära
Alles begann im Juni 2010, einer Zeit, als wir noch wild fuchtelnd vor unseren Röhrenfernsehern standen und Wii Sports zelebrierten. Nintendo zerrte den Dritthersteller BigBen vor ein deutsches Gericht, weil deren Controller angeblich schamlos Patente der Wii-Fernbedienung verletzten. Es ging um ergonomische Feinheiten und spezifische Sensortechnologien, die das Herzstück des Wii-Erlebnisses bildeten.
Die Verteidigungsstrategie von BigBen war so dreist wie faszinierend: Sie argumentierten, dass sie Nintendo gar keinen echten Schaden zugefügt hätten. Die Logik? Wenn Kunden nicht ihre billigeren Controller gekauft hätten, dann hätten sie eben zu Produkten anderer Dritthersteller gegriffen – aber sicher nicht zum teuren Original von Nintendo. Das Gericht wischte diese hypothetische Schutzbehauptung nun endgültig vom Tisch. Wer klaut, muss zahlen, egal ob der Kunde auch woanders hätte „fremdgehen“ können.
Ein teures Urteil mit Zins und Zinseszins
Das Urteil vom 30. Oktober 2025 liest sich wie eine Abrechnung mit der gesamten Klon-Industrie. BigBen wurde dazu verdonnert, knapp 7 Millionen Euro Schadensersatz zu blechen. Besonders pikant: Fast 3 Millionen Euro dieser Summe sind reine Zinsen, die sich seit 2018 angesammelt haben. Das Gericht folgte Nintendos „Lost-Profits“-Theorie, die davon ausgeht, dass jeder verkaufte BigBen-Controller potenziell ein nicht verkaufter Nintendo-Controller war.
Die Kanzlei Bardehle Pagenberg formulierte es trocken: Hypothetische Szenarien, die den Schaden kleinrechnen sollen, zählen nicht zugunsten des Rechtsverletzers. Doch wer glaubt, die Akte sei nun geschlossen, kennt das Rechtssystem schlecht. BigBen hat bereits Berufung eingelegt. Der Tanz auf der juristischen Rasierklinge geht also in die nächste Runde, auch wenn Nintendo den aktuellen Punktsieg massiv feiert.
Palworld und Co.: Nintendo im Dauerfeuer-Modus
Dieser Sieg ist jedoch nur ein Puzzlestück in Nintendos globaler Strategie der totalen Abschreckung. Der Konzern fackelt nicht lange. Erst im September 2025 musste ein Modder aus Washington State („moddedhardware.com“) klein beigeben und sich auf eine Zahlung von 2 Millionen Dollar einigen.
Und dann ist da noch der Elefant im Raum: Palworld. Die Klage gegen Pocketpair wegen angeblicher Patentverletzungen bei Spielmechaniken (wie dem Fangen von Monstern) zeigt, dass Nintendo bereit ist, jeden anzugreifen, der der Marke Pokémon auch nur mechanisch zu nahe kommt. Zwar musste Nintendo hier im Oktober 2025 einen Dämpfer hinnehmen, als das japanische Patentamt eine ihrer Eingaben abwies, doch die Botschaft bleibt klar: Wer Nintendos Territorium betritt, sollte besser eine verdammt gute Rechtschutzversicherung haben.


